In zwei Genthiner Ortsteilen, in Fienerode und Paplitz, werden nach den Kommunalwahlen am 25. Mai nur noch Ortsvorsteher die Geschicke der Dörfer in den Händen haben. Franz Schuster wechselt in Paplitz vom Amt des Ortsbürgermei-sters zum Ortsvorsteher.

Paplitz l Franz Schusters Büro atmet die Geschichte einer fast 40-jährigen Bürgermeisterkarriere. Dicke Aktenordner tummeln sich in den Regalen, ein Tisch mit Stapelstühlen ist ein sicheres Indiz für lebhafte Besprechungen. An der Wand eine Luftaufnahme von Paplitz. Von dem kleinen Büro geht eine Geschäftigkeit aus, die Franz Schuster als inzwischen dienstältester Bürgermeister der Region immer gelebt hat.

Erfolgreicher Vorzeige-Bürgermeister, Ortsbürgermeister, Ortsvorsteher - wie kein anderer steht Schusters "Amtsgeschichte" für den Wandel gerade in den kleinen Dörfern unserer Region.

Dabei sind die Zeiten für Dörfer wie Paplitz nicht gut. Was Franz Schuster besonders schmerzlich trifft: Alles, womit sein Name und sein Engagement als Bürgermei-ster verbunden ist, hat er auch nach und nach abwickeln müssen. Krippe, Kindergarten, Konsum, Arztsprechstunde, Außensprechstunde der Volksbank ...

Kein Wunder: Die Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahren von einst 633 auf 300 geschrumpft.

"Wir haben jetzt schöne Straßen und Gehwege, aber keine Einwohner mehr", sagt Franz Schuster, der das Bürgeramt in seiner langen Karriere als Ortschef sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich, aber immer voller Leidenschaft, ausübte.

1974 kam er in das Fienerdorf, war von der Partei mit einem Studium "Staat und Recht" für sein Amt fit gemacht worden.

Der 63-Jährige hat gesellschaftliche Brüche erlebt und überlebt.

Er schaffte es, zu DDR-Zeiten einer zentralistischen Verwaltung Genüge zu tun, aber zugleich auch Freiräume im dörflichen Leben zu schaffen.

Anfang der 1990er Jahre gab es für den gebürtigen Redekiner trotzdem eine dreijährige Bürgermeister-Auszeit. Das SED-Parteibuch nahmen ihm seinerzeit die CDU-Mitglieder im Dorf übel. Drei Jahre später saß Schuster jedoch wieder auf dem Bürgermeistersessel. Nachdem Paplitz als Orteil in der Stadt Genthin aufgegangen ist, sicherten die Einwohner ihrem Ortsbürgermeister dank einer hohen Wahlbeteiligung einen Sitz im Genthiner Stadtrat.

Ernüchterung macht sich breit, wenn Schuster sein Ehrenamt als Ortsbürgermeister resümiert. "Ich bin immer ein begeisterter Handwerker gewesen und habe versucht, im Dorf zu machen, was machbar war". Inzwischen verfüge er über keinerlei Möglichkeiten mehr, etwas zu organisieren. "Jetzt renne ich den Dingen einfach nur noch hinterher."

Wenn der Stadtrat grünes Licht gibt, wird Franz Schuster zukünftig Ortsvorsteher sein.

Wer sonst?

Die Paplitzer, ist sich der 63-jährige sicher, werden diese Veränderung wohl kaum zur Kenntnis nehmen. Vielleicht interessiert es sie auch gar nicht, spielt Schuster mit seinen Gedanken. Sicher ist: In seinem Büro bleibt Franz Schuster wie "zu guten alten Zeiten" für die Paplitzer ansprechbar, allerdings nur in den begrenzten Möglichkeiten eines Ortsvorstehers.