In ihrem heutigen Beitrag zur Geschichte des Genthiner Waschmittelwerks beschäftigt sich die Autorin mit der betrieblichen Öffentlichkeitsarbeit, vor allem mit der Betriebszeitung "Fanfare".

Von Ingrid Kroll

Genthin. Anfang der 1950er Jahre wurde damit begonnen, eine betriebliche Öffentlichkeitsarbeit ins Leben zu rufen. Es begann damit, dass über dem Dach des Bürohauses der Betriebsfunk ganz zaghaft seine Arbeit aufnahm, der dann 1954 die Herausgabe der Betriebszeitung "Fanfare" folgte.

Zu den allerersten Redakteuren des Betriebsfunks gehörten damals Helmut Donig sowie Ernst Neubauer und Helmut Voigt.

Die ersten verantwortlichen Funktechniker kamen aus der E-Werkstatt, nämlich Dieter Schacht und Lothar Haase, beide ausgebildete Rundfunkmechaniker. Außerdem waren zu dieser Zeit noch dabei: Herta Kerber und Willi Altenkirch, beide ebenfalls aus der E-Werkstatt.

In den Anfangsjahren waren die einzelnen Aufgaben nicht immer ganz klar abgegrenzt, und so musste jeder alles können und vieles machen. So haben die Redakteure auch zuerst ihre Texte erarbeiten und dann noch selbst sprechen müssen. Aber damals gab es auch noch nicht, wie später üblich, täglich zur Frühstückspause eine Viertelstunde Sendezeit.

Als einziger ehrenamtlicher Sprecher fungierte in den Gründerjahren hin und wieder Günter Keil, damals in der Abteilung Arbeit beschäftigt. Über ihn habe ich in der Hilde-Kolbinger-Serie bereits berichtet. Als wir 1955 unsere kaufmännische Lehre im Waschmittelwerk begonnen haben, war er dort noch tätig und auch in der betrieblichen Tanzgruppe aktiv. Bald verließ er jedoch den Betrieb und hat das Tanzen zu seinem Beruf gemacht; als Ballettmeister beim Staatlichen Dorfensemble Neustrelitz. Nun waren die Redakteure wieder auf sich allein gestellt.

"Linse Donig", der rasende Reporter

Nachdem die Aufbauphase des Betriebsfunks beendet war, gab es bald die ersten Veränderungen: Herta Kerber nahm eine andere Tätigkeit im Kesselhaus auf, und auch Willi Altenkirch hat sich mehr und mehr vom Betriebsfunk zurückgezogen, weil er außerdem noch für die Wartung und Reparatur aller Schreib- und Rechenmaschinen des Betriebes zuständig war. Beide Aufgabengebiete überforderten ihn im Laufe der Zeit, zumal mit der ständigen Erweiterung der Verwaltung auch der Büromaschinen-Park gewachsen war. So kümmerte er sich dann schließlich nur noch um die Büromaschinen.

Nach Erreichung des Rentenalters schied er aus dem Betrieb aus und die Firma Haensch, Fachwerkstatt für Büromaschinen, wurde für diese Arbeiten unter Vertrag genommen. So haben dann Henry Haensch, der Sohn des Firmeninhabers, und Joachim Gorgas, beide Lehrlinge und spätere Gesellen dieser Firma, über mehrere Jahre regelmäßig diese Aufgaben der Wartung und Pflege wahrgenommen - bis der VEB Büromaschinen Magdeburg hierfür vertraglich gebunden wurde.

Doch zurück zum Betriebsfunk. Nachdem sich auch Helmut Voigt und Dieter Schacht wegen der Übernahme anderer Arbeitsaufgaben vom Betriebsfunk verabschiedet hatten, wurde schließlich Helmut Donig 1954 als Redakteur der im gleichen Jahr gegründeten Betriebszeitung "Fanfare" abkommandiert. Nachdem er also zunächst den Betriebsfunk mit aufgebaut hatte, wurde er nun der erste verantwortliche Redakteur unserer Betriebszeitung und war deshalb ständig und überall mit Notizblock und Bleistift und besonders mit seiner Kamera unterwegs. Das brachte ihm den Beinamen "Linse Donig" ein; unter diesem Namen kannte ihn bald jeder.

Sechs Jahre später, 1960, übernahm er dann erneut den Betriebsfunk, nachdem Ernst Neubauer den Betrieb verlassen hatte. Ab wann ich als Funksprecherin tätig gewesen bin, ist mir nicht mehr genau in Erinnerung. Ich schätze, dass es 1959/60 gewesen sein muss, als mich Helmut Donig hierfür geworben hat, denn 1963 muss ich schon einige Zeit dabei gewesen sein, da ich im November die erste Anerkennung für die Mitarbeit im Betriebsfunk in Form eines Buches ("Goldsborough oder die Liebe der Miss Kennedy" von Stefan Heym) mit einer Widmung, unterzeichnet von Helmut Donig, überreicht bekommen habe.

Heute, nach über 50 Jahren, ist mir von der Sprecherrolle nur noch geblieben, die Festveranstaltungen des CCW mit "19 Uhr und 11 Minuten ..." zu eröffnen.

Weit über 15 Jahre waren Inge Bebert, Hilde Blies, zeitweise Hannelore Hanßen und ich die einzigen Funksprecherinnen. Das änderte sich erst ab etwa 1979. Vielen älteren Genthinern ist sicher noch in Erinnerung, dass sowohl Helmut Donig als auch Helmut Voigt nicht nur innerhalb des Betriebes, sondern auch darüber hinaus über viele Jahre für die Volksstimme als Volkskorrespondenten unterwegs waren, um den Lesern immer wieder Neues und Interessantes mitzuteilen.

Während Helmut Donig querbeet berichtete, widmete sich Helmut Voigt als Sportfunktionär – er war viele Jahre Jugendleiter in der Sektion Fußball der BSG Chemie Genthin – natürlich der Sportberichterstattung, speziell dem Fußball; kein Fußballbericht damals ohne Volkskorrespondent Helmut Voigt!

Nachdem Helmut Donig 1960 zum Betriebsfunk zurückgekehrt war, übernahm die Stelle des verantwortlichen Redakteurs unserer Betriebszeitung Edelgard Schlaffke, die zuvor in der Volksstimme-Redaktion gearbeitet hatte. Als ausgebildete Journalistin war sie für diese Tätigkeit natürlich bestens geeignet, und sie sagt heute noch, dass dies die schönste Zeit ihres Arbeitslebens gewesen sei. Diese Funktion hat sie bis Anfang der 1970er Jahre ausgeübt. Danach folgte ihr auf diesem Posten Lothar Gornott.

Volkskorrespondenten der Volksstimme

Wieder beim Betriebsfunk, war es Helmut Donig nicht vergönnt, noch bis zur Erreichung des Rentenalters als Redakteur weiter zu arbeiten, er verstarb leider viel zu früh. In der Jubiläumsausgabe der "bzf" zum 20-jährigen Bestehen hieß es in Erinnerung an ihn: "Durch seine journalistische und fotografische Arbeit war er bei unseren Werktätigen gut bekannt und geachtet." Und weiter: "Die Entwicklung unserer Betriebszeitung "Fanfare" und des Betriebsfunks ist unmittelbar mit seinem Schaffen verbunden."

Der Nachfolger von Helmut Donig als Betriebsfunk-Redakteur wurde dann für einige Jahre Helmut Wilke, der später zur "Volksstimme" wechselte. Ihm folgte auf diesem Platz im Betrieb schließlich Monika Lück. Sie war es dann auch, die sich ab 1979 intensiv um Nachwuchssprecherinnen für den Betriebsfunk bemühte.

So kamen bald unter anderem Viola Bensching (früher Anders), Petra Kaltofen und Jutta Schlawatzky zum Sprecher-Kollektiv hinzu. So, wie hier beschrieben, war auch von Anfang an die Arbeit des Betriebsfunks und die der Betriebszeitung nicht voneinander zu trennen. Es waren die gleichen Ziele, und so arbeiteten die Redakteure immer eng zusammen, nicht nur inhaltlich gesehen, sondern auch räumlich. Das erste gemeinsame Büro hatten die Redakteure über viele Jahre hinweg gemeinsam mit ihrer langjährigen Sekretärin Gisela Gottemeier (Voerg), danach Ramona Pasemann (Katerbau) im so genannten Pappschuppen.

Während der letzten Jahre befand sich das Büro bei der Redaktionen jedoch außerhalb des Betriebes und war mehr als ein Jahrzehnt bis zur Wende mit Lothar Gornott, Monika Lück und der Sekretärin Rosi Bewersdorf besetzt.

Im Laufe der 40-jährigen Geschichte sah man, wie viele Kollegen kommen und gehen. Lothar Haase ist der Einzige, der von der ersten Stunde bis zum "bitteren Ende" – und das ist hier wörtlich gemeint – dem Betriebsfunk angehörte.

(Fortsetzung folgt)