10 Tage, 26 Hallen, täglich 35 000 Besucher. Das ist die Internationale Grüne Woche in Berlin. Die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau ist ab heute für Besucher geöffnet. Familie Gentz aus Parchen ist zum 18. Mal dabei.

Parchen/Berlin l Halle 23 b, Stand 25/26. Diese Koordinaten sind für Geflügelliebhaber, die die Grüne Woche in Berlin besuchen, unverzichtbar. Dort ist ab heute der Stand von Heike und Hartmut Gentz, Inhaber des Parchener Geflügelhofs, zu finden. Zum 18. Mal nehmen beide an dem Spektakel in der Hauptstadt teil, zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit dem Landkreis.

23 b - das ist die Sachsen-Anhalt-Halle. Früher präsentierte Hartmut Gentz seine Produkte in der Vorführhalle. "Aber seit der Vogelgrippe fahren wir ohne lebende Tiere nach Berlin." Trotzdem seien die lebenden Tiere das, was dort am meisten verkauft würde. "Wir zeigen Poster und Flyer, die Kunden können dann bestellen."

"Den Eierlikör trinken sie wie verrückt"

Der Renner am Stand von Hartmut Gentz ist sein Eierlikör. "Als wir von der Vorführ- in die Sachsen-Anhalt-Halle gezogen sind, hatte ich ein bisschen Angst vor der Konkurrenz vom Rotkäppchen-Sekt", erzählt Gentz. "Den Eierlikör trinken sie aber trotzdem wie verrückt." 18 verschiedene Geschmacksrichtungen bietet er inzwischen an. Darunter seinen Lieblingslikör. Das ist der mit Karamellgeschmack. Ganz neu im Sortiment ist der Eierlikör mit Marzipannote.

"Das große Fressen", so wird die Grüne Woche oft scherzhaft genannt. "Stimmt", sagt Hartmut Gentz. "Oktoberfest ohne Fahrvergnügen", nennt er die Messe.

Trotzdem lohne sich der Besuch für ihn. Denn neben all der Schlemmerei ginge es auch um Hühner. Und die sind schließlich das Kerngeschäft von Hartmut Gentz. "Schwarze Bovan" heißt die Henne, die am häufigsten gekauft wird. Die Prioritäten beim Hühnerkauf hätten sich verschoben, sagt Gentz: "Es geht nicht mehr nur um die Legeleistung, ein schönes Gefieder und ein ruhiger Charakter seien für viele Züchter genauso wichtig. "Die Hühner sind nicht mehr so flatterhaft und unruhig wie früher."

Seine Kunden sind meistens Kleinstabnehmer. Für die Tiere oft das glücklichere Los, sagt Hartmut Gentz. Habe eine Henne in einer großen Mastanlage eine Lebenserwartung von einem Jahr, lebe sie auf einem kleinen Hühnerhof etwa drei Jahre. "Ich kenne auch Hühner, die bei ihren Besitzern in Rente gehen." Gentz kann auch von Gänsen berichten, die als Weihnachtsbraten verkauft wurden und später nicht auf den Tisch kamen, sondern noch immer vergnügt über den Hof laufen. "So zahmer das Geflügel, so größer die Chance vom Nutz- zum Haustier zu avancieren", fasst der Unternehmer schmunzelnd zusammen.

"Das Sprachrohr des Geflügelhofs"

Zur Grünen Woche fährt Gentz mit etwa fünf Mitarbeitern täglich. "So kann man immer wieder Kleinigkeiten mitnehmen und braucht nicht für zehn Tage zu packen."

Bevor die Truppe heute morgen Richtung Hauptstadt fuhr, war einiges zu tun. "Etwa zwei Wochen planen wir für die Vorbereitung ein", sagt Heike Gentz. Flyer müssen gedruckt, Eierlikör angemischt und die Autos beladen werden.

Die Gentzs haben früher auch auf der Agra in Leipzig ausgestellt. Aber die sei nicht so gut besucht. "Das kann man von der Grünen Woche nicht sagen, die Leute kommen busseweise, man knüpft internationale Kontakte und kann Hühner nach Österreich, Polen oder Tschechien verkaufen", sagt Hartmut Gentz.

Natürlich seien die zehn Tage, an denen von 10 bis 18 bzw. 20 Uhr geöffnet ist, auch kräftezehrend. Besonders für die Stimme. "Man muss jedem Besucher einzeln erklären, was man zu bieten hat. Und das aufgrund der Dauerbeschallung in der Halle recht laut." Ohne Mitarbeiter Ralf Rohr geht in Berlin nichts. "Er ist der Kollege mit der kräftigsten Stimme, quasi das Sprachrohr des Geflügelhofes", sagt Hartmut Gentz.

Ob sich die Messe für ihn gelohnt hat, weiß Gentz erst am Jahresende. "Viele Kunden lassen sich dort nicht aufs Bestellen festnageln, aber wenn sie im Frühjahr Geflügel brauchen, finden sie den Weg nach Parchen."