Was wird aus der alten Ziegelei in Parey, dem letzten erhaltenen original Hoffmannschen Ringbrandofen? Er ist eines von Pareys technischen Denkmalen, aber in einem trostlosen Zustand. Auflagen zur Sicherung veranlassten den jetzigen Eigentümer, einen Abrissantrag zu stellen.

Parey l Gestern Nachmittag fand ein Ortstermin mit Vertretern der Unteren und Oberen Denkmalbehörde und des Landesamts für Denkmalschutz sowie Vertretern des derzeitigen Eigentümers - seit 2013 eine "juristische Person" (GmbH und Co. KG) - statt.

Einige aus der Runde waren auch schon bei einem Ortstermin vor fast 15 Jahren dabei gewesen und nun erschrocken, wie sehr sich der Zustand des Denkmals seitdem verschlechtert hat. Das ungehinderte Eindringen von Regen und Schnee, außerdem Bewuchs, der sich inzwischen zu kleinen Bäumen entwickelt hat, die aus dem Mauerwerk sprießen, und dazu noch Vandalismus und Diebstahl von Baumaterial - wie vom Vertreter des Eigentümers berichtet wurde - haben den Gebäuden schwer zugesetzt.

Doch der massive Körper des Ringbrandofens steht nach wie vor solide da, obwohl vom Fachwerk der oberen Etage und dem Dach nur noch Relikte übrig sind. Auch der hohe Schornstein in der Mitte steht noch, mit leichter Krümmung wie seit vielen Jahren.

Noch weiter verfallen ist auch das große Gebäude nebenan. Darin ist noch immer die große alte Technik vorhanden.

Zu dem Ortstermin kam es wegen des Abrissantrags, den der Eigentümer gestellt hatte. Anlass war die Aufforderung des Landkreises, das Objekt einzuzäunen, weil von ihm eine Gefährdung ausgeht.

In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob es wirklich soweit kommt. Dass ein teilweiser Abbruch sogar ohne Genehmigung möglich sei, falls direkte Gefahr bestehe, wurde eingeräumt. Doch für die Vertreter des Denkmalschutzes ist das natürlich eine Option, die unbedingt zu vermeiden ist.

Hätten seinerzeit die großen Pläne umgesetzt werden können, gäbe es hier jetzt statt Ruinen ein Vorzeigeobjekt, das europaweit seinesgleichen suchte. Zur Erinnerung: Im Rahmen des "Blauen Bandes" sollten der Ringbrandofen und die Nebengebäude zu einem Komplex mit Hotel und Gastronomie umgebaut werden, in das die alte Technik zur Anschauung integriert worden wäre. Die Lage am Elbe-Havel-Kanal mit der Einbuchtung, wo früher schon die Schiffe zur Übernahme der Ziegel festmachten, wäre ideal gewesen und hätte sogar den Ausbau einer Marina erlaubt. Die Entwurfsplanung wurde 1999 vorgelegt. Die Volksstimme berichtete damals.

Die Chancen standen zunächst gut: Parey hatte im Städtenetzwerk "Blaues Band" die Priorität 2 bekommen. Und vom Bauordnungsamt des Landkreises gab es, datiert vom 23. August 2001, einen positiven Vorbescheid - "unter Ausklammerung der Prüfung, ob das Vorhaben öffentliche Belange des Denkmalschutzes nach Paragraf 35 Absatz 3 Nummer 5 des Baugesetzbuches beeinträchtigt."

Mangels Investor sei das Projekt damals nicht weiterverfolgt worden, hieß es gestern von Seiten des Eigentümers. Und heute, wo bereits an anderer Stelle ein Hotelprojekt am Wasser umgesetzt ist, wäre es völlig unrealistisch, noch daran zu denken.

Bleibt also die Frage, wie der Erhalt dieses technischen Denkmals überhaupt finanziert werden könnte, wenn keine einträgliche kommerzielle Nutzung dahintersteht. "Als Eigentümer eines Baudenkmals hat man Erhaltungspflicht", erinnerten die Denkmalpfleger. Ein Abbruch eines Kulturdenkmals sei allerdings unter bestimmten Voraussetzungen möglich, unter anderem, wenn eine Gefahr davon ausgeht, oder bei wirtschaftlicher Unzumutbarkeit des Erhalts.

Sabine Schütze von der Oberen Denkmalbehörde regte an, das Objekt kostenlos in die "Denkmalbörse" des Landesverwaltungsamts einzustellen, um vielleicht so einen Interessenten zu finden, oder auch direkt Fördermittel für den Erhalt zu beantragen.

Sie werde einen Bericht ans Kultusministerium geben, weil dieses Denkmal so bedeutend ist. "Dann soll das Land es doch kaufen", so der Eigentümer. Der Gemeinde Elbe-Parey sei es auch schon angeboten worden, doch kam von dort schließlich eine Absage. Die finanzielle Lage der Kommune hatte zu dieser Entscheidung geführt.

Jetzt scheint es für das Denkmal "Ringbrandofen" tatsächlich fünf vor zwölf zu sein, das kam bei dem gestrigen Ortstermin zum Ausdruck.

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