In den nächsten Tagen wird über das Programm "Aktiv zur Rente PLUS" entschieden. Es bietet Langzeitarbeitslosen über 50 Jahren die Möglichkeit, Beschäftigungen im öffentlichen Interesse nachzugehen. Ob auch die Bürgerarbeit in anderer Form weitergeht, ist erst danach Thema.

Genthin l "Bei uns im Haus ist die Situation momentan schwierig, da wir noch mehr Zulauf haben, seit das DRK-Jugend- und Freizeitzentrum geschlossen ist", so Bernd Neumann vom Jugendhaus Thomas Morus in Genthin. Seit März fehlen zudem fünf Bürgerarbeiter.

"Wir bemühen uns um eine schnelle Lösung."

Bernd Neumann, Leiter Jugendhaus "Thomas Morus"

Momentan stemmen zwei 40-Stunden-Kräfte die Betreuung der Jugendlichen und die anstehenden Aufgaben im Haus. "Wir bemühen uns um eine schnelle Lösung", so der Leiter des Jugendhauses. Momentan kann nur noch von 13 bis 20 Uhr, und sonnabends gar nicht mehr geöffnet werden.

Die auslaufende Bürgerarbeit ist nicht nur in der Jugendbetreuung ein Problem. Auch der Tierschutzverein muss sich Gedanken um die Versorgung seiner Samtpfoten machen, wenn keine Unterstützung mehr durch Bürgerarbeiter vorhanden ist. "Sie ist die richtige Frau, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort", sagt André Knupek, ehrenamtlicher Mitarbeiter, über Bürgerarbeiterin Karin Schlichting.

Derzeit arbeiten drei Bürgerarbeiter beim Tierschutzverein in Schichten von jeweils sechs Stunden täglich, um die vierzig Tiere in Quarantäne-, Übergangs- und Außenbereich zu versorgen.

"Mir liegen die Tiere sehr am Herzen."

Karin Schlichting, Bürgerarbeiterin beim Tierschutzverein

Tierarztbesuche, Betreuung von pflegebedürftigen oder kranken Katzen werden oft zusätzlich in der Freizeit mit privatem Pkw erledigt. Dazu gehören Herzblut und Tierliebe. Frau Schlichting kennt alle Schützlinge mit Namen. "Mir macht die Arbeit viel Freude, mir liegen die Tiere sehr am Herzen und wenn es hier nicht weitergeht, muss ich erst Mal sehen", sagt die 44-Jährige wenig zuversichtlich. Wenn die Tierschutz-Bürgerarbeiter Ende August gehen müssen, ist der personelle Engpass wie in vielen Genthiner Einrichtungen groß. Was mit nicht vermittelten, kranken oder alten Katzen passieren würde, daran wollen weder Bürgerarbeiterin Schlichting, noch der ehrenamtlich arbeitende Knupek denken.

Auch der Genthiner Kunstverein hat nur noch bis zum 31. März die Unterstützung eines Bürgerarbeiters. Für die Zeit danach steht derzeit ein großes Fragezeichen für die betroffenen Mitglieder.Im Bibliotheks-Förderverein unterstützen derzeit zwei Bürgerarbeiter die Chronik- und Schulbibliotheksarbeit. "Es wird eine schwere Aufgabe, im Anschluss neue Stellen zu bekommen und sie mit genauso qualifizierten Kräften zu besetzen", sagt Bibliotheksleiterin Gabriele Hermann. Beim Kultur- und Freizeitverein Süd V, sind es vier Stellen, die nur noch bis zum 31. Mai durch Bürgerarbeiter besetzt sind. Ein Antrag für das Programm "Aktiv zur Rente PLUS" ist gestellt, derzeit ist aber unklar, wie viele Stellen genehmigt werden.

In Schulen helfen Bürgerarbeiter bei der Hofaufsicht und Essensausgabe und auch in den Kitas werden die helfenden Hände bald fehlen. Von den ursprünglich 54 Bürgerarbeitern sind derzeit noch 46 bei der Stadt beschäftigt. 141 waren es insgesamt in der Region Genthin. Das Programm "Aktiv zur Rente PLUS" oder die Verlängerung der derzeitigen Maßnahmen könnte einen Teil der Stellen erhalten. Weitere Förderwege sind derzeit nicht gegeben.

Momentan liegen die Anträge bei der Landesprüfstelle Sachsen-Anhalt, die abschließend über die Bewilligung entscheidet. Konkrete Zahlen konnte Landkreissprecher Henry Liebe, deshalb gestern auf Volksstimme-Anfrage noch nicht nennen.