Genthin. Ein leises Raunen ging durch die Reihen des Umwelt- und Wirtschaftsauschusses, als Harry Czeke (Die Linke), der für die Stadt Genthin einen Platz im Beirat des Unterhaltungsverbandes einnimmt, seine Stadtratskollegen mit diesen stattlichen Mehrkosten konfrontierte.

"Dass diese Zahl von Jahr zu Jahr steigt", wie Lothar Koch, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes, in einem Gespräch mit der Volksstimme sagte, blieb an diesem Abend allerdings unerwähnt.

In der Zeit vom 17. Oktober bis zum 6. November hat der Unterhaltungsverband bei der Unteren Naturschutzbehörde 20 Anträge auf Entfernen von Biberdämmen stellen müssen, wobei dies, betont Lothar Koch, eine Spitzenzeit, bedingt durch Krautungen und Grabenschauen, gewesen sei.

In der Regel, gibt der Fachmann zur Auskunft, gebe es keine Probleme in der Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde oder auch mit der Einbeziehung des Biosphärenreservates Mittlere Elbe, so dass nach etwa fünf bis zehn Tagen eine Genehmigung vorliegt, den Biberdamm wegzunehmen. Nur in einem Fall wurde im Hinblick auf den Nachwuchs in der Biberburg der Unterhaltungsverband verpflichtet, eine Hilfsvorrichtung anzulegen, so dass das Wasser den Damm umfließen konnte.

Für Koch jedenfalls ist das ständige Entfernen der Dämme auf Dauer keine Lösung, dem streng geschützen Biber wirkungsvoll "auf den Pelz zu rücken". Der Geschäftsführer hat einen Stick voller Bilddateien von den Biberschäden zusammengetragen: Reiheweise angenagte und letztlich geknickte Bäume, gewaltige Biberdämme, in deren Folge hektarweise landwirtschaftliche Nutzfläche unter Wasser gesetzt werden, total verstopfte Durchlässe.

Im zurückliegenden Jahr hat Lothar Koch auch Biberdämme ausfindig gemacht, die merkwürdigerweise nur wenige Tage später wieder verschwunden waren. "Ich habe nur eine Erklärung dafür: Hier hat jemand Selbstjustiz geübt". Leider, räumt der Geschäftsführer ein, mehren sich solche Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit.

Das Genthiner Beispiel zeigt, dass es der Biber sehr schwer macht, Gewässerschutz, Naturschutz und Landwirtschaft in Einklang zu bringen.

An dem Schutzcharakter für den Biber wird festgehalten, das machte Pressesprecher Detlef Thiel vom Landwirtschafts- und Umweltministerium, erwartungsgemäß klar: "Eine generelle Einflussnahme auf die vorhandene Population und deren Reduzierung scheitert am bestehenden europäischen Recht und sei auch im Hinblick auf die Verantwortung Sachsen-Anhalts für den Erhalt dieser hier einst vom Aussterben akut bedrohten Species, deren Verbreitungszentrum im Elbmittellauf liegt, zu betrachten", machte er klar. Im Wittenberger Raum sowie im Drömling bemühen sich indes Fachleute, dem Kreislauf zwischen Einreißen der Biberdämme und einer alsbaldigen Neubesiedlung durch den Biber zu durchbrechen. Hier werden die Rahmenbedingungen der vorhandenen Ansiedlungen genau erfasst und jeweils dafür geeignete Schritte unternommen, um den eingetretenen Schäden zu minimieren.

Unter Fachleuten wie Annette Leipelt vom Nabu Sachsen-Anhalt hat das Wittenberger Modell Schule gemacht. "Wir brauchen für die Zukunft ein Biber-Management, ohne in Aktionismus zu verfallen. Wir müssen die Biberbestände hinterfragen", sagte sie.

Praktikern wie die des Unterverhaltungsverbandes Stremme/Fiener Bruch läuft dabei allerdings die Zeit weg.

Die Biberfamilie baute im vergangenen Jahr im Verbandsbereich immerhin schätzungsweise 80 Burgen.

 

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