Das persönliche Gespräch im Rathaus ist der direkte Draht zur Stadtpolitik. Hier können Bürger loswerden, was ihnen nicht passt. Zum fünften Mal erwartete der Stadtchef die Genthiner im Rathaus. Zeit für eine Stippvisite vor Ort und ein Fazit.

Genthin l Halb acht am Sonnabendmorgen war mit André Knupek schon der erste Genthiner für die Sprechstunde vor Ort. "Ich komme gerade aus der sechsten Nachtschicht", erzählt der 44-jährige Angestellte, der in Möckern arbeitet. Ihm kam die ungewöhnlich frühe Sprechstunde von 7.30 bis 9.30 Uhr sehr gelegen. "In der Woche wäre es im Schichtdienst schwierig."

"Herr Knupek ist bereits zum zweiten Mal hier", erzählt Bürgermeister Barz. Ehrenamtlich kümmert sich der Schichtarbeiter beim Tierschutzverein in der Karower Straße um fast 40 Katzen. Sein Anliegen betrifft die personelle Aufstellung der ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Die Maßnahmen der drei Bürgerarbeiter, die im Tierschutzverein mitwirken, laufen Ende August aus. "Ehrenamtliche Arbeit ist mehr als nur die Dose mit Katzenfutter aufmachen", sagt der 44-Jährige aus eigener Erfahrung. Bürgermeister Barz möchte sich bemühen, ein oder zwei der Bürgerarbeiter über eine Arbeitsgelegenheitsmaßnahme (AGH) oder das Programm "Aktiv zur Rente-Plus", eine Möglichkeit für Langzeitarbeitslose ab dem 50. Lebensjahr, zu halten. "Letztlich liegt die Entscheidungsgewalt bei der ARGE (Arbeitsgemeinschaft)", fügt der Stadtchef hinzu. Nun heißt es abwarten, bis das Land Sachsen-Anhalt über das Programm "Aktiv zur Rente-Plus" entschieden hat. Dann werde der Bürgermei- ster wieder Kontakt zu Knupek aufnehmen. Vorausschauend merkte Barz an, dass es mehrere Vereine gäbe, für die AGH-Maßnahmen oder das Programm eine gute Sache wäre. Momentan müsse man jedoch abwarten, wieviele Maßnahmen der Stadt erhalten blieben. Dann machte sich Knupek gleich etwas zuversichtlicher auf den Weg zu seinen Tieren in die Karower Straße.

Im Anschluss konnte Barz in der Sprechstunde mit Rosel Lucker gleich das nächste Anliegen entgegennehmen. Im diesem Falle waren es gleich drei Dinge, die sie beschäftigten. Eins davon war auch ein Lob. "Ich möchte mich bedanken, dass nun bald ein Augenarzt in Genthin ansässig ist". Derzeit würde noch geprüft, wo dieser untergebracht wird. Auch über die Situation des Lindenhofs und den Verbleib des Frey-Erbes informierte sich die Rentnerin.

"Am Ende der Sprechstunde frage ich immer in der Meldestelle, wieviele Anfragen es dort gab", erzählt Barz über den kleinen internen Wettbewerb. Die Sprechstunde ist in der Meldestelle gut platziert, meint Barz. "Dann hat es nicht so einem Empfangscharakter, wie oben in meinem Büro".

Seit dem 3. August 2013 gibt es für die Genthiner die Möglichkeit, ihre Anliegen persönlich beim Bürgermeister vorzutragen. Meist lässt er sich überraschen, wieviele Interessierte zur Sprechstunde auftauchen. "Zwischen null und zwanzig Besuchern ist alles drin", erzählt der Stadtchef.

Im Anschluss werden die Anfragen protokolliert, bearbeitet und es erfolgt eine erneute Kontaktaufnahme. "Alle Wünsche können nicht erfüllt werden, aber dann erkläre ich den Genthinern, warum wir als Stadtverwaltung so handeln", so Barz. Die nächste Bürgermeistersprechstunde ist Anfang März geplant.

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