80 Bäume sind in dieser Woche an der Berliner Chaussee gefällt worden. "Gut so", sagen die einen. "Schlimm", die anderen. Bei den Genthinern wie auch unter den Stadträten gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema.

Genthin l Seit Dienstag werden an der Berliner Chaussee Bäume gefällt. 80 Stück mussten weichen, das ist der gesamte Bestand an beiden Seiten der Straße. Warum?, fragen viele Genthiner. "Hier wird die Bundesstraße ausgebaut", erklärt Bürgermeister Thomas Barz (parteilos). Wo die Bäume waren, sollen nun Rad- und Gehwege hin.

"Finde ich gut", sagte Uwe Tim, der gestern dort unterwegs war. "Die Wurzeln haben gegen den Weg gedrückt, mit dem Rad kam man da gar nicht mehr lang", so der Genthiner.

Aber auch andere Stimmen werden laut. "Mir tut das in der Seele weh", sagt Dirk Ballarin, ebenfalls aus Genthin. "Radweg und Bäume, das muss doch vereinbar sein."

Bund beantragt die Maßnahme, Stadt genehmigt sie

"Nein", sagt Thomas Barz. "Fuß- und Radwege brauchen bestimmte Maße, damit auch Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl und Rollator sie benutzen können." Barz verweist darauf, dass die Bäume nicht der Stadt, sondern dem Bund gehören. Die Fällungen hätte die Landesstraßenbaubehörde angeordnet.

Hinter dieser verstecken will sich Barz allerdings nicht: "Ich bedaure, dass die Bäume gefällt werden, bin aber überzeugt, dass es nötig ist." Beantragt hat die Maßnahme der Bund, die Stadt hat dem dann im Bau- und Vergabeausschuss zugestimmt.

Dirk Ballarin beklagt den fehlenden Informationsfluss. "Ich war überrascht, dass es Dienstag schon los ging. Wir haben eine Petition gegen die Fällungen geplant. Jetzt sind die Bäume weg und Widerstand macht keinen Sinn mehr."

"Die Fällungen kamen nicht überraschend", erwidert der Bürgermeister. Am 23. Februar 2012 hätte der Stadtrat dem Bau der Rad- und Gehwege an der Bundesstraße 1 vom Wasserturm bis zur Friedensbrücke zugestimmt. Damit sei klar gewesen, dass die Bäume gefällt werden.

Nicht allen scheint das klar gewesen zu sein. Lutz Nitz von den Grünen sagt: "Der Stadtrat hat Geh- und Radwege beschlossen, dass auch einige Bäume gefällt werden müssen, war klar. Von allen ist aber nicht die Rede gewesen." Nitz kritisiert, dass die Genehmigung zur Fällung der Bäume vom Bau- und Vergabeausschuss beschlossen wurde. "Das hätte im Stadtrat entschieden werden müssen."

Harry Czeke (Die Linke) kritisiert, dass der Umwelt- und Wirtschaftsausschuss nicht in die Entscheidung einbezogen wurde. "Wenn es um Bäume geht, sind wir der Fachausschuss. Wenn dort neue Bäume gepflanzt werden, brauchen die 40 Jahre, bis sie an die Sauerstoffleistung der alten herankommen."

Natürlich seien auch Alternativen geprüft worden, sagt Thomas Barz.

Moderne Leitsysteme für blinde Menschen

Die Verantwortlichen im Planungsbüro und schließlich auch er hielten aber die Fällung für die beste Lösung. Barz begründet das so: "Die Fuß- und Radwege werden mit modernen Leitsystemen für Sehbehinderte und blinde Menschen ausgestattet." Außerdem zeige die Entwicklung an vielen Landesstraßen, dass gerade ältere Bäume den Ausbau von Straßen nicht überleben, auch wenn gegengesteuert wurde.

Für die gefällten Bäume wird es Ersatz geben. Was für Bäume das sein werden, und wann sie gepflanzt werden, wird zur Zeit von der Stadt geplant. "Das wird im Laufe diesen Jahres passieren", sagt Barz.