Genthin l Am Montag riss dem Hüttermühler der Geduldsfaden: Er legte beim Landkreis schriftlich Beschwerde gegen Unbekannt wegen starker Geruchsbelästigung ein, verursacht durch das Ausbringen von Gülle.

Familie Hückler berichtet vom zurückliegenden Wochenende, an dem es unerträglich zum Himmel gestunken habe. Der Reihe nach: Am Freitagmorgen führt Jürgen Hückler in seiner Beschwerde an, sei auf einem Acker in der Gemarkung Gülle in Mengen ausgebracht wurden, die am Abend noch nicht versickert waren. Am Abend, schrieb der Hüttermühler an die Behörde, sei auf dem Acker immer noch das gleiche Bild gewesen: Die Landtechnik wäre nach wie vor im Einsatz gewesen, Güllelachen hätten dabei auf dem Acker gestanden. Am darauf folgenden Sonnabend habe er wiederum Landtechnik bei nicht versickerter Gülle auf dem Acker beobachtet.

"Wir wissen, dass wir Nebenwirkungen der Landwirtschaft hinnehmen müssen." - Jürgen Hückler

Am Montag sei zwar keine Technik mehr im Einsatz gewesen, doch die nicht versickerten Güllepfützen auf der Ackerfläche seien noch größer als am Vortrag gewesen. Die sind vermutlich am Sonntagnachmittag oder in der vorausgegangenen Nacht entstanden, nimmt Jürgen Hückler an.

Der Hüttermühler will bei aller Kritik nicht zum Stänker abgestempelt werden. "Wir wissen, dass wir in einem ländlichen Bereich leben und dadurch hin und wieder Nebenwirkungen der Landwirtschaft in Kauf nehmen müssen. Aber diese Art von Gestanksbelästigung wirft die Frage auf, ob wir das als Genthiner hinnehmen müssen", schrieb er in seiner Beschwerde an den Landkreis als zuständige Behörde.

Hückler, der seine Beschwerde am Montag nach Burg schickte, bekam bereits gestern Antwort des zuständigen Fachbereichs. Zufriedenstellen wird ihn die Auskunft der Behörde sicherlich nicht. Der Landwirt, der die betreffenden Ackerflächen bewirtschaftet, habe nicht gegen die gesetzlichen Regelungen der Düngung verstoßen (geregelt in der Düngeverordnung und dem Düngegesetz), stellt die Behörde fest. Pressesprecher Henry Liebe informierte darüber die Volksstimme.

Das Gärsubstrat sei ordnungsgemäß, nicht innerhalb der Sperrzeiten vom 1. November bis 31. Januar eines Jahres sowie nicht auf gefrorenem, wassergesättigtem oder schneebedecktem Boden ausgebracht worden. Und: Da die Ackerflächen bereits mit Getreide wie Winterroggen und Triticale bestellt ist, muss der Wirtschaftsdünger auch nicht unverzüglich eingearbeitet werden, versucht der Landkreis Hücklers Beschwerde über die stehenden Güllelachen zu entkräften.

"Der Landwirt ist bemüht, die Geruchsbelästigung minimieren."
- Lothar Finzelberg

Landrat Lothar Finzelberg, selbst Hüttermühler, kann die Geruchsbelästigung, die in den vergangenen Tagen von der Gülleausbringung ausging, schlecht wegreden. "Ich habe mit dem Landwirt gesprochen. Er ist durchaus bemüht, die Geruchsbelästigung zu minimieren", sagte er im Gespräch mit der Volksstimme.

Die Gärsubstrate seien auf diesen Flächen mit der verfügbar modernsten Technik, mit Schleppschlauchausbringung, sowie durch ein zertifiziertes Spezialunternehmen ausgebracht worden. Im Sinne der Wirtschaftlichkeit müsse diese teure Technik auch zeitlich sinnvoll eingesetzt werden, so dass auch eine Ausbringung an Wochenenden oder in den Abendstunden durchaus üblich sei, stützt sich der Landrat offensichtlich auf die Argumentation des Landwirtes.

Hückler und viele verärgerte Genthiner werden nicht unbedingt die Meinung der Behörde und des Landrates teilen. Doch eines hat der Landrat versichert: Auf den von Jürgen Hückler aufgeführten Flächen ist die Düngung mit Gülle oder Gärresten zunächst abgeschlossen. Gestern wehte allerdings wieder ein charmanter Duft von Gülle durch die Kanalstadt.