Seit knapp zwei Jahren sitzt der Letzlinger Andreas Guba nach einem Rückenmarksinfarkt im Rollstuhl. Ein Assistenzhund soll dem 30-Jährigen helfen, den Alltag zu bewältigen. Um sich den Hund anschaffen zu können, sammelt Andreas Guba fleißig Spenden.

Gardelegen l Es war ein ganz normaler Sonntag im Oktober 2010. Andreas Guba wohnte damals in Wolfsburg mit seiner Frau, die er drei Monate zuvor geheiratet hatte. "Ich hatte plötzlich starke Rückenschmerzen. Meine Finger fingen an zu kribbeln, und innerhalb von wenigen Minuten konnte ich sie nicht mehr bewegen. Nachdem die Rettungssanitäter eingetroffen waren, die mit mir in den Notarztwagen laufen wollten, konnte ich auch meine Beine nicht mehr bewegen. Erst nach zehn Stunden haben sie herausgefunden, dass ich einen Schlaganfall im Rückenmark hatte. Seitdem bin ich auf einen Rollstuhl angewiesen, und das Leben von meiner Frau und mir hat sich komplett verändert." So schildert der heute 30-Jährige, der mittlerweile in Hannover wohnt, was damals geschah.

Vom Wolfsburger Krankenhaus wurde er nach Magdeburg-Olvenstedt und dann nach Hamburg verlegt. Es folgten über Monate Therapien und Rehabilitationen. Mit Hilfe einer Pflegekraft kann Andreas Guba heute wieder vieles selbstständig erledigen. Noch besser ginge es mit Hilfe eines Assistenzhundes für Menschen im Rollstuhl. Dass es diese Begleiter gibt, dafür sorgt der Verein Apporte, der seinen Sitz in Wunstorf bei Hannover hat.

Für den 30-Jährigen, der auf dem Bauernhof seiner Großeltern mit vielen Tieren groß geworden ist, wäre so ein Hund nicht nur Hilfe im Alltag, sondern auch die Erfüllung eines großen Wunsches. "Von Anfang an war immer ein Hund in meinem Leben. So war es auch ein großer Traum, eines Tages einen eigenen Vierbeiner zu haben. Leider wird sich dieser Wunsch durch diesen großen Einschnitt in meinem Leben nicht erfüllen lassen, so dachte ich", schreibt Andreas Guba auf der Internetseite von Apporte. "Durch so einen Hund würde sich nicht nur ein großer Traum verwirklichen, er würde mich auch einen großen Schritt zurück ins Leben bringen. Ich hätte wieder eine Aufgabe, eine Verpflichtung, und wäre nicht mehr so sehr auf Hilfe angewiesen. Mobilität und Selbstständigkeit waren für mich früher eine Selbstverständlichkeit - mit einem vierbeinigen Freund könnte ich davon jede Menge zurückgewinnen."

Wann genau Andreas Guba seinen Assistenzhund bekommt, ist noch nicht klar. Aber einen großen Schritt ist er dem Tag schon näher gekommen. Zu Beginn hatte es einen Besuch vom Vereinsvorstand gegeben. Dem folgte die Zusage, dass er einen solchen Hund bekommen kann. Dann wurden Familie und Freunde nach dem Charakter des künftigen Besitzers befragt, "denn danach wird der Hund ausgesucht", erklärt Mutter Birgit Guba.

Wie bei Blindenhunden dauert die intensive Ausbildung der Hunde bis zu zwei Jahren. Danach können die Tiere mehr als 50 verschiedene Grundkommandos. Sie können das Telefon holen, Türen öffnen und schließen, Socken ausziehen, die Hose runter- oder hochziehen, etwas aufheben, Licht an- und ausschalten - um nur einige Beispiele zu nennen. Im Ernstfall können sie auch einen Alarm auslösen. "Der Hund, der mehrsprachig ausgebildet wird, bekommt zwei Namen. Einen, mit dem ihn alle ansprechen können, und einen nur für mich für meine Kommandos", erklärt der 30-Jährige.

Wenn feststeht, wann sein Hund zur Verfügung steht, wird Andreas Guba für zwei Wochen nach Österreich reisen, um mit dem Tier zu trainieren. Danach muss jährlich eine Prüfung absolviert werden. Die Hunde haben auch einen Hygienepass, damit sie mit in Geschäfte, Lokale und medizinische Einrichtungen dürfen.

In Deutschland ausgebildete Assistenzhunde kosten bis zu 25000 Euro und seien schwer zu bekommen, informiert der gemeinnützige Verein Apporte, der sich um Beschaffung der finanziellen Mittel kümmert. Er arbeitet darum mit einem österreichischen Partnerverein zusammen. Dort ausgebildete Hunde kosten 16000 Euro und stehen innerhalb eines Jahres zur Verfügung. Seit sechs Jahren gibt es Apporte, bisher wurden 13 Assistenzhunde finanziert, darunter sechs für behinderte Kinder.

Andreas Guba muss einen Eigenanteil von 2000 Euro leisten. Bei der Finanzierung helfen auch Unternehmen aus Gardelegen und Letzlingen, aber auch die Familie - und die Besucher des Hansefestes. Denn nachdem Andreas Guba während eines Kundengespräches in der Sparkasse Altmark West über sein Vorhaben erzählt hatte, griffen die Mitarbeiter der Geschäftsstelle an der Thälmannstraße dies für den Kuchenbasar zum Fest auf. Als Erlös kamen 260 Euro zusammen, die am Donnerstag übergeben wurden. "Die Idee kam bei unseren Kunden sehr gut an", sagt Filialleiter René Wendlandt.

Während der Assistenzhund bald ein wichtiger Teil im Leben von Andreas Guba werden wird, ist es der Sport schon seit gut einem Jahr, konkret Rollstuhl-Rugby. "Ab kommendem Jahr wollen wir in einer Liga spielen", erzählt der 30-Jährige. Auch wenn es das deutsche Nationalteam diesmal nicht zu den Paralympics nach London geschafft hat - Andreas Guba könnte sich schon vorstellen, selbst einmal olympische Luft als Nationalspieler im Rollstuhl-Rugby zu schnuppern.

Wer den Verein Apporte - Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl finanziell unterstützen möchte, kann dies auf folgendem Konto: Sparkasse Hannover, Kontonummer: 900094830, BLZ: 25050180.