Einen guten Start in seinem neuen Wirkungsbereich hat der Neurologe und Schmerzspezialist Dr. Thomas Wieser. Seit Februar ist er im AWO-Fachkrankenhaus Jerichow tätig. Jetzt fand im Saal des Therapiezentrums die feierliche Amtseinführung statt. Gemeinsam mit Dr. Petra Zacke ist Wieser jetzt Chefarzt der Neurologie.

Jerichow l Viele Mitarbeiter des Hauses und Gäste waren der Einladung zur Amtseinführung gefolgt, nicht zuletzt, weil sich daran auch einige Erwartungen knüpfen. Denn mit Dr. Thomas Wieser ist nicht einfach die Neubesetzung einer freien Stelle erfolgt, sondern es kommt auch eine ganz neue Ausrichtung bei den Therapiemöglichkeiten in der Klinik dazu.

Es sei "ein Glücksfall, dass Sie sich bei uns beworben haben", unterstrich Wolfgang Schuth, Geschäftsführer der AWO-Krankenhausbetriebsgesellschaft, und brachte damit die Freude über diese Bereicherung zum Ausdruck.

Ganz neu sei die Schmerzbehandlung hier im Hause freilich nicht - das Fachkrankenhaus habe sich auch vorher schon damit befasst, sagte der leitende Chefarzt Joachim Müller, betonte aber auch: "Ohne einen Spezialisten sind dem Grenzen gesetzt."

Dieser Spezialist ist nun im Haus. Acht Wochen hatte man bereits Gelegenheit, sich "zu beschnuppern", scherzte Müller und unterstrich: "Wir haben die Wahl nicht bereut!"

Neben enormen Fachkenntnissen bringt Dr. Thomas Wieser auch ein bisschen "Wiener Charme" mit nach Jerichow, den er sich während seiner etwa zehnjährigen Tätigkeit in der österreichischen Hauptstadt erworben hat. Geboren ist er jedoch in München, ging dort zur Schule und studierte, wie er anschließend in einem kleinen Bericht über sich selbst erzählte.

Sein erster Arbeitsplatz war in Münster, dann ging er nach Halle/Saale, wo er den Großteil seiner Facharztausbildung absolvierte. Während dieser Zeit ging er für eineinhalb Jahre zu Forschungszwecken in die USA. Der Wunsch, Schmerztherapeut zu werden, führte ihn nach Wien - zunächst an die Uni-Klinik, dann ans Krankenhaus "Göttlicher Heiland", das seit 2004 zur Vinzenz-Gruppe gehört.

Ein gutes Arbeitsumfeld, gute Kollegen seien ihm immer wichtig gewesen, und er habe an allen Stationen seiner Laufbahn immer gute Erfahrungen gemacht. Der Wechsel von Wien nach Jerichow sei vielleicht etwas "krass", räumte er vorsichtig - und zur allgemeinen Erheiterung - ein, um dann diesen großen Schritt in ein ganz anderes Umfeld genauer zu erklären: Wien sei immer nur als zeitweilige Station geplant gewesen, betont er. Er blieb länger, weil es ihm gefiel, jedoch nahm schließlich der Wunsch nach beruflicher Veränderung, nach beruflichem Weiterkommen zu. "Meine Wünsche waren: Ich möchte in die Nähe von Berlin, ich möchte als Schmerztherapeut arbeiten, und ich möchte das in leitender Funktion tun."

Dr. Thomas Wieser gab dann einen Überblick über die wissenschaftlichen Projekte, an denen er während seiner Berufstätigkeit arbeitete, um die Hintergründe dafür zu erklären, was er nun in Jerichow vor hat.

Vor 20 Jahren begann er in Münster in einer der größten Kopfschmerzambulanzen im deutschsprachigen Raum zu arbeiten. In seiner Doktorarbeit hatte er sich mit Techniken in der Molekulargenetik beschäftigt. Mitte der 1990er Jahre wurden erste Zusammenhänge zwischen Genveränderungen und bestimmten Migräneformen entdeckt. An solchen Forschungen arbeitete er nun auch: Untersuchungen an Familien sowie großen Patientengruppen erfolgten.

In der Uni-Klinik Halle arbeitete Wieser bei Prof. Zierz, einem Spezialisten für Muskelerkrankungen. Dort forschte er auch in diesem Bereich, widmete sich aber auch wieder der Migräne, und das ganz besonders während seines Aufenthalts in Pittsburgh/USA. Zurück in Halle beschäftigte er sich besonders mit der Frage, warum einige Patienten chronische Schmerzen entwickeln, andere nicht.

Fünf bis acht Millionen Deutsche leiden an chronischen Schmerzen, und das Problem nehme zu, betonte Dr. Wieser. "Wir haben uns damit einer immensen gesundheitspolitischen Herausforderung zu stellen!"

Der Schmerzpatient stehe unter enormem Druck, gesund zu werden. "Er macht sich selber Druck, weil er den Schmerz loswerden will." Dazu komme, dass die Sozialsysteme meist erst dann soziale Sicherheit gewähren, wenn der Patient wirklich bewiesen habe, dass er alles probiert hat, was es gibt. Nicht zu vergessen seien die Erwartungen, die vom Umfeld des Patienten an ihn gestellt werden.

Für ihn sei es ganz wichtig, sagte Dr. Wieser, diese Patienten vor unsinnigen, möglicherweise auch schädigenden Therapieversuchen zu schützen. Er konzentriere sich auf die multimodale Schmerztherapie, die sowohl kurzfristig als auch langfristig helfe.

Multimodal heiße auch interdisziplinär, das bedeute, dass er nur gemeinsam mit den Kollegen des AWO Fachkrankenhauses dieses Projekt verwirklichen könne. "Darauf freue ich mich!"

 

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