In diesen Wochen finden in den Feuerwehren die Jahreshauptversammlungen statt und es wird Rückblick gehalten auf das vergangene Jahr. Ein Thema spielt dabei mehr oder weniger überall eine Rolle: Das Hochwasser. Zwei Kameraden aus Elbe-Parey wurden - auch stellvertretend für all die anderen - mit der Fluthelfernadel geehrt.

Elbe-Parey l Diese Auszeichnung haben insgesamt drei Elbe-Pareyer erhalten: Carsten Hannig, Marko Gummelt und Steve Flügge. Die beiden letzteren haben die Flut aus der Perspektive der Feuerwehr erlebt und beim Einsatz Hand in Hand zusammengearbeitet. Beide waren als Einsatzleiter tätig.

Marko Gummelt, Ortswehrleiter von Hohenseeden, ist vor allem im Bereich Ferchland im Einsatz gewesen. Er wurde von der Gemeinde Elbe-Parey für die Auszeichnung vorgeschlagen, die dann in Magdeburg stattfand.

Steve Flügge, Ortswehrleiter in Zerben und stellvertretender Gemeindewehrleiter, wurde von seinem Arbeitgeber, dem Landesbetrieb Bau, vorgeschlagen. Er hat die Auszeichnung in Osterburg in Empfang genommen.

Um von ihren persönlichen Erinnerungen an das Hochwasser zu berichten, laden die beiden ins Zerbener Feuerwehrgerätehaus ein. Denn hier war auch damals die Zentrale der Elbe-Pareyer Feuerwehren für den Fluteinsatz. Hier haben sie die Unterlagen, die die Einsätze dokumentieren, und einen Laptop mit vielen, vielen Fotos. Auch Gemeindewehrleiter Dietmar Kohrt kommt dazu, der krankheitsbedingt monatelang nicht einsatzfähig war und alles nur aus zweiter Reihe verfolgen konnte.

Zunächst erläutern die Männer noch einmal ihr Konzept für den Fluteinsatz: drei Standorte, davon einer (Güsen/Hohenseeden) für den Grundschutz - auch für die umliegenden Gemeinden, der zweite in Zerben zusammen mit den Wehren Parey und Bergzow und der dritte in Derben mit Neuderben und Ferchland. Die beiden Hochwasserstandorte verfügten neben der Feuerwehrtechnik noch über jeweils mindestens einen Traktor mit Hänger, bereitgestellt von umliegenden Betrieben, einen Radlader von der Straßenmeisterei und einen Teleskoplader von der Hohenstein/Friedrich GbR, dazu jede Menge Palettenwagen von mehreren Firmen, die "Gold wert waren" zum Transportieren der Sandsäcke auf der Deichkrone.

"Das haben wir uns bei Vogelsang/Plötzky abgeguckt", berichtete Steve Flügge. Denn dort begann für die Zerbener Kameraden mit dem Alarm am 6. Juni der Einsatz. Eine Gruppe ist zur Unterstützung dorthin gefahren.

Den Abschluss bildete die Unterstützung in Wust nach dem Deichbruch: Am 13. Juni waren Elbe-Pareyer Kameraden erstmals dort. Am 16. und 17. Juni sind auch noch mal drei Feuerwehren hingefahren, vor allem, um beim Abpumpen zu helfen.

Dazwischen liegen Tage mit 24 Stunden Bereitschaft, wobei sich die Kameraden abwechselten so gut es ging, und wobei so mancher trotzdem kaum Schlaf fand. Den beiden Einsatzleitern jedenfalls ging es so. Was zusätzlich zu der Unsicherheit, ob die Deiche überall halten würden, belastete, war die teilweise schwierige Kommunikation. "Wir hatten keinen Kontakt zur Leitstelle. Das wurde untersagt wegen des großen Funkaufkommens."

Die Anweisungen für die Einsätze kamen aber auch nicht von dort, sondern von der Gemeinde. Vor Ort bei der Feuerwehr sei dann entschieden worden, wer rausfährt.

Zum Glück funktionierten Handys und Internet. So gab es zum Beispiel auch täglichen Kontakt und Absprachen auch mit der Feuerwehr Genthin. Und extrem positiv sei gewesen, was da über Facebook gelaufen ist, unterstreichen Steve Flügge und Marko Gummelt noch einmal. "Dabei hat uns der Güsener Handballclub sehr geholfen. Wenn Helfer gebraucht wurden, haben sie das sofort ins Netz gestellt."

Dass dann nicht selten viel mehr Helfer kamen, als an einer Stelle beschäftigt werden konnten, das war die nächste Herausforderung. "Man musste mitunter einige wieder wegschicken zu anderen Stellen, und dann hieß es: Da wollten sie uns auch schon nicht!" Das sei nicht einfach gewesen. "Die zivilen Helfer haben teilweise auch nicht verstanden, dass wir an einer gefährdeten Stelle erst auf einen Mitarbeiter vom LHW gewartet haben, der genau sagt, was zu machen ist. Sie wollten am liebsten immer sofort loslegen." Immer wieder musste deshalb erklärt und begründet werden, dass systematisch vorzugehen ist, um nicht noch mehr Schaden anzurichten, anstatt Schadstellen zu beseitigen. "Dann haben sie es auch verstanden."

Wenn alles lief an den Einsatzstellen, seien dann Stück für Stück die Feuerwehrleute wieder herausgenommen worden bis auf die Einweiser. Steve Flügge zeigt Bilder, die unterstreichen, dass das schließlich wie am Schnürchen lief, und hat Grund, stolz darauf zu sein.

Dass der Nachschub an Sandsäcken immer reibungslos funktionierte, daran hätten drei junge Männer ganz besonderen Anteil, betonen Steve Flügge und Marko Gummelt: Fast rund um die Uhr seien Sebastian Schneider, Andreas Schmidt und Michael Peist gefahren.

Das größte positive Fazit sehen Flügge und Gummelt wie auch Dietmar Kohrt darin, dass durch den Hochwassereinsatz der Zusammenhalt zwischen den Feuerwehren der Gemeinde Elbe-Parey sehr gefördert wurde. Plötzlich gab es nicht mehr diese oder jene Ortsfeuerwehr, sondern nur noch die Kameraden, die Seite an Seite bereitstanden, um gegen die Flut zu kämpfen. Und auch die Leute aus den Dörfern und von weiter her, die Essen und Getränke brachten, rückten ein Stück näher zusammen.

Ob sie beim nächsten Mal etwas anders machen würden? Ja, einiges schon. Auf die Sitzbereitschaft der Feuerwehren würden sie verzichten. "Das macht die Leute fertig!" Vorbereitungen treffen und schauen, wer im Ernstfall zur Verfügung steht - ja, das sei unbedingt notwenig. "Man kann aber von keinem verlangen, dass er frei macht. Die Arbeit geht vor!" Wenn es dann tatsächlich zum Einsatz kommt, müsse eben Alarm ausgelöst werden.

Was die Einsatzkoordinierung angeht, sehen es Steve Flügge, Marko Gummelt und Dietmar Kohrt als empfehlenswert an, eine Führungskraft der Feuerwehr jeweils mit in der Zentrale im Gemeindeamt zu haben, damit in entsprechenden Sachfragen die Kommunikation besser funktioniert und bei Entscheidungen aufkommende Fragen sofort beantwortet werden können.

Ganz wichtig sei es, dass jedem Verantwortlichem im Einsatz die entsprechenden Karten mit den Deichverläufen rechtzeitig zur Verfügung stehen, betonte Marko Gummelt. "Die Informationen vom LHW lauteten immer nur: an Deichkilometer sowieso... Ohne die Karten ist das nicht zu finden."

Was unbedingt für solche Fälle gebraucht werde, seien Schmutzwasserpumpen. "Die Feuerwehrpumpen sind dafür nicht ausgelegt. Sie gehen kaputt!" Beim Hilfseinsatz in Wust habe man sich damit geholfen, dass Kartoffelkörbe vor den Ansaugschlauch gepackt wurden, um den gröbsten Schutz abzuhalten. Trotzdem mussten die Filter alle paar Minuten gereinigt werden.

"Mit dem Hochwassereinsatz ist die Feuerwehr der Gemeinde Elbe-Parey an ihre Grenzen gekommen", schätzt Dietmar Kohrt ein.

Und er sagt auch: "Wenn der Zulauf an Feuerwehrleuten so wäre wie der Zulauf an Helfern beim Hochwasser, das wäre toll!" Er betont: "Wir können uns bei der Feuerwehr nicht nur auf unseren Nachwuchs verlassen." Neue Kameraden müssten aus Familien kommen, die hier ansässig sind, so dass sie der Feuerwehr auch erhalten bleiben.

 

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