Genthin erinnert an den großen Sohn der Stadt, den Schriftsteller und Rundfunkpionier Edlef Köppen (1893 bis 1939), erneut mit Köppen-Tagen. Die 100. Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und Köppens Antikriegsbuch "Heeresbericht" vereint eine Ausstellung im Kreismuseum.

Genthin l Auch wenn eine große zentrale Wanderausstellung den Ersten Weltkrieg in Sachsen-Anhalt reflektiert, unternehmen Stadt- und Kreisbibliothek sowie das Kreismuseum gemeinsam den Versuch, in einer Sonderausstellung das Thema einer noch regionaleren Betrachtung zu unterziehen.

Dabei konnte es für die Ausstellungsmacher kein Vorbeikommen an dem gebürtigen Genthiner Edlef Köppen geben, der mit seinem "Heeresbericht" einen der bedeutendsten Antikriegsromane seiner Zeit schrieb, der zu Unrecht lange in Vergessenheit geriet.

Bibliothek und Museum unternehmen so den nicht alltäglichen Versuch, ein literarisches Werk und museale Darstellung zusammenführen.

Um die Ausstellung wie angekündigt am Sonnabend um 13.30 Uhr zu eröffnen, bedarf es noch vieler fleißiger Hände. Auch wenn noch nicht alle Ausstellungsstücke an ihrem Platz sind, ist doch klar: "Wir zeichnen den Ersten Weltkrieg am `Heeresbericht` entlang", erörtert Museumsleiterin Antonia Beran die Konzeption der Ausstellung und macht damit auch ihre Einzigartigkeit klar.

Die Lebensstationen des Romanhelden Adolf Reisinger, vom begeisterten Kriegsfreiwilligen zum überzeugten Pazifisten, sind damit der gestalterische Leitfaden der Schau, der sowohl mit Originalen aus dem Köppen-Fundus als auch mit regionalen Exponaten und Dokumenten erlebbar wird. Folgerichtig der Titel der Ausstellung: "Heeresbericht" - Schicksale im Ersten Weltkrieg: Edlef Köppen und andere. Unter anderem bereichern auch Ortchronisten mit Leihgaben die Schau, sagte Antonia Beran.

Den Grundstock für eine solche Ausstellung konnten freilich nur die jahrelangen, aufwändigen Bemühungen und Forschungen der Bibliothek, des Freundeskreises und des Bibliotheksfördervereins bilden, so dass Genthin mittlerweile über ein in Deutschland einzigartiges Köppen-Archiv verfügt. So können die Gestalter der Ausstellung auf den Schriftwechsel und Dokumente aus dem Nachlass Köppens zurückgegriffen, was die Ausstellung einzigartig macht. Das Material wurde zum Teil in mühevoller Kleinarbeit aus Sütterlin transkribiert. Beispielsweise ist in der Ausstellung das "Loretto" an Hermann Kasack mit der bekannten Zeile "Traum: Einen Tag lang nicht töten" zu sehen.

Ein anderer Teil der Ausstellung wird auch dem Kriegs-alltag in der Heimat und den Konsequenzen des Krieges gewidmet.