Musik, Tanz, und große sowie kleine Politik. Als Zugabe ein ausverkauftes Stadtkulturhaus. Das war die Festsitzung des Genthiner Carnevalsclubs (GCC).

Genthin l Großer Bahnhof an den Genthiner Gleisen. Rita und Martin Bartz warten auf den Zug. Der ist wie immer unpünktlich. Simone Wirt und Bernhard Horn wollen auch mit. Weil aus der zehnminütigen Verspätung eine mehrstündige wird, schaffen es Michael Schremmer und Dagmar Liebscher noch auf den Bahnsteig... Dort kommt schließlich auch der ICE an. Und mit ihm Lady Gaga, Roberto Blanco, Stefanie Hertel, Heino und etliche andere Promis. Spätestens als die alle in Genthin aussteigen, wird klar, wir sind gar nicht am Bahnhof, sondern im Genthiner Stadtkulturhaus. Dort fand am Sonnabend die Festsitzung des Carnevalsclubs um Präsident Wolfgang Fleischer statt. Dieses Mal unter dem Motto: "Karneval auf Bahnsteig 1".

Das wollte sich kaum ein Genthiner entgehen lassen. Das Stadtkulturhaus war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Mitglieder des GCCs haben sich einiges einfallen lassen, um ihre in Scharen gekommenen Fans bei Laune zu halten.

"Niemand hat vor, einen Flughafen zu bauen."

Große Politik wird geboten bzw. besungen. Michael Schremmer muss sich als Alice Schwarzer einiges anhören. Gut, dass Genthin überhaupt einen Bahnhof hat, heißt es an anderer Stelle. "In Berlin hat schließlich niemand vor, einen Flughafen zu errichten", sagt Hartmut Nothe, der als Präsident des Elferrates durch das Programm führt.

Auch über die Politik im Kleinen werden die Besucher informiert. Joachim Ryssmann, der in diesem Jahr die Ehre der Gebrüder Kopfschuss allein verteidigen muss, singt Bürgermeister Thomas Barz mit "Sonderzug nach Schopsdorf" ein Ständchen. So richtig was vorzuwerfen haben die Narren dem Stadtchef allerdings nicht, und so kommt man schnell zu den üblichen Verdächtigen.

"Die Gauner sind heute gut ausbebildet", sagt Michael Schremmer. "Ja", antwortet Bernhard Horn. "Manche schaffen es sogar bis zum Landrat." Schremmer und Horn geben in ihrem Sketch zwei Genthiner Rentner bei der ausführlichen Zeitungsschau.

In dieser kommt nicht nur Landrat Lothar Finzelberg vor. Auch der Krötenschutz wird thematisiert: "Wie kamen die Kröten nur ohne die Krötenzäune aus?", fragt Schremmer. "Lutz Nitz und die anderen Grünen haben sie über die Straße getragen", antwortet Horn. Dabei seien leider alle Grünen überfahren worden. Alle außer Lutz Nitz. "Die besten gehen eben zuerst", kommentiert Horn und Schremmer ergänzt: "Und die, die am besten meckern, die bleiben am längsten."

Das ganze Programm ist in das Motto "Karneval auf Bahnsteig 1" eingebettet und so begeistert Dagmar Liebscher als kleene Marlene, die am Genthiner Bahnhof auf Männersuche ist. Überraschenderweise wird sie hier nicht fündig und muss im Zug weiter Ausschau halten. Auch dort, kein Erfolg. Weder im Schlafwagen, noch im Speisewagen, nicht mal im Triebwagen. Ihren Spaß hat sie trotzdem und so singt sie den Genthinern zu "Alle wollen mich begrüßen. Heut` liegt mir die Welt zu Füßen." Und Genthin dankt es ihr mit einem donnernden Applaus und dem Ruf nach einer Zugabe.

Überhaupt wird viel gesungen. Joachim Ryssmann und der Frauenchor schmettern "Wir tanzen bis die Füße qualmen und der Saal in Flammen steht..." So kommt es schließlich auch, aber vorher fragen Joachim Ryssmann und Martin Bartz noch "Soll ich mir den Sack rasieren?" Das Publikum findet darauf keine abschließende Antwort, quittiert den Beitrag aber mit lautem Beifall und einem dreifachen "Jengteng Helau".

"Da lebt der Fasching in diesem Haus..."

Die jungen Frauen der Tanzgruppe "Impuls" zeigen als Stewardessen und Zugbegleiterinnen was sie können.

Fazit: ein kurzweiliger Abend mit guter Musik, tollen Tanzeinlagen und viel Humor an dem auch das Stadtkulturhaus noch besungen wurde. "Da lebt der Fasching in diesem Haus, der keinen Trübsal kennt. Freude, die nie vergeht und tief im Herzen brennt", trällerte Cortina Münch zur Melodie eines Helene-Fischer-Titels mit Blick auf die unsichere Zukunft des Stadtkulturhauses.

Was diese betrifft, haben die Genthiner Narren alles gegeben. Und so blieb ihnen nur zu sagen: "Jetzt ist der Stadtrat dran." Wenn der GCC im nächsten Jahr woanders auftreten muss, muss sich Thomas Barz wohl auf ein kritischeres Ständchen einstellen.

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