Genthin l Tanz auf dem Marktplatz: Für die einen ein Vergnügen, für die anderen eine Belastung. Seit Jahren beschweren sich die Anwohner. "Laut, dreckig, und danach schrubbe ich Urin von meiner Hauswand", sagt zum Beispiel Bernd Mangelsdorf.

Das Problem sind die Abendveranstaltungen auf dem Genthiner Marktplatz. Auf jede Veranstaltung folgen Beschwerden der Anwohner. Dieses Mal ist es Bernd Mangelsdorf, der seinen Unmut äußert. "Ich kam zwei Nächte nicht in den Schlaf, alles war voller Müll, und die Besucher haben ihre Notdurft überall hinterlassen", das ist zum Beispiel sein Fazit über den Weihnachtsmarkt. Am stärksten wiegt für ihn das Toilettenproblem: "Bei Feten wird das Gelände rund um den Marktplatz zum größten Pissoir Genthins."

"Viele Ordner können wir uns nicht leisten"

"Es gibt genug Toiletten", sagt Bürgermeister Thomas Barz. Die Stadt ist Veranstalter des Weihnachtsmarktes, und Barz sieht das Problem naturgemäß woanders. Es gebe eine öffentliche Toilette und auch die Toiletten im Rathaus stünden zur Verfügung. "Seine Notdurft irgendwo zu entrichten, ist asozial, da verstehe ich die Anwohner", sagt Barz, schränkt aber ein: "Das sind nicht zwingend Gäste der Veranstaltung, sondern Nutznießer, die von der Musik angelockt werden und sich weitläufig um den Markt herum aufhalten."

Dagegen sei der Veranstalter machtlos und auch nicht dafür verantwortlich. Bernd Mangelsdorf schlägt vor, mit Ordnern dagegen anzukämpfen. Die gebe es bei solchen Veranstaltungen, sagt der Bürgermeister. "Unendlich viele kann sich die Stadt aber nicht leisten." Deshalb stellt Mangelsdorf solche Feten am Abend grundsätzlich in Frage. Zwei Weihnachtsdiscos bis zwei Uhr nachts widersprechen seiner Meinung nach dem weihnachtlichen Gedanken. "Der Weihnachtsmarkt am Freitag war ein Versuch, bezahlt hauptsächlich mit Mitteln aus dem Lokalen Aktionsplan", sagt Thomas Barz. Und: "2014 ist keine Weihnachtsdisco am Freitag geplant. "

Bleiben noch drei Abendveranstaltungen (Weihnachtsdisco am Sonnabend, Tanz in den Mai und Rathausfest). Drei zu viel, findet Bernd Mangelsdorf. "Muss man solche Feste mitten in der Stadt feiern? Was ist mit dem Volkspark?" "Zu teuer", sagt Marina Conradi, Leiterin der Genthiner Touristinfo, und rechnet vor: "Es gibt keine Stromversorgung vor Ort. Da würde ein hoher vierstelliger Betrag auf die Stadt zukommen." Anders verhält es sich mit der Festwiese an der QSG. Dort hat die Stadt einst viel Geld investiert, damit Strom fließt. Dieses Geld floss scheinbar umsonst, Veranstaltungen gibt es dort kaum. Barz will das nicht kommentieren, hält aber fest: "Da kann man keinen Weihnachtsmarkt machen, da kommt doch keiner hin."

Ein Umzug ist auch für Rainer von Ende keine Alternative. Der Genthiner veranstaltet den Tanz in den Mai und die Disco zum Rathausfest. "Die Lage ist ideal, umziehen tut nicht not." Thomas Barz ergänzt: "Genthin hat schon kein Osterfeuer, da sollte man nicht auch noch den Weihnachtsmarkt zerschlagen. So eine Stadt lebt doch von Treffpunkten." Von Ende stimmt dem zu: "90 Prozent der Genthiner wünschen sich sogar mehr Veranstaltungen auf dem Markt. Das steht nicht zur Debatte, aber den Tanz in den Mai und das Rathausfest werde ich weiter machen, so lange Genehmigungen dafür vorliegen." Bernd Mangelsdorf spricht mit den Müllmengen nach solchen Veranstaltungen ein weiteres Problem an. "Keiner kommt zum Aufräumen, die Anwohner treffen sich morgens zum Einsammeln von Bierflaschen, Essensresten und als Toilettenpapier benutzten Taschentüchern."

"Wenn sonnabends gefeiert wird, räumen Mitarbeiter der Stadt sonntags auf", sagt Thomas Barz. Marina Conradi schränkt aber ein: "Wir kümmern uns um Bummelmeile, Brandenburger Straße und das Gelände um den Markt. Vieles wird leider auf dem Hin- und Rückweg entsorgt." Conradi weist darauf hin, dass hier die Verantwortlichkeit des Veranstalters ende, man könne nach so einer Party nicht die ganze Stadt putzen. Allerdings kann sie sich vorstellen, das Gelände um die Trinitatiskirche mit einzubeziehen. Damit wäre den Anwohnern, die wie Bernd Mangelsdorf am Kirchplatz wohnen, geholfen.

"Genthiner verdienen diese Feste"

Thomas Barz verweist darauf, dass man in solchen Fällen auch die Stadtverwaltung anrufen könne. "Wenn der Müll von unserer Veranstaltung stammt, kümmern wir uns darum." Daran dürften solche Veranstaltungen nicht scheitern, sagt auch Rainer von Ende und verweist auf das Zabakucker Motorrad-treffen. "Erst gab es Beschwerden wegen Kleinigkeiten, dann keine Genehmigung mehr und jetzt heißt es von allen Seiten ¿Schade um das schöne Fest\'". Dabei könne er die Anwohner rund um den Markt durchaus verstehen. "Aber es geht um drei Veranstaltungen im Jahr. Da müssen sie schlicht durch." Das bringe das Leben im Stadtzentrum eben mit sich. "Wenn man das gar nicht aushält, sollte man vielleicht lieber aufs Dorf ziehen."

Auch Thomas Barz sagt, dass ein Aus für die Veranstaltungen kein Thema ist. "Schon der Name Marktplatz sagt, dass dort ein gewisses Leben und Treiben herrscht. Die Genthiner wollen die Feste dort und sie verdienen sie auch."

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