Am Silvestertag feierten Gertrud (88) und Horst Horn (89), das Ehepaar ist im Genthiner "Haus der Generationen" zuhause, das Fest ihrer eisernen Hochzeit. Ihr Jubiläum markiert zugleich eine Rekordmarke: Es ist die 25. eiserne Hochzeit, die 2013 im Jerichower Land gefeiert wurde.

Genthin l In der Wohnung von Marlies Thiele in Genthin, der ältesten Tochter des eisernen Paares, wird am Silvestervormittag kräftig auf das Wohl der Eltern angestoßen. Die reichlich eingedeckte Festtafel bietet kaum noch Platz, als Landrat Lothar Finzelberg und Paul Karle, Abwesenheitsvertreter des Genthiner Bürgermeisters, zur Gratulation eintreffen und herzliche Glückwünsche aussprechen. Kein Drama für Marlies Thiele, die sich gut darauf eingestellt hat: "Heute sind nur die Kinder hier, wenn die ganze Familie zusammenkommt, sind wir locker über 50 Personen und dieser Tisch reichte dann auch nicht aus", sagt sie.

Vier der fünf Kinder der Horns, die zwischen 1949 und 1958 geboren wurden, vereint mit ihren Ehepartnern am Silvestertag die Feier zur eisernen Hochzeit. Eine Tochter, die wie ihre Eltern am 31. Dezember die Eheringe wechselte, feierte am Dienstag ihre silberne Hochzeit bei der Tochter in der Schweiz.

Seit knapp zwei Jahren lebt das Ehepaar Horn im "Haus der Generationen", gab sein liebgewordenes Zuhause in Steutz, wo es auch ein Haus gebaut hat, aus gesundheitlichen Gründen auf.

Aber auch im "Haus der Generationen" erfährt das Ehepaar nach wie vor die Fürsorge der Familie. "Jedes Wochenende bekommen unsere Eltern Besuch. Wir Kinder wechseln uns untereinander ab, was auch prima klappt. Wir halten zusammen, wenn es um unsere Eltern geht", sagt Marlies Thiele.

Die Kinder erfüllt ein tiefer Respekt vor dem Lebenswerk ihrer Eltern, deren gemeinsame Geschichte im Spätsommer 1943 auf dem Zerbster Bahnhof begann.

Horst Horn, der eine Lehre zum Huf- und Wagenschmied absolviert hatte und seit 1939 mit seinen Eltern in Steutz wohnte, kam als Soldat auf Urlaub und begegnete dort Gertrud, die gerade ihren Zug verpasst hatte. Beide kamen miteinander ins Gespräch. Horst Horns Bruder Waldemar half dem Glück etwas nach und besorgte die Adresse von Gertrud, so dass sich ein regen Briefwechsel zwischen den beiden entwickelte. Gertrud arbeitete seinerzeit als Hauswirtschafterin auf einem Rittergut in Pouch. Aus dem Briefwechsel erwuchs eine Beziehung und schon 1946 zog die gebürtige Gräfenhainicherin nach Steutz und fing bei ihrem zukünftigen Schwiegervater in der Landwirtschaft an.

Im Frühjahr 1948 kam Horst Horn aus Kriegsgefangenschaft und schon am 31. Dezember läuteten die Hochzeitsglocken. Heute will der nunmehr 89-Jährige nicht mehr lange darüber sinnieren, warum es gerade der 31. Dezember sein musste, um zu heiraten. "Nun ja, ich wollte die Sache schnell über die Bühne bekommen und habe uns im Standesamt angemeldet", sagt der alte Herr, der am Dienstag als Familienvorstand die Stirnseite des Tisches eingenommen hatte. Ehefrau Gertrud hinderte ihr gesundlicher Zusand daran, am Hochzeitstisch die Glückwünsche entgegenzunehmen.

Das Paar kann auf ein arbeitsreiches Leben zurückbliecken: Gertrud Horn war eine aufopferungsvolle Mutter, die zugleich berufstätig war. 1962 stieg sie, nachdem sie einige Jahre zur Erziehung ihrer fünf Kinder daheim geblieben war, wieder als Köchin in der Steutzer Schulküche ein, zehn Jahre später wechselte sie als Laborhilfe ins Hydrierwerk Rodleben, wo auch ihr Mann fast 50 Jahre beschäftigt war.

Ausflüge mit der Familie, ein großer Garten - unter dem Dach der Horns war nicht nur viel Arbeit, die eine große Familie mit sich bringt, sondern auch Freude und Glück zuhause.

Die Kinder wollen ihren Eltern davon etwas zurückgeben. "Wir sind beispielsweise in den vergangen Jahren viel mit unseren Eltern gemeinsam verreist, um ihnen noch viel von der Welt zu zeigen", erzählt Marlies Thiele und belegt dies mit zahlreichen Urlaubsfotografien, die in einem großen Album festgehalten sind.

Auch wenn Horst Horn mittlerweile schwerhörig geworden ist, zögert er nicht lange, die Frage zu beantworten, worauf es in einer so langjährigen Ehe ankommt: "auf Vertrauen", sagt er kurz und knapp.

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