Das Jerichower Land feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Was macht diesen Kreis so besonders? In einer Serie von A wie Anfang bis Z wie Ziegelsdorfer Telegraf gehen Volksstimme-Redakteure der Sache auf den Grund. B wie Bismarck: Der Reichskanzler begann im damaligen Kreis Jerichow II seine eindrucksvolle politische Karriere.

Genthin l Bismarck-Gymnasium, Bismarck-Türme oder früher noch die Bismarck-Eichen - der Name ist im Jerichower Land noch heute präsent. Der Reichskanzler von 1871 ist am 1. April 1815 in Schönhausen an der Elbe (seit 1816 Kreis Jerichow II) als zweiter Sohn des preußischen Offiziers und Gutsherren Ferdinand von Bismarck und Luise Wilhelmine Menken geboren. Der Weg vom Adelssohn zum Reichskanzler war ein weiter. Und den begann er im damaligen Jerichower Land als Ihleschaukommissar und Deichhauptmann.

Abgesehen von der Taufe am 15. Mai 1815 in Schönhausen verband Bismarck relativ wenig mit seinem Geburtsort Schönhausen. Er ging in Berlin zur Schule und legte dort sein Abitur ab. Anschließend studierte er auf Wunsch der Mutter Rechts- und Staatswissenschaften in Göttingen und Berlin. "Schon als Student war er eine aufmüpfige Person. So geht es aus vielen Büchern hervor", erzählt Antonia Beran vom Kreismuseum in Genthin. Als Bismarck zwischen 1835 und 1838 als Referandar an den Gerichten in Aachen und Potsdam arbeitete, lebte er für einige Zeit in Genthin. 1838 meldete er sich dann freiwillig zum einjährigen Militärdienst. Nach dem Tod seiner Mutter 1839 brach er die Juristenausbildung 1844 endgültig ab und zog nach dem Tod des Vaters 1846 auf dessen Gut nach Schönhausen um.

Anfang 1845 gab es eine verheerende Flut. Die Deiche waren an mehreren Stellen, auch bei Schönhausen, gebrochen. Die Fluten hatten immense Schäden angerichtet. Die Katastrophe hatte Bismarcks Vater sehr mitgenommen und auch dazu beigetragen, dass er verstarb. "Damals war das eine andere Situation. Es war für die Menschen eine Katas-trophe. Da Bismarck durch den Tod seines Vaters selbst betroffen war, wollte er sich dem Problem annehmen", weiß Beran zu berichten. Im März 1846 übernahm er dann das Amt des Deichhauptmannes. "Als Auswärtiger hatte er es schwer, so war diese Position sein erstes politisches Amt", sagt Antonia Beran. Bismarck hatte den nördlichen Deichabschnitt von Jerichow bis kurz vor Havelberg erhalten. Seine Aufgabe nahm er sehr ernst. "Er verstand es einfach, sich durchzusetzen", erklärt die Museumsleiterin. Bismarck hatte bereits damals die Idee, alle Deiche auf ein gleiches Niveau zu erhöhen. Nach der Flut 1845 musste er Deiche reparieren und verstärken. 1847 folgte ein weiteres Hochwasser, die Deiche hielten. 1848 wird Bismarck dann Abgeordneter des Zweiten Vereinigten Landtages in Berlin. Bis 1851 übt er sein Amt als Deichhauptmann noch aus. Danach will er höher hinaus. Er kletterte die politische Leiter schnell nach oben, mit dem Höhepunkt der Ernennnung zum Reichskanzler 1871. "Bismarck war sehr autoritär, konservativ und antidemokratisch. Und er konnte sehr überzeugend sein", berichtet Antonia Beran.

Verschiedene Kriege hatte er geführt, stets seine Politik durchgesetzt - seine Karriere war beeindruckend, doch sie nahm aus persönlichen Gründen ein jähes Ende. 1890 wurde er vom neuen Kaiser Wilhelm II. zum Rücktritt aufgefordert. Danach setzte sich der gebürtige Schönhausener in Friedrichsruh bei Hamburg zur Ruhe und stirbt dort am 30. Juli 1898. Bis 1905 entstanden daraufhin bereits 137 Bismarcktürme, der in Burg beispielsweise steht noch heute.

Die Auswirkungen der politischen Arbeit des damaligen Reichskanzlers sind teilweise noch heute zu spüren. "Er hat ein Renten- und Sozialversicherungssystem eingeführt, welches in einigen Ländern heute noch nicht existiert. Er hatte auch entscheidenden Anteil daran, dass das Standesbeamtenwesen entstand", nennt die Museumsleiterin nur einige Beispiele.

Das Geburtshaus von Bismarck wurde im August 1958 aus politischen Gründen gesprengt. Auf dem verbliebenen Gelände wurde dann später das heutige Bismarck-Museum in Schönhausen aufgebaut. Seine letzte Ruhestätte fand er dann nicht in seinem Geburtsort, sondern in dem vom Kaiser geschenkten Friedrichsruh. Denn Schönhausen war nie seine Heimat geworden. "Ich bin in meinem elterlichen Haus in frühester Kindheit fremd und nie wieder völlig darin heimisch geworden", heißt es in der Biografie von Lothar Gall.