Genthin l Parteien, Wählervereinigungen und Einzelkandidaten zimmern gegenwärtig an den Kandidatenlisten für die Wahl zum Stadtrat am 25. Mai. Gefragt sind bekannte Gesichter, die "Stimmen ziehen". Die Gunst des Wählers entscheidet letztlich über die Vergabe der 28 Parlamentssitze.

Welche Namen werden auf den Wahlscheinen stehen, wenn der Genthiner an die Wahlurne geht?

Bis zum 31. März haben Parteien und Wählervereinigungen noch Zeit, die Listen mit Vorschlägen einzureichen. Gleichwohl erledigen sie dafür ihre Hausaufgaben.

Zufrieden können sich die Christdemokraten zurücklehnen. Als erste der im Stadtrat vertretenen Parteien segnete die Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im "Bootshaus" die Kandidatenliste ab. Stadtverbandsvorsitzender Klaus Voth und Kreisvorsitzender Gerd Mangelsdorf zogen nach einer eineinhalbstündigen Mitgliederversammlung ein zufriedenes Fazit: Mit 22 Namensvorschlägen, darunter auch Nicht-Parteimitglieder, zieht die CDU in den Wahlkampf. Die CDU tritt dabei mit einer verjüngten Mannschaft an. Von den 22 gesetzten Leuten seien elf unter 40 Jahre jung, sagt Voth. "Damit können wir uns sehen lassen", freut sich Voth und verweist darauf, dass sich auf der Liste der CDU sowohl Leute aus den Ortsteilen, aber auch Studenten, Handwerker, Unternehmer, Landwirte und Sozialarbeiter finden.

"Viele, die in den Orten bekannt sind, sind nicht bereit, im Stadtrat mitzuwirken." - Franz Schuster (Ländliche Wählergemeinschaft)

Weniger Zuversicht herrscht indes bei Franz Schuster aus Paplitz, der für die Ländliche Wählergemeinschaft auf Stadtrats-Kandidaten-Suche ist. Franz Schuster ist ein Mann der klaren Worte: "Das Problem ist, dass viele, die in den Orten bekannt sind, nicht bereit sind, im Genthiner Stadtrat mitzuwirken." Er habe etliche Leute, die Stimmen ziehen könnten, angesprochen - aber erfolglos. Bisher geht Schuster davon aus, dass sich einige Ortsbürgermeister auf der Liste der Ländlichen Wählergemeinschaft, die bisher mit drei Sitzen im Stadtparlament vertreten war, setzen lassen.

"Wir haben in unserer Partei zwar eine Frauenquote, aber es gibt keine Frauen." - Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen)

Für die Bündnisgrünen wird der 4. März der Tag sein, an dem die Mitgliederversammlung über die Liste zur Genthiner Stadtratswahl entscheiden wird. "Wir werden in den nächsten Tagen gezielt Leute ansprechen, die neben den Parteimitgliedern auf der offenen Liste kandidieren wollen", sagt Kreisvorsitzender Lutz Nitz. "Diese Leute müssen aber zu uns passen. Es geht uns dabei in erster Linie um die Belange der Stadt. Wer sich jedoch auf unserer Liste einschreibt, sollte auch bei der ,grünen Politik` sein." Während Nitz durchaus Chancen sieht, geeignete Kandidaten für den Stadtrat ausfindig zu machen, erscheint ihm die von der Partei vorgeschriebene Frauenquote als eine "harte Nuss". "Wir haben eine Frauenquote und es gibt keine Frauen", sagt er.

Geschäftigkeit herrscht auch bei den Genthiner Sozialdemokraten, die etwa 10 bis 15 Leute auf ihre Wahlliste bringen wollen.

Die offene Liste repräsentiere zwar einen großen Generationenquerschnitt, aber nur etwa ein Drittel der Bewerber seien junge Leute, stellt Helmut Halupka mit Bedauern fest. Der Jüngste wird nach dem gegenwärtigen Stand 30 Jahre jung sein, der Älteste wird Horst Leiste sein, der mit 77 Jahren für die nächste Wahlperiode wieder antreten wird.

Halupka gesteht ein, dass Genthin für die SPD alles andere als eine Hochburg ist. Vorallem in den ländlichen Gegenden habe es die Partei schwer, Fuß zu fassen. "Die Ursachen, warum viele eine politische Mitarbeit ablehnen, sind sehr vielfältig. Einerseits sind sie in der Arbeit begründet, andererseits beobachte ich eine zunehmende Parteiverdrossenheit", sagt Halupka, der sowohl im Genthiner Stadtrat, als auch im Kreistag sitzt.

"Der Stadtrat bietet nicht genügend Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten." - Sabine Roszka (Die Linke)

Für Sabine Roszka von der Partei "Die Linken", sie ist im Büro des Landtagsabgeordneten Harry Czeke tätig, gehört die Vorbereitung der Vorschlagslisten mittlerweile zum festen Arbeitsplan, bevor sie der Mitgliederversammlung am 7. März vorgelegt wird.

Die Genossen der Linkspartei werden, vorausgesetzt der Zustimmung durch die Mitgliederversammlung, etwa zehn bis 14 Bewerber um Sitze im Stadtparlament den Wählern präsentieren.

Neben den erfahrenen Leuten, die komplett wieder für die neue Wahlperiode antreten werden, stehen auch neue Gesichter auf der offenen Liste. "Sie konnten über persönliche Kontakte oder über die Homepage der Partei gewonnen werden", sagt Sabine Roszka. Dennoch stehe fest, dass die Linke-Fraktion mehr junge Leute brauche, stellt Roszka fest.

In persönlichen Gesprächen habe sie allerdings erfahren müssen, dass vielen Bürgern eine Mitarbeit im Stadtparlament nicht lohnenswert erscheine, weil es nicht über genügend Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten verfüge.

Einen kleinen geheimen Wunsch verbindet Sabine Roszka allerdings mit den Wahlen zum Genthiner Stadtrat. "Ich hoffe stark, dass wir wieder die stärkste weibliche Fraktion werden."

Sebastian Hahn von Pro Genthin will sich noch zurückhalten, wenn es um Auskünfte über das "Aufgebot" für die Kommunalwahl am 25. Mai geht. Erst in der kommenden Woche fällt in den Reihen von Pro Genthin dazu die Entscheidung. Hahn, mit 30 Jahren derzeit jüngstes Stadtratsmitglied, will noch keine Einzelheiten zur Liste in die Öffentlichkeit tragen. "Wir führen noch interne Gespräche", sagte er. Neben den bekannten Gesichtern, die in der zurückliegenden Wahlperiode für Pro Genthin im Stadtrat gesessen haben, könnte es sein, dass zwei weitere Mitglieder sich auf die Liste setzen lassen, stellt Hahn in Aussicht.

Auch die Freien Demokraten feilen noch an ihrer offenen Stadtliste. Es müssen in der kommenden Woche noch parteiinterne Fragen geklärt werden, sagt Wilmut Pflaumbaum, derzeit einziger Liberaler im Parlament. "Vier Kandidaten wollen wir auf jeden Fall auf unserer Liste zu stehen haben, möglichst noch mehr, wobei wir natürlich der Jugend eine Chance geben wollen".

Auch die Wählergemeinschaft Mützel findet sich in der nächsten Woche zusammen, um einige Leute bei der Wahl zum Stadtrat "ins Rennen" zu schicken. "Ich bin überzeugt, dass wir einige Interessenten finden", sagte Rüdiger Feuerherdt optimistisch.