Früher war die Schürze im Kleiderschrank der Damenwelt ein unverzichtbares Stück. Die schönsten Modelle aus dem Jerichower Land des 19. und 20. Jahrhunderts präsentiert das Kreismuseum in Genthin in einer Modenschau.

Genthin l "Schön wäre es, wenn die Besucher auch eigene Schürzen mitbringen, die eine Geschichte haben", wünscht sich Museumleiterin Antonia Beran. Mit viel Sorgfalt werden die ausgewählten historischen Schürzen in der Küche des Genthiner Kreismuseums Jerichower Land bereits gebügelt, damit sie bei ihrem großen Auftritt bei der Modenschau am Sonntag um 15 Uhr groß raus kommen.

Die Kittelschürze wurde zur Inspiration

Die Veranstaltung unter dem Motto "Der Wandel der Schürze in Funktion und Zeit" wurde gemeinsam mit dem Förderverein Genthiner Stadtgeschichte organisiert. "Eine Modenschau mit allen Textilien aus der Sammlung des 20. Jahrhunderts würde den Rahmen sprengen", begründet die Museumsleiterin die prominente Stellung der Schürzen für die Veranstaltung. Eine Kittelschürze, die bereits in der laufenden Ausstellung der Genthiner Stadtgeschichte des 20. Jahrhundert zu sehen ist, war für einige Besucher Anlass, Schürzen vorbei zu bringen, die auf dem Laufsteg in der Ausstellung gezeigt werden.

In der Auswahl von etwa 25 historischen Stücken finden sich Arbeits-, Trauer- und Kinderschürzen genauso wie Servier- und Schmuckvorbinder. Auch die unvergessenen DDR-Kittel haben einen festen Platz in der Modenschau. "Unsere Mannequins ziehen sich die Schürzen dann über", erzählt Beran, die auch selbst Modell sein wird. Dass Textilien geschichtliche Bedeutung an sich tragen, zeigt Beran anhand dem ältesten Schürzenmodell aus dem Jahr 1870. Das Stück, besetzt mit Klöppelspitze und Seidenelementen, beweist mit Gebrauchsspuren und einigen Flecken seinen unermüdlichen Einsatz bei den ursprünglichen Trägerinnen. "Man hat damals seltener gewaschen als heute. Die Schürzen wurden meist ausgebürstet oder ausgelüftet", so Beran. Das erklärt, warum die Arbeitsschürzen aus einem robusten und dunklen Material gemacht wurden. Es musste günstig und strapazierfähig sein. Im 20. Jahrhundert wurde deshalb gern Baumwolle, davor Leinenstoff, verwendet. "Wenn am Unterrock eine Schmuckborte war, sparte man sich den zusätzlichen Stoff und ließ nur den Schürzenfleck darüber fallen", erklärt Beran. So war Frau gut angezogen und konnte Geld sparen. Die Latzvorbinder schonten die Kleidung und man konnte sich trotzdem gut darin bewegen.

Vielfältig ist die Art und Weise der Gestaltung. Man erkennt, ob es handwerklich gemacht wurde oder eine Nähmaschine zum Einsatz kam. Bauernmädchen wurden im Nationalsozialismus dazu angehalten, Traditionen wieder mehr zu pflegen und lernten im Winter in einer Genthiner Landwirtschaftsschule Spinnen und Weben. Nähmaschinen waren damals jedoch eine kostspielige Anschaffung und wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts für einige Frauen bezahlbar, erzählt die Museumsleiterin. Kriegswitwen bestritten teilweise mit eigens genähten Textilien ihren Lebensunterhalt, um ihre Kinder zu ernähren und nicht mehr von Männern abhängig zu sein.

Kleine Schürzenkleidchen und Schulvorbinder für Mädchen dienten dazu, darunter liegende Kleidung beim Spielen nicht zu dreckig zu machen. Eine Dienstmädchenschürze aus Rohseide lässt ahnen, dass auch bei vornehmen Terminen der Vorbinder nicht fehlen durfte. "Wie die Schürze gestaltet wurde, hing von der Funktion ab", erklärt die Museumsleiterin.

Die Funktion der Vorbinder wandelte sich bis hin zur DDR- Kittelschürze, die die Minimode und neue Stoffe mitbrachte. Um die 60er Jahre bedeckten die Schürzen gerade so den Po und waren ein Kleidungsstück, das auch ohne viel weitere Bekleidung getragen wurde. Etwa zehn Stücke aus dieser Zeit werden zu den 15 älteren Modellen dazukommen. "In Genthin ging man damals auch in Schürze auf die Straße", erinnert sich Beran an die Zeit, als sie in den 90er Jahren herzog.

Frauen mussten damals richtig zupacken können

Heiratswillige Frauen zogen früher unter die Schürze noch mehrere Unterröcke, um anziehender auf potentielle Ehemänner zu wirken, beschreibt Beran das angestrebte Frauen-ideal im ausgehenden 19. Jahrhundert. "Der Bauch musste flach sein, aber beim Po war es nicht schlimm, wenn er ausladender war." Frauen, die in der Landwirtschaft tätig waren, mussten körperlich belastbarer sein und zupacken können. Nach Meinung Berans werden die Bauernfrauen in Filmen heutzutage von zu "schwindsüchtigen" Schauspielerinnen dargestellt.