Genthin l Gar nicht so leicht haben wir es Ihnen mit dem Heimaträtsel in dieser Woche gemacht. "Die Mühle in der Bebelstraße", meinten mehrere Anrufer auf dem Foto von 1932 zu erkennen. "Das Museum von der anderen Seite", sagte eine Anruferin und Udo Isemeier erkannte Ähnlichkeiten mit dem Gebäude, zu dem er früher immer Getreide brachte.

Alle drei Antworten sind falsch. Auf dem Bild ist die Gasanstalt der Stadtwerke Genthin am Bahnübergang Magdeburger Straße zu sehen. Das Gaswerk wurde 1931 stillgelegt und Genthin mit Ferngas aus der Gaserei Magdeburg versorgt.

Erinnerungen an die Gasanstalt

Einige Leser haben die richtige Antwort aber doch gewusst. Horst Dreger zum Beispiel. Der 75-jährige Genthiner hat 40 Jahre lang in dem Gebäude gearbeitet. "Gelernt habe ich Elektromonteur", erzählt er. Später machte er noch eine Schulung zum Spezialisten. Die brauchte man nämlich, wenn man mit mehr als 30 000 Volt gearbeitet hat.

Auch Ruth Manleitner aus Genthin erkannte den ehemaligen Energieversorger. "Mein Vati war Gasableser, wir haben ihm als Kinder oft Abrechnungen an seinen Arbeitsplatz gebracht", erzählt die 69-Jährige. Günter Müller kann ebenfalls über dieses Genthiner Fleckchen einiges erzählen. "Das war das erste Trafohäuschen in Genthin", sagt der Genthiner.

Später seien dann mehrere Stationen dazu gekommen. Er war als Elektromeister öfter in dem Gebäude, weil von dort aus der Strom in der Stadt abgestellt werden konnte.

"Wenn man aus der Stadt rausfährt, kam man direkt darauf zu", sagt Müller. Und: "Unten gab es Büros, oben haben einige Kollegen ihre Wohnungen gehabt." Am 1. Oktober 1865 nahm das Gaswerk der Gebrüder Hendriks seinen Betrieb auf und speiste mit seinem Gas die ersten 60 Straßenlaternen der Stadt Genthin.

Dazu wurden ein Retortenhaus, ein Reinigerhaus, ein Wirtschaftsgebäude und Gasometer errichtet. 1913 entstand zusätzlich das Verwaltungsgebäude, das später als Wohnhaus genutzt wurde.

1909 erwarb der Magistrat das Gaswerk

Im gleichen Jahr wurde allerdings schon das erste Gasometer wieder abgerissen. Schrittweise wurden in Genthin die Petroleumlampen durch die Gasbeleuchtung ersetzt. Nach mehrmaligen Besitzerwechsel erwarb der Magistrat 1909 das Gaswerk. Es bildete den Grundstock für die späteren Stadtwerke.

Im Juli 1931 kam dann das Aus für das Gaswerk. Es wurde stillgelegt. Von dort an wurde Genthin mit Ferngas aus der Großgaserei Magdeburg versorgt. Das hiesige Gaswerk wurde nicht mehr benötigt. Zu DDR-Zeiten wurde das Gelände als Sitz der Energieversorgung genutzt.

Nach der Wende zog vorübergehend Avacon dort ein. Das Gebäude, das auf dem Bild im Vordergrund zu sehen ist, wurde 2008 abgebrochen. Somit verschwand nach mehr als 150 Jahren auch das letzte sichtbare Zeichen der einst eigenständigen Gasversorgung Genthins.

Als Gewinnerin des Heimaträtsels in dieser Woche ist Liesel Siegmund aus Genthin ausgelost worden.

Der Gewinn in Form des 10-Euro-Bibergutscheins kann ab sofort montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr in der Redaktion, an der Brandenburger Straße 55 (Eingang Kleine Schulstraße) abgeholt werden.

 

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