Jerichow/Schlagenthin l Im Dezember 2004 ist die "Stiftung Kloster Jerichow" gegründet worden. Sie wird also in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen haben. Fast von Anfang an - seit Oktober 2005 - ist Yvette Marquardt in der Stiftungsverwaltung beschäftigt - organisiert und betreut Veranstaltungen, führt Besuchergruppen, kümmert sich um "Bürokram" jeder Art und noch um vieles mehr.

Das ist nun fast vorbei. Während der Jahresabschlussfeier der Stiftung, die diesmal erst Anfang Januar stattfand, ist sie offiziell verabschiedet worden. Denn nach mehr als acht Jahren möchte sie ein weiteres Mal ganz neu anfangen. Sie hatte sich bei der Stadt Jerichow beworben und eine Stelle als Horterzieherin in der Kita "Am Märchenwald" in Schlagenthin bekommen. Denn Horterzieherin ist sie von Beruf.

Yvette Marquardt, "Ur-Jerichowerin", ist nun 40 Jahre alt. Das bedeutet, dass sie zu jenen gehört, die zu Wendezeit gerade mitten in der Ausbildung steckten - die dann plötzlich (fast) nichts mehr wert war. 1989 hatte sie angefangen zu studieren, wollte Unterstufenlehrerin werden. Drei Jahre dauerte das Studium, und es war damals kein Abitur als Voraussetzung notwendig, erzählt sie.

Als nach der Wiedervereinigung die Regelungen der Bundesrepublik in Kraft getreten waren, änderte sich das. "Um als Grundschullehrerin (wie es nun hieß) arbeiten zu dürfen, hätte ich noch fünf Jahre dranhängen müssen - drei Jahre Studium und zwei Jahre Referendariat." Das wollte sie nicht. Für ihre bisherigen drei Jahre Studium bekam sie immerhin die Anerkennung als Horterzieherin.

Damals hätte sie keine Chance gehabt, Arbeit in diesem Beruf zu bekommen, schildert sie die Situation. Deshalb begann sie 1992 eine Lehre als Rechtsanwaltsgehilfin und arbeitete bis 2004 in einer Anwaltskanzlei. 2005 ist dann ihr erstes Kind geboren, 2008, als sie schon bei der Stiftung beschäftigt war, das zweite.

Dass sie für diesen Job ausgewählt worden war, ist kein Zufall gewesen. Denn sie ist immer schon in der Jerichower Kirchengemeinde aktiv und nach wie vor Mitglied im Gemeindekirchenrat des Kirchspiels. So hatte sie zumindest aus dieser Richtung bereits viel Hintergrundwissen, kannte die Kirche und das Kloster gut. Natürlich hatte sie auch viel dazuzulernen, entwickelte sich sozusagen mit der Stiftung Stück für Stück weiter.

Sie weiß, dass sie dabei an Grenzen kommt. "Ich bin weder Kunsthistoriker noch Tourismus-Experte." Das, was man für gute Führungen wissen muss, beherrscht sie natürlich bestens, und diese Führungen macht sie ausgezeichnet. "Das werde ich ehrenamtlich auch in Zukunft tun", verspricht sie.

Auch wenn sie nun aus eigenem Wunsch geht, bereue sie keinen Tag hier in der Stiftung, betont Yvette Marquardt. "Es war eine schöne Zeit und ein großes Geschenk für mich, an diesem ganzen Aufbau teilzuhaben! Ich habe es immer mit Leidenschaft gemacht. Jeden Tag so eine Tür aufzuschließen, das ist schon etwas Besonderes!" Wichtig sei ihr, dass sie Spuren hinterlassen hat.

Jetzt in ihrem ursprünglichen Beruf noch einmal neu anfangen zu können, finde sie einfach schön. Der Anstoß dazu sei durch ihre eigenen Kinder gekommen, die in Jerichow in Grundschule und Hort beziehungsweise in den Kindergarten gehen. So habe sie mitbekommen, dass es heute großen Personalbedarf in diesem Bereich gebe - ganz anders als damals kurz nach der Wende. Für sie eröffnete sich damit eine neue Chance, und sie hat sie genutzt.