Mit ihrer 6. Internationalen Fachtagung machte die AG Werkzeuge und Waffen kürzlich Station im Kreismuseum Jerichower Land. Die Teilnehmerrunde nutzte das Umfeld auch für Exkursionen.

Von Mike Fleske

Genthin l In diesem Jahr stand die Tagung unter dem Motto "Männerwaffen - Frauenwerkzeuge".

Dabei beschäftigten sich die Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden mit der geschlechtsspezifischen Zuordnung von Waffen und Werkzeugen. "Es ist ein loser Zusammenschluss von Wissenschaftlern, wer seine Forschungsergebnisse vorstellen möchte, meldet sich an", erläutert Museumsleiterin Antonia Beran, die selbst bereits an einer der vorangegangenen Fachtagungen teilgenommen hat.

Dr. Eric Biermann, Leiter der "Arbeitsgemeinschaft Werkzeuge Waffen", erläutert das Konzept: "Wir versuchen innerhalb dieses Rahmens noch kleinere überschaubarere Themen zu finden." In diesem Jahr ist es das Thema Waffen für Frauen und Männer."

In einem kleinen Rahmen wie im Kreismuseum sei der Austausch zu den Themen wesentlich intensiver als bei großen Fachtagungen mit mehreren hundert Leuten, macht Biermann einen Standortvorteil für Genthin deutlich. "Man kann die eigenen Ideen kritisch zur Diskussion stellen, ohne gleich vor Hunderten zerrissen zu werden", meint Biermann. In Genthin sei es intensiv und kollegial zugegangen. Biermann stellte während der Tagung Ergebnisse zum Thema "Keulen im Experiment" vor.

Zudem nutzte die Runde die Nähe zum Kloster Jerichow für eine Exkursion. Dort wurde ein experimentalarchäologisches Bogenschießen im Klostergarten durchgeführt. Auch ein Besuch der spätromanischen Stadtkirche Jerichows sowie eine Visite des Hügelgräberfeldes in Großwulkow und dem slawischen Burgwall in Wust standen auf dem Programm. Im Mittelpunkt standen aber die Fachvorträge, nicht nur während der Exkursionen, sondern auch im Museum. Dr. Jonas Beran gab als Einführung für die Expertenrunde einen Überlick der Archäologie im Mittelelbe-Havel Gebietes.

Antonia Beran ermöglichte einen Blick in das Kreismuseum mit einem Ausstellungsrundgang. Gabriele Uhlmann präsentierte ihre neuen Ergebnisse zum Thema "Die Waffen der Frau, oder wie der Mann mit Sumo die Welt erobern will". Sie zeigte den Sumo-Kampf als eine althergebrachte Form des patriarchischen Mannes, der weiblichen Sexualität zu begegnen, in der die Weiblichkeit eine negative Konnotation (Beziehung) erhält. Der Sumo-Kampf sei auch eine Symbolhaftigkeit des Geschlechts- und Geburtsaktes, der sich in den verschiedenen festgeschriebenen Abläufen des Sumos ablesen lasse.

Die Preisträgerin des in diesem Jahr erstmals vergebenen Deutschen Studienpreises für Archäologie Reena Perschke aus Berlin beschäftigte sich in ihrem Vortrag "Bewaffneter Mann, geschmückte Frau?", mit den männlichen und weiblichen Darstellungen auf Menhirstelen, also Gesteinsfunden, die landläufig auch als Hinkelsteine bekannt sind und vorwiegend in Westeuropa zu finden sind. Perschke erläuterte die Zeichen, die auf geschlechterspezifische Hinweise hindeuten. Einen besonderen Raum nahm dabei die sogenannte Dolmengöttin von Langeneichstädt ein, deren Ritzungen besonders auffällig sind. Bei der Bestimmung von Fundstücken sind allerdings nicht nur das Fachwissen und die wissenschaftliche Systematik von Nöten.

"Wir haben zunächst den Fund, den wir aus dem Boden geborgen haben, dann kommt ziemlich viel Statistik und am Ende, wenn ich einen empirischen Befund habe, dann kann ich es mir erlauben die Fantasie spielen zu lassen", erläutert Perschke. Manchmal befrage sie dafür auch Menschen, die sich mit der Materie nicht beschäftigen. "Dann assoziieren die Leute frei und kommen auf Dinge, die auf den Funden dargestellt sein können, auf die ich mit meinem Hintergrundwissen oft nicht mehr komme", erklärt die Expertin ihre Vorgehensweise. Dreh- und Angelpunkt ihrer Arbeit sei aber zuallerst die wissenschaftliche Erhebung.

Rengert Elburg, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, lobte beim abschließenden Rundgang das Kreismuseum: "Es ist wichtig, dass man einen Ortsbezug hat, das ist in kleinen Museen eher gegeben." Es sei tapfer, wenn sich eine kleine Kommune auch heute noch ein Museum leiste. "Deshalb ist es wichtig, dass man es unterstützt."

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