Dretzel l Von schönen und tragischen Ereignissen rund um das Dretzeler Schloss erzählten die Anrufer für die Auflösung des Heimaträtsels in der vergangenen Woche.

Das Schloss mit Kirche, Kirchhof und Park zeigt sich noch heute in der Gestalt seiner Errichtung. Nur der westliche Eingang wurde 1954 durch eine Terrasse mit zwei Treppenaufgängen ersetzt. Das siebzehnachsige, zweigeschossige Gebäude ruht auf einem übermannshohen Sockel und trägt ein Mansardwalmdach. Während die Mehrzahl der Fenster hochrechteckig ist, tragen einige Fenster im Erdgeschoss einen rundbogigen Aufsatz.

"Da müsste man sich glatt nochmal überlegen, darin zu heiraten."

"In den 1990er Jahren wurde das Dach des Schlosses neu gedeckt", erinnert sich Heidemarie Gneist aus Gladau. Ingeborg Weber ist in den 50er Jahren im Schloss Dretzel zur Schule gegangen. Auch Krippe und Kindergarten haben sich damals darin befunden. "Eigentlich war es uns Kindern verboten, auf dem Gelände zu spielen, da vieles baufällig war", sagt die Genthinerin. Als Kind hätte man sich darüber aber keine Gedanken gemacht. Der Heiratsraum im klassizistischen Denkmal gefällt Karin Loll, die schon mal eine Führung mitgemacht hat, besonders gut. Die Parchenerin staunte, wie schön alles hergerichtet war. "Da müsste man sich glatt noch mal überlegen, darin zu heiraten", sagt sie am Telefon und lacht. Eine eher traurige Begebenheit erzählt Günther Schulenburg über das Dretzeler Schloss: "Die Freiwillige Feuerwehr Parchen eilte 1807 mit der Handdruckspritze durch den Fiener, um das brennende Schloss zu retten." Leider war es schon abgebrannt, als die Kameraden dort ankamen. Diese geschichtsträchtige Handdruckspritze wurde erst kürzlich in Genthin restauriert und befindet sich jetzt in Gladau. Das heutige Schloss Dretzel wurde in den Jahren 1807 - 1810 erbaut, nachdem es 1807 völlig niedergebrannt war.

Die Genthinerin Bärbel Schleef erinnert sich in einem kulinarischen Zusammenhang an das Schloss in Dretzel. "Meine Tochter hat dort mal probeweise gekocht." Dabei ging es um eine Arbeitsstelle in den historischen Mauern. Sie kennt die Ecke aber auch durch ihren Mann, der aus Tucheim stammt.

Im 14. Jahrhundert erbauten die Knappen Henning und Werner von Kracht das erste Dretzeler Schloss. Die Altenplathower Familie von Meyendorf besaß es bis ins 16. Jahrhundert. Folgender Eigentümer war der erzbischöfliche Geheimrat Lippold von Arnim. Sein Nachfahre, Domherr Hans Georg von Arnim, verkaufte Dretzel 1617 an Georg von Angern aus Staßfurt. Selbst der preußische König Friedrich II. war 1779 auf Schloss Dretzel zu Gast. Der Letzte von Angern starb 1790. Seine Tochter Ferdinandine heiratete den Kriegs- und Domänenrat Herrmann Ludwig von Stilcke. Dessen einziger Sohn starb mit 31 Jahren, so dass Dretzel über die Tochter 1835 in den Besitz der Familie ihres Ehemanns gelangte, dem preußischen Generalmajor Carl Heinrich von Ostau.

Seit 2007 werden im Schloss Dretzel Trauungen durchgeführt

1945 wurde das Rittergut Dretzel enteignet. Das Schloss ging 1948 in den Besitz der Kommune über, die es als Kindergarten, Schule, Jugendklub und Wohnheim nutzte. Fünf Jahre später wurde Dretzel in den Nachbarort Gladau eingemeindet. Ab 1952 gingen die Gutsflächen in genossenschaftliche Nutzung über.

Die politische Wende von 1989 verhalf Hans-Fabian von Ostau zehn Jahre später dazu, das Schloss durch Kauf wieder in den Besitz seiner Familie zu bringen. Er hat seither viel Geld und Arbeit investiert. Seit dem 1. März 2007 werden im Schloss Dretzel Trauungen durchgeführt.

Den Biber-Gutschein im Wert von zehn Euro hat in dieser Woche Karla Lopartar aus Nielebock gewonnen. Er kann montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr in der Genthiner Lokalredaktion, (Brandenburger Straße 55-57, Eingang Kleine Schulstraße), abgeholt werden.

 

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