Fünf Minuten im Gespräch und schon ist der Ausbildungsplatz sicher? Ganz so einfach geht es zwar nicht, dennoch brachten die Kurzkontakte beim ersten JobTempomeeting in Genthin Betriebe und mögliche Bewerber zusammen.

Genthin l Welchen Schulabschluss benötige ich um meinen Wunschberuf zu erlenen? Wie läuft die Ausbildung ab? Was muss ich können? Solche Fragen wurden am Donnerstag gestellt und beantwortet. Zum ersten Mal fand in der Aula des Hauses I des Bismarck-Gymnasiums ein sogenanntes JobTempomeeting statt.

"Das funktioniert so ähnlich wie ein Speed Dating", erläuterte es Veranstalter Alexander Texter. "Allerdings soll heute niemand die Liebe seines Lebens finden, sondern seinen Ausbildungsberuf", fügte Texter hinzu. Beide Seiten führen dabei fünfminütige Gespräche, bis jeder Bewerber mit jedem Unternehmen gesprochen hat. In Genthin waren rund 40 Schüler der 9. und 10. Klasse der Sekundarschulen Genthin, Brettin und Parey vor Ort.

Alle fünf Minuten Gespräch mit anderem Unternehmen

Zeremonienmeister Texter hatte dabei stets die Uhr im Blick und gab mit einem Glöckchen ein akustisches Signal zum Wechsel. Mit jedem Läuten nach fünf Minuten rutschten die Bewerber um einen Platz weiter und fanden sich beim nächsten Unternehmensvertreter.

"Wir haben 13 Firmen aus Genthin und der Umgebung an den Tischen zum Teil sogar mit zwei Vertretern", erläuterte Annett Koschnick von der BKK Essanelle, die gemeinsam mit dem Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) Jerichower Land und den Schulen in Genthin die Aktion ins Leben gerufen hatte. Dabei zeigte sich eine breite Palette von Berufen. Unternehmen aus dem kaufmännischen, handwerklichen und technischen Bereich. "Wir haben vom Anlagenbau über Banken bis hin zur Bäckerei eine Reihe von Firmen dabei, die sich auf diese Weise präsentieren", machte Koschnick deutlich. "Wir müssen zeigen welche Ausbildungsplätze es in den Unternehmen gibt und dies auch verstärkt in den Schulen kommunizieren", begründete TGZ-Geschäftsführer Heinz Paul die Aktion.

Bei den Teilnehmern kamen die Kurzgespräche an. "Ich finde die Aktion gut, weil man in kurzer Zeit mit vielen Firmen in Kontakt kommt", sagt beispielsweise Jessica Czirny, die die 10. Klasse in der Genthiner Sekundarschule Am Baumschulenweg besucht. Eigentlich interessiert sie sich für eine Ausbildung als Rechtsanwaltsfachangestellte. "Leider war das nicht dabei, aber mir wurde dafür die Ausbildung zur Industriekauffrau vorgestellt, darüber werde ich mich noch genauer informieren", sagte sie.

Nicht nur im Wunschberuf nach einer Stelle zu suchen, sondern auch neue Anregungen anzunehmen, sei ein wesentlicher Bestandteil solcher Veranstaltungen, meint Andreas Texter. "Es ist durchaus möglich, dass mancher nach so einem Tag seinen Berufswunsch ändert, weil er sieht welche Möglichkeiten sich in einem Unternehmen bieten", sagt er. So erging es Franz Hoffmann von der Sekundarschule Brettin. "Mir wurde mit dem Werkstoffprüfer ein ganz anderer Beruf vorgeschlagen, als ich mir vorgestellt habe." Er äußerte aber auch leichte Kritik: "Es ist doch sehr laut, wenn alle reden und wenn man sich für einen Beruf gar nicht interessiert, ist die Zeit zu lang."

Ein absolutes Desinteresse stellten die Arbeitgeber hingegen nicht fest. "Unsere Gesprächspartner waren alle sehr aufgeschlossen", zeigte sich Sibau-Ausbilder Wolfgang Bathe positiv von den jungen Leuten beeindruckt. Er wünschte sich sogar noch etwas mehr Gesprächszeit, um den Betrieb vorzustellen. Das Genthiner Stahlbauunternehmen hofft nun auch auf Bewerbungen, die aus den Gesprächen resultieren.

"Es war eine tolle Aktion", konnte auch Cornelia Draeger von der Stadt- und Kreisbibliothek bestätigen. Sie stellte den in diesem Jahr neuen Ausbildungsberuf Fachangestellter für Mediendienste vor und war überrascht von der Resonanz. "Wir haben bereits drei Anfragen für Praktika in der Bibliothek."

Ähnlich positiv äußerten sich auch die Vertreter der Firma Krömer AIS Werner Krömer und Christian Müller. Müller informierte in einem Vortrag auch über den Wert von mittelständischen Unternehmen für die Wirtschaft.

Als dauerhafte Veranstaltung etablieren

Auch die Aktion Genthin 2020 wurde den Schülern nähergebracht und somit ein umfangreiches Informationspaket geschnürt. Nicht alles hat dabei geklappt, aber dennoch planen die Veranstalter mit einer Neuauflage.

"Wir werden daran arbeiten, dass die Schüler noch gezielter an die für sie interessanten Unternehmen herangeführt werden und es weniger Leerlauf gibt", sagt Annett Koschnick. "Wir hoffen nun, dass wir das Tempomeeting als dauerhafte Veranstaltung etablieren können."

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