Die Genthiner Feuerwehr, eine der ältesten Feuerwehren in Sachsen-Anhalt, feierte am Wochenende ganz groß ihren 140. Geburtstag. Auf dem Marktplatz gab es am Sonnabend einen Handdruckspritzen-Wettbewerb und am Abend einen imposanten Zapfenstreich, zu dem das Landespolizeiorchester aufspielte.

Genthin l Als am Sonnabend gegen 20 Uhr auf dem Marktplatz mit dem Ende des Zapfenstreiches auch das Festprogramm für die Feierlichkeiten zum 140-jährigen Bestehen der Feuerwehr beendet waren, durfte sich das über Wochen und Monate tätige, sechsköpfige Organisationskomitee zufrieden zurücklehnen. Das Programm erfüllte sowohl die Erwartungen der Feuerwehrleute, der offiziellen Gäste, vor allem aber auch der vielen Genthiner. Der große Vorbereitungsaufwand der vergangenen zwölf Monate hatte sich gelohnt.

Etwa 20 befreundete Feuerwehren, Vertreter des Landesfeuerwehrverbandes, offizielle Gratulanten von Landkreis und dem Land Sachsen-Anhalt kamen, um den Genthinern zu gratulieren. Stadträte sprachen der Genthiner Feuerwehr auf der Festsitzung im Stadtkulturhaus ihre Glückwünsche zu dem - auch im Landesmaßstab - sehr seltenen Jubiläum aus.

Vor der Gratulationscour ließ Stadtwehrleiter Achim Schmechtig die Genthiner Feuerwehrgeschichte noch einmal in seiner Festansprache Revue passieren. Er erinnerte an die Großbrände in den Jahren 1648 und 1681, die in der Stadt verheerende Schäden anrichteten. Über die Anschaffung von "Feuerinstrumenten" (1711), das Aufstellen einer Feuerlöschordnung (1848) und die Bildung einer "Rettungsmannschaft zur Hilfesleistung bei vorkommender Feuergefahr", die 1863 vom Männer-Turnverein Genthin ausging, kam Schmechtig zur Gründung der Feuerwehr. Sie wurde am 28. März 1874 vom damaligen Bürgermeister Winter und dem Vorsitzenden des Männerturnvereins, Kalkulator Bauer, sowie Bäckermeister Heinrich Körner vollzogen.

Die 140-jährige Geschichte der Feuerwehr resümierte der Stadtwehrleiter: "Eines konnten wir in all den Jahrzehnten bei den vielen tausenden Einsätzen aller Generationen Genthiner Feuerwehrleute unter Beweis stellen: Verlässlichkeit für unsere Bürgerinnen und Bürger und Einstehen für die Gemeinschaft."

Für die Zukunft werde es für die Feuerwehr eine Herausforderung sein, das arbeitete Schmechtig heraus, die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr zu erhalten und den sich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Schmechtig: "Der Begriff Feuerwehr ist auch ein Synonym für die Solidarität innerhalb einer Gesellschaft, das sind Tatkraft, gelebte Ideale und soziale Kompetenz. Die freiwillige Feuerwehr ist heutzutage eine einzigartige Form des bürgerschaftlichen Engagements."

Bürgermeister Barz griff in seinen Glückwünschen den Begriff der Kameradschaftlichkeit auf. Er würde nicht nur für eine Anrede, sondern ein "Wir-Gefühl" stehen, sagte er. Es gebe im Dienst viele Situationen, die den Feuerwehrleuten psychisch und physisch extrem viel abverlangten. Dann sei es wichtig, Menschen um sich bzw. an der Seite zu haben, die sich mit erheblichem Aufwand hierfür vorbereitet haben und für einander einstünden. Gerade in gefährlichen Einsätzen müsse man sich auf die "Truppe" verlassen können. All dies bedeute Kameradschaft, sagte der Stadtchef. "Sie ist nicht nur ein Wort, sondern das wertvollste Gut innerhalb einer Feuerwehr. Kameradschaft basiert auf Vertrauen und Verlass. Wir können uns auf die Genthiner Feuerwehr verlassen. Das ist ein großes Geschenk an unsere Stadt".

Erstmals in der nunmehr 140-jährigen Geschichte der Feuerwehr wurde auf der Festsitzung ein Feuerwehrmann posthum als Ehrenmitglied gewürdigt. Diese Ehre wurde Wehrleiter Walter Wilke zuteil, der die Geschicke der Feuerwehr von 1933 bis 1953 leitete. In seine Amtszeit fiel auch das große Eisenbahnunglück im Jahr 1939, bei dem die Feuerwehr, seinerzeit nicht für das Retten ausgebildet, tagelang ununterbrochen im Einsatz war. "Diese Ehrung ist wirklich etwas ganz Besonderes, leider war es den Angehörigen heute nicht möglich, zur Festveranstaltung zu kommen", sagte Stadtwehrleiter Achim Schmechtig.

   

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