Genthin l Es war ein ungewöhnliches Ambiente, in dem sich die mehr als 150 Gäste des ersten Neujahrsempfanges der Kanalstadt einfanden.

Wo gewöhnlich Blumen verkauft werden, kamen Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur zusammen. Die Verkaufshallen der Firma Kühne Jungpflanzen wurde ganz gezielt als Veranstaltungsort ausgewählt, weil die Infotour für die Bundesgartenschau 2015 in Genthin Station machte.

"Nicht nur die Havelregion wird von dieser Großveranstaltung profitieren, sondern auch die Nachbarregionen, die frühzeitig ihre Chance erkennen, um sich auf der touristischen Ebene zu uns zu gesellen", zeigte Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dr. Dietlind Tiemann die Chancen der Großveranstaltung im kommenden Jahr auf.

Die Schau wird in zwei Bundesländern und an fünf Standorten stattfinden. Besonders die Kirchen in Brandenburg und Havelberg werden als Präsentationsort für die Blütenpracht genutzt. Zudem sollen Themenschwerpunkte die Besucher anziehen. In Premnitz wird ein Energieerlebnispark entstehen. In Rathenow erfolgt die Anbindung des Optikparkes an den Weinbergpark. In Rhinow/Stölln steht der Flugpionier Otto Lilienthal im Mittelpunkt. Der Fliegerpark soll eine Dahlienschau zeigen.

Genthin soll von Gartenschau touristisch profitieren

"Ich denke, wir sollten uns genau anschauen, was derzeit in der Havelregion in Sachen BUGA passiert und u¨berlegen, wo wir andocken ko¨nnen, um 2015 mehr Touristen fu¨r unsere Stadt zu gewinnen", sagte auch Genthins Bürgermeister Thomas Barz. Für die Kanalstadt stehen im Jahr 2014 einige Weichenstellungen an, die der Bürgermeister kurz anriss.

"Wir werden dem Stadtrat im März einen Haushaltsentwurf vorlegen. Die Eckdaten hatten wir bereits benannt, etwa 16 Millionen Einnahmen und 22 Millionen Ausgaben. Insoweit wird auch mit dem Haushalt ein vollends neues Paket der Konsolidierung zu schnüren sein", sagte Barz. Es gelte, Maßnahmen zu ergreifen, die den langfristigen Bestand einer soliden Finanzwirtschaft der Stadt sichern.

Im Hinblick auf die Konsolidierung sprach der Bürgermeister auch das emotionale Thema "Stadtkulturhaus" an. "Mit aller Kraft sind wir im Rathaus dabei, eine Idee mit Leben zu füllen, dass wir es mit großer Anstrengung schaffen könnten, das Stadtkulturhaus zu erhalten", kündigte er an. Im März sollen konkrete Planungen vorgestellt werden.

"Bei allen Zahlen müssen wir künftig in Genthin noch stärker auf das identitätstiftende Miteinander achten", mahnte Barz an und verwies auf drei Eckpunkte des neuen Leitbildes. "Genthin soll ein prosperierender Wirtschaftsstandort, eine Stadt für alle Generationen und eine urbane Kernstadt mit attraktiven Ortsteilen werden", umriss er seine großen Ziele für die Zukunft der "Perle am Kanal".

Dieser ist auch Landrat Lothar Finzelberg verbunden, fügte aber hinzu: "Genthin ist eine von acht Städten des Landkreises." Alle acht hätten sich wirtschaftlich gut entwickelt und seien aktionsfähig. Genthin komme eine besondere Bedeutung im nördlichen Jerichower Land zu. Die Stadt sei ein gut entwickelter Wirtschafts- und Schulstandort.

"Die Sekundarschule ist eine wichtige Bildungseinrichtung über die Kreisgrenzen hinaus bis nach Ziesar", machte der Landrat deutlich.

Er kündigte an, dass das Bismarck-Gymnasium für mehr als drei Millionen Euro saniert werden soll. Zudem solle das Gymnasium im Hinblick auf die modernen Medien eine Vorreiterrolle im Land Sachsen- Anhalt einnehmen. Der Landrat bedauerte, dass die Aula im Haus III zu wenig für kulturelle Veranstaltungen genutzt werde. Auch auf die Förderschule Parchen ging Finzelberg ein und erklärte: "Nach der Schulentwicklungsplanung des Kreistages soll sie bis 2018/19 bestehen bleiben."

Kreismuseum ist zu klein für große Ausstellungen

Im Kulturbereich kündigen sich hingegen Veränderungen an. "Unser Kreismuseum ist für große Ausstellungen und Museumspädagogik nur eingeschränkt nutzbar." Ziel der Bemühungen sei nun, Ausstellungen im Kloster Jerichow zu zeigen. Im Standort in Genthin könne der historische Fundus des Stadtarchivs unterkommen und aufbewahrt werden.

Verstecken brauche sich die Stadt Genthin nicht, machte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU)deutlich. "Es zeigt sich, dass die Stadt das Selbstbewusstsein für einen Neujahrsempfang hat." Stahlknecht blickte auf die Hochwasserkatastrophe des vergangenen Jahres zurück und dankte den Helfern der Region.

Er erinnerte an die geschichtlichen Jubiläen, die im Jahr 2014 bevorstehen und bemerkte: "Wenn wir die historische Bürde unserer Vorfahren sehen, leben wir seit 1990 in einer wunderbaren Zeit und können auf das, was wir erreicht haben, durchaus stolz sein."

Es stehen schwierige politische Prozesse bevor, sagte der Innenminister, doch vor dem Hintergrund der Geschichte seien es eher leichte Übungen.

 

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