Das Frauenfrühstück in Genthin hat sich mittlerweile zu einer anspruchsvollen Adresse gemausert, dessen Vorträge stets von Hochklassigkeit getragen sind. Jüngst konnte die Berliner Theologin und Autorin Astrid Eichler als Referentin begrüßt werden.

Genthin l Als Astrid Eichler im Lindenhof locker und scheinbar unbekümmert an das Rednerpult trat, erwartete die etwa 100 Zuhörerinnen ein Referat, das hohe Anforderungen auch an sie stellte. Ganz Ohr zu sein, zahlte sich wiedereinmal aus.

Astrid Eichlers Thema "Zulassen - loslassen - überlassen", Wege zu mehr Lebensqualität`, hatte absolut nichts mit der satten Zufriedenheit an einem gut gedeckten Frühstückstisch zu tun. Ganz im Gegenteil.

Gleichwohl gab es natürlich wie in der Veranstaltungsreihe üblich, vorab ein kleines Frühstück, Kantor Gottfried Spiegel und Friedhelm Wende stimmten die Damen überdies musikalisch ein. Silvia Sasse und Petra Koschnitzke zeigten einen kleinen Sketch, der auf den Vortrag einstimmte.

Auch bei der jüngsten Veranstaltung einte das Frauenfrühstück einmal mehr interessierte Frauen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und unterschiedlichen Alters, ein konfessioneller Hintergrund war kein Muss.

Eine Abwechslung in einer Kleinstadt wie Genthin

Die Theologin, Buchautorin, Gefängnisseelsorgerin und Referentin bei Tagungen bot dann "hörsaalreife" Ausführungen - zweifellos eine wohltuende Abwechslung in einer Kleinstadt wie Genthin.

"Was dürfen wir nicht zulassen, wo sind die Dinge, die nicht sein dürfen, um Wege zu mehr Lebensqualität zu finden?", fragte Astrid Eichler in die Runde und versuchte, darauf differenzierte Antworten zu geben.

Diese Qualität, das Lösen von vordergründig Wichtigem, sei kein Produkt aus Resignation, sondern aus der "Leidenschaft für das Leben", setzte sie ihren Ausführungen voran. Diese Aussage belegte die Referentin mit mehreren Thesen, die sie inhaltlich und rhetorisch auf hohem Niveau vermittelte.

Wie gelangt man nun zu mehr Lebensqualität? Eichler setzte ohne Frage mit ihrem Vortrag das Nachdenken bei ihren Zuhörerinnen in Gang.

Sich zu akzeptieren, wer und wie man ist - das interpretierte Eichler als ein "Zulassen" im Sinne von mehr Lebensqualität.

Denkanstöße gab Eichler auch mit ihrer These, dass nur der Freiheit erleben kann, der auch loslassen kann.

Verzichten, führte Eichler aus, sei die wirkliche Voraussetzung für Genießen, in der Kraft des Verzichtes würde Lebensqualität geschaffen werden. Als ein einfaches Beispiel führte sie den Genuss von Schokolade nach der Fastenzeit an. In einer Welt, an dem jeden Tag alles Wünschenswerte auf unseren Tischen stünde, ginge unseren Kindern die Gabe des Genusses verloren, machte Eichler deutlich.

Eichler brachte etliche Beispiele des Loslassens. Die Theologin hinterfragte unter anderem die Bedeutung des Geldes. "Kann man zum Beispiel mit Geld Gesundheit, Freunde und Liebe oder die bunten Farben des Herbstes kaufen?" Geld sei ein Zahlungsmittel, ohne das wir nicht auskommen. Glaube, Hoffnung und Liebe stünden darüber.

Loslassen - das bezog die Referentin unter anderem auch auf das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. Ihre Mutter, berichtete sie, habe sich gefreut, wenn ihre Kinder zu Besuch kamen. Wenn manche Mütter ihre Kinder mit den Worten: "Endlich lässt Du Dich sehen" begrüßen, vergraulten sie sie und die Besuche werden seltener. Loslassen, das wollte die Referentin verdeutlichen, führt in die Freiheit.

Alltägliche Beispiele für das Loslassen

Die Referentin führte auch kleine Beispiele aus dem Alltag zum Loslassen an. Fällt es uns oft nicht schwer, den Kleiderschrank gründlich auf- und auszuräumen. Gibt es nicht zu viele Schuhe, die woanders gebraucht werden?, stellte sie in den Raum.

Das nächste Frauenfrühstück wird am Sonnabend, 18. Oktober, wieder im Hotel/Restaurant Müller stattfinden., Dann spricht Anneke Pilgrim aus Berlin zum Thema "Umgang mit Kritik".

Das Frühstückstreffen für Frauen in Genthin wurde vor drei Jahren erstmals organisiert. Das jüngste Treffen war nunmehr das siebente. Etwa zehn Frauen der evangelischen Kirchengemeinde St. Trinitatis gehören zum harten Kern, die diese Treffen vorbereiten. Insgesamt sind 20 bis 25 Frauen dabei, dieses Frauenfrühstück zu organisieren.

Die Bewegung entstand 1983 in der Schweiz und inzwischen gibt es solche Treffen in über 220 Städten.

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