Die Ausstellung im Kreismuseum "Heeresbericht-Schicksale im Ersten Weltkrieg: Edlef Köppen" ist eröffnet. Besucher können sich entlang der Thementafeln ein Bild vom Leben an der Front und den Daheimgebliebenen machen.

Genthin l "Zeitzeugen gibt es keine mehr, man muss die hinterlassenen Dokumente sprechen lassen", machte Bürgermeister Thomas Barz in seinen Worten zur Eröffnung der neuen Ausstellung im Kreismuseum deutlich. Eine Vielzahl von Ausstellungstücken macht die Schrecken dieses Weltkrieges, nachvollziehbar. Die Exponate stammen teilweise aus Privatbestand, sind in Zusammenarbeit mit Ortschronisten, dem Freundeskreis "Edlef Köppen" und der Stadt- und Kreisbibliothek zusammengetragen worden.

Kernstück ist der Roman "Heeresbericht", der die Fronterlebnisse des Schriftstellers erzählt. "Er schildert seine Erlebnisse an der Front in solch klarer Sprache, dass man ihn für andere sprechen lassen kann", begründet Bibliotheksleiterin Gabriele Herrmann die Grundidee der Ausstellung. Die Exponate sind so angeordnet, dass die Besucher dem Verlauf des Krieges chronologisch folgen können. Ständige Begleiter sind die Zitate aus dem Heeresbericht. Die auf gelben Hintergrund gedruckten Auszüge ziehen sich als Leitmotiv durch die rund zwei Dutzend Schautafeln an den Wänden. Bereits während des Eröffnungstages gaben die Dokumente Anlass zu Gesprächen und tieferen Analysen des gezeigten Materials.

"Das ist eine Original-Feldpostkarte", erzählt Besucher Dieter Bergmeyer aus Stendal. "Auf Trödelmärkten existieren viele davon, man erkennt die Originale an der Rückseite." In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit der Stendaler Militärgeschichte. Nicht nur Feldpostkarten und Schriftstücke sind in der Ausstellung zu sehen. Weihnachtsbaumkugeln, die 1915/16 an deutschen Weihnachtsbäumen hingen und Porzellan mit patriotischen Motiven sind ebenfalls ausgestellt.

"Ich finde, dass mit dem Thema vor der 100-jährigen Wiederkehr des Ersten Weltkrieges, eher zurückhaltend umgegangen wurde", sagte Sylvia Laumann. Vielleicht deshalb sei die Schau ein Einstieg besonders für jüngere Menschen, meinte die Stendalerin, die die Ausstellung mit ihrer zwölfjährigen Tochter Maxi besuchte. Ihr gefalle es, dass auch Kleinstädte wie Genthin sich um eine regionale Aufarbeitung des Kriegsgeschehens bemühen. Einer der Schaukästen zeigt alte Fotos, Orden und auch ein Liederbuch vom Vaterländischen Frauenverein Kreis Jerichow II, der 1901 gegründet wurde. Kriegswirtschaft wird zum Beispiel in Form von Dokumentationen von Kriegsanleihen aus einer Schulchronik in Paplitz gezeigt. Diese berichtet, dass Landwirte ihre Pferde für 2500 bis 3000 Mark verkauften und dann Ochsen als Zugtiere einsetzten.

Verschiedene Kopfbedeckungen, wie der Tschako der Landwehrsoldaten, und detailgetreue Lineolfiguren, wie Pferd und Reiter, lassen sich in der regionalen geschichtlichen Aufarbeitung des Ersten Weltkrieges, entlang dem Einzelschicksal Edlef Köppens verfolgen. "Bei einigen Ausstellungsstücken könnte man sicherlich noch mehr nachforschen, aber ich denke, dass man sich ein gutes Bild der Schicksale im Ersten Weltkrieg machen kann", so Museumsleiterin Antonia Beran.

"Es wäre schön, wenn sich die Ausstellung noch stärker auf den lokalen Aspekt fokussieren würde", ergänzte eine Genthiner Besucherin. Denn auch die Kanalstadt sei vom Kriegsgeschehen mit mehr als 300 Toten betroffen gewesen. Möglicherweise wird die Schau in den kommenden Monaten durch weitere Exponate und Dokumente ergänzt. Die Ausstellung ist bis zum 5. Oktober im Kreismuseum Jerichower Land zu sehen.

 

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