Genthin l Der Genthiner Rassegeflügelzuchtverein wird in diesem Jahr 120 Jahre alt. Die Zucht - das ist nicht nur ein Hobby für gesetzte Herren mit Hut, sondern eines, das Generationen verbindet. Zwei Mitglieder im Porträt:

Die Hühner gackern munter durch ihren geräumigen Stall, an Auslauf mangelt es ihnen hier nicht. Es sind nicht irgendwelche Hühner, sie gehören alle zur Spezies New Hampshire. Helmut Wenzlau ist mit ihrer Fütterung beschäftigt. Es gibt Spezialitäten aus dem Fachhandel. "Und viel Grünes", sagt der 69-jährige Nielebocker, in dessen Hühnerstall die Szene spielt.

Ehefrau Margit Wenzlau schaut ihm über die Schultern. Die Hühner gehören auch zu ihrem Alltag. Wenn ihr Mann nicht da ist, übernimmt sie die Fütterung.

Rückblick: Begonnen hat Helmut Wenzlau 1965 mit ein paar Küken, die er von Freunden hatte. New Hampshire natürlich. Was anderes kommt bei Wenzlaus nicht in den Hühnerstall. Als damals 20-Jähriger hat er sein Herz an ein Hobby verloren, das vor allem eines kostet: Zeit.

"Füttern, säubern, beobachten, ich verbringe schon etliche Stunden im Stall." Momentan ist Winterpause. Das heißt, die Zeit der Schauen ist vorbei. Doch auch bei Geflügelzüchtern gilt: Nach der Schau ist vor der Schau. Im Winter wird die neue Saison vorbereitet und alles dreht sich um die zentrale Frage: Welche Henne passt zu welchem Hahn?

Das bewegt auch Melissa Lüddemann aus Großwulkow. "Wenn im März die Küken schlüpfen, haben sie vier Monate Zeit bis zur Saison, die im September beginnt."

Viele Zuchtvereine haben große Nachwuchssorgen, auch die Genthiner Truppe. Aber es gibt eben auch Hoffnung in Form von jungen Leuten, die sich im Verein engagieren. Melissa ist 14 Jahre alt und züchtet moderne englische Zwergkämpfer.

Viel Arbeit für die Schülerin, ihre 20 Hühner müssen morgens und abends gefüttert werden. "Mein Papa hilft mir aber oft." Das ist nur gerecht, durch ihren Vater Gerd Bunjes kam Melissa erst zur Geflügelzucht.

Und sie hat sich von ihm schon einiges abgeschaut: "Vor einer Schau putze ich die Hühner. Alles was rot ist, zum Beispiel der Kamm, wird mit Öl eingerieben", erklärt sie. "An die Beine kommt aber nur heißes Wasser." Während das Putzen schon alleine klappt, hilft der Papa, der Enten, große Hühner und Kaninchen züchtet, noch bei der Zuchtaufstellung.

Melissa erzählt, dass ihr Hobby von Freunden oft belächelt wird. "Aber da stehe ich drüber", sagt sie selbstbewusst. Und kann auch noch mit einem anderen Hobby punkten. Neben der Schule - Ihr Lieblingsfach ist Technik. - und der Geflügelzucht bleibt ihr auch noch Zeit für ihr Pflegepferd in Krusemark.

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