Wenn am 25. Mai in Genthin gewählt wird, werden etwa 150 Wahlhelfer benötigt. Für diese Aufgabe werden Freiwillige gesucht.

Genthin l Stell dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin. Kein schöner Gedanke. Auch keine schöne Vision: Es ist Wahl und keiner nimmt die Stimmen entgegen. Damit es soweit nicht kommt, werden Wahlhelfer gesucht. Oder zwangsverpflichtet, wie etliche Mitarbeiter der Stadt.

"Im Rathaus gibt es für Ende Mai eine Urlaubssperre. Etwa 70 unserer Mitarbeiter sind als Wahlhelfer im Einsatz", sagt Bürgermeister Thomas Barz.

"Das reicht aber nicht", ergänzt Marion Deutzer. Sie ist stellvertretende Stadtwahlleiterin und rechnet vor: In Genthin gibt es 15 Wahllokale, etwa neun Helfer sollten in jedem davon sitzen. Wir benötigen also zirka 150 Wahlhelfer."

Die zu finden wird dieses Mal besonders schwer. Denn am 25. Mai finden gleich fünf Wahlen statt: Landrat, Kreistag, Stadt- sowie Ortschaftsrat werden gewählt und parallel dazu muss auch die Europawahl über die Bühne gehen. Barz: "Viele, die sonst an der Urne helfen, kandidieren dieses Mal selbst. Zum Beispiel für den Ortschaftsrat."

Wieder mithelfen wird in jedem Fall Henry Jakob. Der 50-jährige Genthiner arbeitet bei der Landesstraßenbaubehörde in Stendal und ist seit über 25 Jahren begeisterter Wahlhelfer. "Mein erstes Mal war noch vor der Wende. 1986 nämlich." Im Prinzip sei es damals wie heute abgelaufen. "Nur, dass nicht so viele Parteien zur Wahl standen", sagt er schmunzelnd.

Er hat noch mehr Erinnerungen parat: "Wenn jemand nicht zur Wahlurne kommen konnte, kam die Wahlurne zu ihm." Wer einen Antrag gestellt hatte, konnte von zu Hause aus wählen. Diese Möglichkeit gibt es heute nicht mehr, sonst sind die Aufgaben des Wahlhelfers aber gleich geblieben.

Henry Jakob: "Die Leute werden von uns begrüßt und dann geht es um die wichtigste Frage: Sind die Wähler im richtigen Wahllokal?" Das wird mit Hilfe des Wahlscheins oder des Ausweises überprüft. "Wenn der Wähler in unserem Wählerverzeichnis steht, bekommt er seinen Stimmzettel." Bevor dieser in die Urne kommt, wird er von einem weiteren Helfer registriert. "So können wir später überprüfen, ob wir genauso viele Wähler wie Stimmzettel haben", erklärt Henry Jakob.

Er sitzt meistens im Rathaus-Wahllokal. "Weil Demokratie davon lebt, dass die Menschen mitmachen. Es ist ein gutes Gefühl, am Ende des Tages dazu beigetragen zu haben, dass die Wahl stattfinden konnte."

"Wegen des Geldes macht es sicher niemand", sagt Bürgermeister Thomas Barz. "Denn es gibt für den ganzen Tag nur eine Aufwandsentschädigung von 37 Euro." Barz war früher trotzdem regelmäßig als Wahlhelfer tätig. "Auch wegen des Kuchens", gibt er lachend zu.

Und Henry Jakob ergänzt: "Man lernt neue Menschen kennen, als ich vor zwölf Jahren neu in Genthin war, kam ich so schnell unter Leute."

Im Mai wird Jakob die Nachmittagsschicht übernehmen. Die beginnt um 13 Uhr, die Frühschicht geht dann nach Hause. Wenn um 18 Uhr die Lokale schließen, kommen alle zum Auszählen wieder.

"An einem Wahltag erlebt man so einiges", erzählt Henry Jakob. "Im Sommer kommen die Männer schon mal in Badehose." Wählen dürfen sie dann trotzdem, allerdings nur wenn sie im richtigen Wahllokal sind. "Menschen, die umziehen, sich aber nicht ummelden und dann im neuen Wohnort wählen wollen, gibt es relativ oft." Auch Briefwähler schicken ihre Briefe häufig nicht ab, sondern kommen damit ins Wahllokal, erzählt Jakob. "Trotz aller Pannen haben wir den Schlüssel zur Urne aber immer gefunden".

Dass auch am 25. Mai alles klappt, obwohl noch etliche Wahlhelfer fehlen, hofft Marion Deutzer. Besonders ärgerlich für die stellvertretende Stadtwahlleiterin: "Von den Parteien haben wir noch keinerlei Rückmeldung über Wahlhelfer aus ihren Reihen".

Wer Wahlhelfer werden möchte, wendet sich per Mail, Post oder Telefon an die Stadt. Kontakt siehe Infokasten