Ganze 60 Ehejahre haben Anneliese und Siegesmund Polei miteinander verbracht. Heute ein immer seltener werdendes Ereignis, das sie im Bullenwinkel gemeinsam mit Familie, Freunden und Bekannten feierten.

Genthin l An den 30. Januar 1954 erinnert sich Anneliese Polei sehr gut, da heiratete sie ihren Siegesmund. In einer kleinen Wohnung in Altenplathow feierten sie mit etwa zehn Gästen die grüne Hochzeit. "Draußen war es so eisig, dass der Hochzeitsstrauß erfroren war", erzählt der Bräutigam in seiner Ansprache, die die Gäste immer wieder zum Lachen bringt. In den gemeinsamen Jahrzehnten sei nicht immer alles Gold gewesen, was glänzte. "Aber Geschirr haben sie sich nicht um die Ohren gehauen", erzählt die älteste Tochter Karin Mielke und lacht. Zur Hochzeit war sie gut eineinhalb Jahre alt und hat schon mitgetanzt.

"Das Outfit der beiden für heute habe ich ausgesucht. Mein Bruder war für die Gestaltung der Einladungen zuständig", sagt sie und zeigt dabei auf Hans-Jürgen Polei. Die Gastgeberin fügt hinzu: "Unser jüngster Hans-Jürgen war eigentlich nicht mehr geplant, aber ich bin froh, dass er da ist." Hauptsächlich kümmerte sie sich um die insgesamt drei Kinder.

Im Bullenwinkel trudeln die Gäste ein. Im Namen der Stadt gratuliert Janett Zaumseil mit einem Blumengruß. An der festlichen Tafel, die mit kleinen Glitzersteinen geschmückt ist, erzählt Braut Anneliese angetan von den fünf "wunderschönen Enkeln", auf die die Großeltern sehr stolz sind. "Die haben alle Abitur gemacht", sagt die Braut anerkennend.

Kennengelernt hat sich das diamantene Paar bei der Arbeit in der Landwirtschaft 1951. "Seitdem haben wir immer zusammen gehalten, in guten und schlechten Zeiten", so die 79-jährige Ur-Genthinerin.

Ein Grund dafür sind sicherlich die vielen gemeinsamen Hobbys. Tanzen, Kegeln, Wandern, Haus und Garten in Schwung halten, aber vor allem auch das Reisen. Über 30 Länder haben sie inzwischen, teilweise auch mehrmals, bereist. Das nächste Ziel ist Südfrankreich. Dort werden die beiden im Mai eine achttägige Flusskreuzfahrt auf der Rhone machen.

1960 zogen sie von der August-Bebel-Straße in ein Haus im Baumschulenweg, darauf hatten sie zwei Jahre lang gewartet. Zur Silberhochzeit 1979 wurde in der Gaststätte "Zur Post" um Mitternacht der Strom abgestellt. Es war ein Rekordwinter in der DDR. Die Gäste mussten alle nach Hause gehen. "Bis dahin hatten wir aber schön gefeiert", erinnert sich der Gastgeber und schmunzelt.

Ihre goldene Hochzeit feierte das Jubiläumspaar vor zehn Jahren im Bootshaus. Eingeladen waren 50 Gäste, die in drei Etappen erschienen. "Es ging von zehn Uhr morgens bis nachts um zwei", fügt der 80-Jährige hinzu. Da 2004 aber ein milder Winter war, konnten sie zum 50. Hochzeitstag am Nachmittag einen kleinen Spaziergang zum Henkelwerk machen.

"Wir haben aber nicht nur gefeiert, sondern auch gearbeitet", erzählt der ehemalige Angestellte des Weichenwerks in Kirchmöser. 38 Jahre lang war er dort tätig, hat aber zuvor auch im Waschmittelwerk und in der Genthiner Zuckerfabrik seinen Lohn verdient. Wie ihr Ehemann war auch Anneliese Polei zunächst in der Landwirtschaft tätig, später dann auch im Waschmittelwerk. Über 20 Jahre arbeitete die aufgeschlossene Seniorin als Ankäuferin in einem Altstoffhandel.

"Seitdem wir im Vorruhestand sind, machen wir eigentlich alles zusammen", so die 79-Jährige und meint damit auch das Kochen. Besonders am Herzen liegen ihnen die fünf Enkelkinder. Enkelin Jessica Mielke ist aus Frankfurt/Oder angereist und hat ein leeres Buch mitgebracht, in dem sich alle Gäste verewigen dürfen. Mit Noah Elias gibt es auch schon einen Urenkel.

"Wer nur einmal in seinem Leben umzieht und ordentlich Pfunde mit auf die Welt bringt, wird steinalt", sagt die Gastgeberin, die noch in diesem Jahr mit ihrem 80. Geburtstag ein weiteres großes Jubiläum begehen wird.