Zerben/Güsen l "Wir liegen gut in der Zeit", ist Christian Jöckel, Sachgebietsleiter Schleusen beim Wasserstraßenneubauamt (WNA) Magdeburg, zufrieden. Wo noch im September beim Tag der offenen Baustelle fester Boden war, erstreckt sich nun eine Wasserfläche in etwa der Größe der künftigen zweiten Schleusenkammer. Das Baufeld ist mit einer Schlitzwand ringsum eingefasst, die nach innen alle acht Meter mit Betonstreifen abgestützt wird, um dem Druck von außen standzuhalten, erklärte Jöckel. Zu sehen sind diese beim Blick von der Schleusenbrücke nicht, denn sie enden 1,5 Meter unter der Wasseroberfläche.

Die Männer aber, die die beiden großen Bagger bedienen, wissen natürlich, wo sich die Streifen befinden. Ein 115-Tonnen- und ein 95-Tonnen-Bagger stehen nebeneinander am Rand des Beckens und holen den Boden vom Grund herauf. Es ist eine Unterwasserbaustelle, anders würde es gar nicht funktionieren, denn die Grube muss bis auf 14 Meter Tiefe unter der Geländeoberfläche ausgehoben werden. Wollte man eine solche Baustelle durch ständiges Abpumpen trocken legen, würde es zu einer erheblichen Grundwasserabsenkung kommen.

Insgesamt etwa 90 000 Kubikmeter Boden müssen allein aus der neuen Schleusenkammer herausgeholt werden. Rund um die Uhr wird hier gebaggert, sagt Christian Jöckel. Das Material wird gleich auf Traktoranhänger geladen und laufend über die Straße zum unteren Vorhafen gefahren und abgekippt. Dort steht ein Bagger, der den Boden auf Schuten verlädt, und auf dem Wasserweg wird alles zur Ablagerungsfläche bei Seedorf gebracht. Die Straßen werden so überhaupt nicht damit belastet. Noch bis Mitte März werde das dauern.

Voraussichtlich ab April sollen dann am Boden der Baugrube in einem Raster von 2,40 Metern im Quadrat etwa 980 sogenannte Auftriebspfähle verankert werden. "Das dauert dann etwa vier Monate. Anschließend wird die Unterwasserbetonsohle eingebaut."

Erst dann werde die Baugrube, die nun komplett mit Beton ausgekleidet ist, "gelenzt", das heißt ausgepumpt, so dass anschließend mit dem Stahlbetonbau der Schleusenkammer begonnen werden kann. Das werde im Herbst, spätestens Ende des Jahres sein, nennt Christian Jöckel den Zeitplan.

Das gesamte Baufeld der neuen Zerbener Schleuse ist etwa 1,7 Kilometer lang und umfasst auch die Vorhäfen auf beiden Seiten einschließlich der beiden neuen Wehre, die für die Durchleitung des Wassers durch den parallel verlaufenden Zerbener Altkanal zuständig sind. Die Baugruben für die Wehre sind bereits fertig, die Bauweise ist die gleiche wie beim Schleusenbecken, nur ist alles viel kleiner, erklärt Jöckel. Hier sind die Stahlbetonarbeiten bereits im Gange.

Die alten Wehre werden beide ersetzt, bleiben aber noch in Funktion, bis die neuen fertig sind. Dann wird der Zufluss vom Altkanal zu den neuen Wehren umgeleitet, und die alten kommen weg, denn sie liegen im Baufeld für die neue Schleuse beziehungsweise die Vorhäfen.

Für die Zeit der Bauarbeiten mussten Überfahrten über den Altkanal errichtet werden, ohne den Durchfluss einzuschränken: Vier große Rohre sind im Damm eingelassen. "Die Abflussleistung beträgt hier etwa vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde", erklärt Jöckel. Sichtbar wird der enorme Durchfluss dort, wo das Wasser aus dem alten Wehr rauscht.

Zwischen neuer Straßenbrücke und Wehr, dahinter noch ein gutes Stück weiter Richtung Eisenbahnbrücke vorm Schwellenwerk ist bereits die Spundwand gerammt, die den Vorhafen künftig sichert. Wasserseitig wird jetzt nach und nach der Boden ausgebaggert. Dieser Boden werde später zum großen Teil wieder im Bereich der Baustelle eingebaut. Auf einer Fläche neben dem Kanal erfolgt die vorübergehende Lagerung. Was nicht gebraucht wird, kommt auch zum Lagerplatz bei Seedorf.

Neben der neuen Uferlinie, die bereits durch die Spundwand erkennbar ist, wird später der Betriebsweg entlang führen, von Parey her kommend. Fast fertig ist bereits die im unteren Baustellenbereich etwas höhere Uferböschung zum Wald neben dem Bahndamm Richtung Güsen. Hier ist sogar schon die Begrünung erfolgt.

Keine Spur mehr gibt es vom ehemaligen Bootshaus unweit des alten Wehrs. Das musste für den Kanalausbau weichen. Aber an fast der gleichen Stelle, hinter dem neuen Wehr, soll eine neue Sportboot-Einsetzstelle errichtet werden, erklärte Christian Jöckel. Zu erkennen ist die Stelle schon anhand der zusätzlichen Spundwand. Später wird hier eine schräge Betonsohle eingebaut, danach wird der obere Spundwandteil entsprechend schräg weggebrannt.

In diesen abgelegenen Bereichen der Großbaustelle gibt es kaum Zuschauer, wohl aber direkt an der Schleuse. Auf der neuen Straßenbrücke stehen sehr oft Leute, die sich den Fortgang der Bauarbeiten anschauen. Manche kommen regelmäßig. "Das ist unsere zweite Bauaufsicht", lacht Christian Jöckel. Er freut sich über das Interesse, das auch beim Tag der offenen Baustelle zu erkennen war.

Der Auftrag ist vom WNA Magdeburg im Oktober 2012 an die ARGE Ingenieurbau Papenburg/Bauer Spezialtiefbau vergeben worden, weitere Firmen sind als Nachunternehmer dabei. Die Auftragssumme beträgt rund 60 Millionen Euro.

   

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