Einen wahren Schlagabtausch lieferten sich bei der jüngsten Stadtratssitzung Dr. Gordon Heringshausen (CDU-Fraktion) und Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen). Gegenstand war das Spielplatzkonzept für den Volkspark, das Nitz dem Wirtschafts- und Umweltausschuss vorgelegt hatte.Es ging um Plagiatsvorwürfe.

Genthin l Hinter den Stadträten lag mittlerweile schon eine anstrengende zweieinhalbstündige Sitzung, als Dr. Gordon Heringshausen (CDU-Fraktion) förmlich in letzter Sekunde unter dem Tagesordnungspunkt Anfragen und Anträge, die Volksstimme vom 16. Januar auf der Bank liegend, kräftig ausholte.

"Das Papier ist es nicht wert, sich damit zu beschäftigen."

Dr. Gordon Heringshausen

Heringshausens Ärger provozierte nicht nur der Umstand, dass Lutz Nitz (B 90/Grüne) dem Ausschuss ein Spielplatz-Konzept vorgelegt hatte, sondern auch, dass er es abgeschrieben haben soll. Der Mann der CDU-Fraktion warf seinen Hut mit schweren Vorwürfen gegenüber Nitz in den Ring. Warum werde die Spielplatzgestaltung im Volkspark, nachdem sich etliche Eltern ehrenamtlich engagiert haben, nun politisch besetzt?, fragte er lautstark und wenig freundlich an Nitz gerichtet.

Wahlen stünden vor der Tür, deshalb sehe er in dem Konzept einen Versuch, Politik zu generieren. Mehr noch: Dr. Gordon Heringshauses bezeichnete das von Nitz vorgelegte Papier als eine "pure Peinlichkeit, das 1: 1 von einem großen Getränkehersteller abgeschrieben worden sei. Es sei nicht wert, sich damit zu befassen.

Nitz reagierte zunächst ironisch auf die erhobenen Vorwürfe und sprach deutlich an die Adresse von Heringshausen gerichtet: "Wenn es sich um ein Plagiat handelt, gebe ich selbstverständlich meinen Doktortitel zurück."

Nitz erklärte, dass er im Verlaufe der Sitzung des Wirtschaftsausschusses wiederholt darauf hingewiesen habe, dass die Konzeption mit dem Ziel entstand, viele Ideen zusammenzutragen, um so das Anlegen des Spielplatzes mit dem naturnahen Raum des Volksparkes in Einklang zu bringen. Metallspielgeräte hätten beispielsweise im Volkspark nichts zu suchen.

"Ich maße mir nicht an, ein völlig neues Konzept auszuarbeiten, ebensowenig wie man das Rad zweimal erfinden kann", setzte er im Stadrat nach. Er sei bereits vor einiger Zeit vom Ausschussvorsitzenden Harry Czeke (Die Linke) gebeten worden, solch ein Konzept für die Spielplatzgestaltung im Volkspark auf den Weg zu bringen.

Er könne deshalb nicht verstehen, dass Volker Thiem, der für die CDU im Ausschuss sitzt, in der Fraktion nicht für Klarheit gesorgt hätte. "Aber", sagte Nitz an die CDU-Fraktion gerichtet, "es geht einfach darum, dass der Nitz etwas vorgetragen hat, und da müssen wir dagegen sein". Rückenwind erhielt Nitz vom Umwelt-Ausschussvorsitzenden Harry Czeke.

Er machte klar, dass sich das Projekt Spielplatzgestaltung gegenwärtig in einer Phase befinde, in der Ideen zusammengetragen werden, dann erst erfolge eine fachliche Aufarbeitung. (Dafür werden im Haushalt 4000 Euro eingestellt. Ein Umstand, wie Heringshausen sagte, der die mitwirkenden Eltern sehr irritiert habe.) Als Vorsitzender sei er auf jeden Fall in der Lage, alle ihm vorliegenden Papiere auf Quellenschutz durchzuarbeiten, bemerkte Czeke unüberhörbar süffisant. "Ein Konzept muss es geben, nach wie vor sind alle eingeladen, daran mitzuwirken. Dann hält sich der Spaßfaktor allerdings in Grenzen."

"Wir zerreden eine wunderschöne Sache."

Franz Schuster

Schließlich platzte Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft) in dem Schlagabtausch zwischen Dr. Heringshausen, Lutz Nitz und Harry Czeke der Kragen: "Wir zerreden eine wunderschöne Sache. Hier geht es schließlich um die Zukunft unserer Kinder, wir sollten mithelfen, dass im Volkspark ein toller Spielplatz entsteht." Nach dieser Ermahnung des Paplitzers nahm der Disput etwas gemäßigte Züge an. Stadtratsvorsitzender Gerd Mangelsdorf (CDU) kam zum Schlusswort: Die Initiative zur Spielplatzgestaltung ginge von bestimmten Elternkreisen aus. Der Stadtrat sollte deshalb nicht versuchen, ihnen etwas überzustülpen, appellierte er abschließend. "Jetzt ist die Zeit der Vorschläge, damit ziehen wir das Thema aus dem politischen Raum heraus."

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