Es war ein denkwürdiges Jahr. Zahlreiche Paare, die 2013 in Jerichow geheiratet haben, werden sich an ihrem Hochzeitstag wohl immer auch an die große Flut erinnen. Manche Pläne hat das Hochwasser durcheinandergebracht, aber nur kurz. Immerhin waren es wieder 41 Paare, die "ja" gesagt haben, 24 davon im Kloster.

Jerichow l Einige Termine mussten wegen des Hochwassers verschoben werden, blickt Anja Schünicke, Leiterin des Standesamts, zurück. "Eine Hochzeit, die im Kloster stattfinden sollte, konnte sogar aufgrund des Deichbruchs in Fischbeck gar nicht durchgeführt werden, da das Paar keine Möglichkeit hatte, von Tangermünde nach Jerichow zu gelangen. Dieses Paar hat dann letztendlich in Tangermünde die Ehe geschlossen."

Heiraten während des Hochwassers - dabei hatten manche Paare auch gar kein gutes Gefühl: Feiern, während andere um ihr Hab und Gut bangen, das wollten etliche nicht und warteten lieber noch ein bisschen. Es gab aber auch andere, die sich trotzdem entschlossen: Ein Paar zum Beispiel hatte bei seiner Feier etliche vom Hochwasser Betroffene zu Gast, die auf diese Weise mal für kurze Zeit abschalten und ihren Kummer verdrängen konnten.

Die Zahl der Eheschließungen ist 2013 gegenüber 2012 fast konstant geblieben. Es waren 41 Paare insgesamt, eins weniger als 2012 - genau jenes "fehlte" also, das wegen der Flut nicht über die Elbe kam. Verschoben hat sich aber der Anteil Kloster-Rathaus. Gaben sich 2012 noch 31 Paare im Kloster das Ja-Wort, so waren es 2013 nur 24 und entsprechend mehr im Rathaus. Ein Grund könnte das neue Trauzimmer sein, das im Zuge des Umbaus im Rathaus sehr schön eingerichtet worden ist.

Dieses Jahr allerdings könnte sich das Verhältnis schon wieder ändern, denn im Kloster gibt es jetzt noch einen weiteren Raum für Trauungen: Seit dem Sommer ist das auch im Malzkellersaal möglich. "Dieser Raum verfügt nicht nur über eine besonders schöne Atmosphäre, sondern kann auch komplett barrierefrei betreten werden", nennt Anja Schünicke die Vorzüge.

Und es besteht nun auch die Möglichkeit, im Kloster zu feiern. Mit dem ersten Paar, das im Kloster sowohl geheiratet als auch gefeiert hat, verbindet sich für Anja Schünicke ein persönliches Jubiläum: Es war die 300. Ehe, die sie geschlossen hat.

Und noch ein für sie selbst besonderes Ereignis gab es: "Ich hatte letztes Jahr das Glück, eine meiner Ausbilderinnen verheiraten zu dürfen. Das hätte damals keine von uns beiden für möglich gehalten, dass wir uns auf diesem Wege mal wiedersehen!"

Darüber hinaus kann sie von vielen schönen, einzigartigen und manchmal auch lustigen Begebenheiten berichten. Fast jedes Jahr mit dabei sind "Feuerwehrhochzeiten", so auch 2013. "Ich bin gespannt, wer von den Feuerwehrkameraden dieses Jahr in den Hafen der Ehe einlaufen möchte", sagt sie. Denn da gibt es immer einen großen Aufmarsch samt Technik, sogar die nagelneue Drehleiter der Jerichower Wehr wurde mit frisch getrauten Kameraden schon eingeweiht.

"Zwei Paare waren letztes Jahr dabei, die waren schon länger als ihr halbes Leben zusammen, als sie sich das Ja-Wort gaben. Trotz der langen Zeit, die sie bereits als Paar miteinander verbrachten, war doch Aufregung zu spüren und es lag ein ganz besonderer Zauber in der Luft", erzählt Anja Schünicke weiter.

Gern erinnert sie sich auch an ein ganz besonderes Brautauto: Bei der Klietznicker "Bauernhochzeit" kam das Paar mit einem festlich geschmückten Häcksler mit angebautem Sofa, auf dem die ganze Familie Platz nehmen konnte.

"Natürlich sind auch wieder einige kleine Pannen passiert, die ruhig auch passieren dürfen, denn daran erinnert man sich letztendlich besonders gern zurück", findet Anja Schünicke und erzählt so eine Anekdote: "Kurz vor der Trauung riss ein Träger vom Kleid der fast erwachsenen Tochter. Da hat es sich mal ausgezahlt, Nähzeug im Büro zu haben. Schnell habe ich den Träger provisorisch angenäht und die Eheschließung konnte beginnen. Beweisfotos von der Nähaktion sind natürlich gemacht worden und ich bin mir sicher, dass beim Betrachten dieser Fotos auch schon herzhaft gelacht wurde!"

Auch einige sehr humorvolle Paare seien dabeigewesen. Ein Bräutigam habe bei der Aufforderung zum Kuss scherzhaft gesagt: "Ach du meine Güte!" Das brachte nicht nur die Hochzeitsgesellschaft, sondern auch die Braut zum Schmunzeln und Lachen.

"Und dann gab es noch einen unvergesslichen Ringwechsel. Der Bräutigam hat seiner Braut den Ring aufgesteckt, dabei aber versehentlich das kleine Steinchen nicht nach oben gedreht. Die Braut meinte daraufhin, dass wäre nicht ihr Ring, zog ihn ab und steckte ihn bei ihrem Mann an den Finger, wo er auch recht gut passte, das Steinchen aber immer noch nicht zu sehen war. Dann nahm der Mann den für ihn vorgesehenen Ring und steckte ihn bei seiner Frau an den Finger. Plötzlich merkten beide, dass etwas nicht stimmte und sie die falschen Ringe aufhatten. Die Hochzeitsgesellschaft lachte schon, der Bräutigam meinte scherzhaft: ¿Naja, wir haben ja Zeit.\' Also hieß es: Die Ringe noch einmal ab und an den richtigen Finger stecken. Und das war dann im wahrsten Sinne Wortes ein richtiger Ringwechsel!"

Davon, ist Anja Schünicke sich sicher, können die beiden noch ihren Enkelkindern erzählen. "Ich kann mir auch gut vorstellen, dass spätestens bei der Silberhochzeit einige Gäste dafür sorgen werden, dass sich die beiden an diesen Ringwechsel erinnern."

Gerade diese kleinen Begebenheiten seien es, die man unbedingt in Erinnerung behalten sollte und die diesen besonderen Tag so unvergesslich machen, findet die Standesbeamtin. Sie und ihre Kollegin Annegret Hupka wünschen den Paaren, die in Jerichow geheiratet haben, alles Gute und hoffen, dass sie noch viele Momente erleben werden, in denen sie sich gemeinsam an Erlebtes erinnern und auch miteinander lachen können.

Auf die neue Hochzeitssaison freuen sich die beiden Standesbeamtinnen schon sehr. Es gebe bereits 30 Voranmeldungen für Eheschließungen in Jerichow, und vier Termine stehen schon fest.

 

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