"Viel Theater" lautete der Titel der Veranstaltung am Sonntagnachmittag im Kloster Jerichow, und das war wörtlich zu nehmen. Denn der Begriff wurde von den Akteuren des Redekiner Amateurtheaters in jeder Richtung "ausgeschlachtet" - zum Vergnügen des Publikums. Das verlangte von der letzten Szene sogar noch eine Zugabe.

Jerichow l Das "Theater" war schon mit dem Aufführungsort losgegangen: Gasthaus "Klostermahl" oder Malzkellersaal stand in der Ankündigung, doch das erste wäre viel zu eng gewesen, und im Malzkeller stand immer noch die Miniaturenausstellung. Also Sommerrefektorium. Aber ausgerechnet ein paar Tage vorher musste der Winter kommen mit zwölf Grad Frost!

Doch dieser "1. Akt" kam zu einem guten Ende: Es war gut eingeheizt, niemand brauchte zu frieren, obwohl die Veranstaltung - wie geplant - ganz schön lange dauerte. Zwischen den drei Teilen gab es Pausen, um mal hinauszugehen und Getränke nachzuschenken.

Geplant war dieser Nachmittag schon lange, blickt Christine Graf, "Chefin" des Redekiner Amateurtheaters, zurück. Es sollte keine Theatervorstellung wie die Märchenaufführungen werden, sondern ein bunter Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, in den zum Teil auch das Publikum einbezogen wird. So hatte es Jan Wißgott, Leiter der Stiftungsverwaltung, an die Laiendarsteller herangetragen.

Also wurde überlegt, was da passen könnte. Einige der Sketche hatten die Redekiner schon früher mal gezeigt, teilweise in anderer Besetzung. Manches kam neu dazu und wurde dem Anlass entsprechend "aufbereitet".

Den "roten Faden" durch den Nachmittag hat Christine Graf mit sicherer Hand gesponnen. "Eigentlich beginnt das \'Theater\' ja schon zu Hause", findet sie und hat Recht damit: Ist ein Theaterbesuch geplant, hat die Frau mal wieder kein passendes Kleid, also muss sie erst einkaufen gehen. Und der Mann, will er nicht zurückstehen hinter seiner "besseren Hälfte", holt sich auch \'ne neue Hose. Die ist zu lang, aber weder Ehefrau noch Mutter noch Tochter haben Zeit, sie zu kürzen. Also macht er\'s selber, und dann auch noch die Ehefrau, die Mutter und die Tochter ...

Freilich, das Publikum ahnt schnell, was kommt, trotzdem hatte es viel zu lachen. Die Darsteller waren einfach köstlich in ihren Rollen, auch in den folgenden Sketchen. Dabei hatten sie mal wieder viel zu wenig Zeit zum Proben gehabt, und wegen Krankheit waren auch noch kurzfristige Umbesetzungen nötig.

Die erste Probe Anfang Januar war sozusagen der "Neujahrsempfang" des Redekiner Amateurtheaters. "Da wollten wir eigentlich nur die Rollen verteilen", erzählt Christine Graf. Aber es gab einige Geburtstage nachzufeiern, und Sekt aufs neue Jahr hatte auch noch jemand mitgebracht. "Wir waren dann so lustig, dass wir doch noch alles gleich durchgespielt haben. Da haben wir uns schon das erste Mal kugelig gelacht!"

Eine Extra-Einlage gab es aufgrund der Bitte der Mutter eines ehemaligen Jerichowers, der genau an diesem Tag seinen 30. Geburtstag feierte: Holger Sturm, jetzt in Kiel zu Hause, war am Wochenende hergekommen, und die ganze Familie besuchte den Theaternachmittag. "Er selbst wusste vorher wirklich nichts davon, hat aber toll mitgemacht", betont Christine Graf. Der Brauch des Treppefegens zum "30." passte gut in ihren Putzfrau-Sketch, also wurde der junge Mann kurzerhand mit auf die Bühne geholt, mit Kopftuch und Schürze ausgestattet, Besen und Staubwedel in die Hand, und los ging\'s...

Apropos Bühne: Die war ganz neu für diesen Nachmittag gebaut. Sie gehört dem Redekiner Amateurtheater und soll künftig auch bei Aufführungen in anderen Räumlichkeiten, zum Beispiel dem Jerichower Bürgerhaus, genutzt werden. Natürlich, bekräftigt Christine Graf, werde sie auch der Stiftung Kloster Jerichow für andere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit funktioniere gut, zumal sie selbst und auch Daniel Schünicke hier beschäftigt sind.

Übrigens: Daniel Schünicke war neben Fred Urbach diesmal nicht nur mit der Tontechnik befasst, sondern hatte seine erste Bühnenrolle im "Kellner-Sketch".

   

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