Rund um den Marktplatz waren am Sonnabend die Feuerwehr-Oldtimer im Einsatz. Das 140-jährige Jubiläum der Genthiner Wehr war Anlass für einen Wettbewerb mit historischen Handdruckspritzen.

Genthin l "An die Schwengel, Wasser Marsch", mit diesem Befehl wurden am Sonnabend die Feuerwehrkameraden an die historischen Handdruckspritzen gerufen. Danach hieß es für die Teilnehmer an den hölzernen Griffen der historischen Löschfahrzeuge kräftig pumpen. Bis das Wasser aus dem Feuerwehrschlauch weit über die vorgegebenen Markierungen rauschte. Das, was am Sonnabend als Spaß daherkam, war vor 100 Jahren Wirklichkeit für die Feuerwehr. Pferde zogen die Spritzen damals an den Einsatzort.

Insgesamt acht Feuerwehren der Stadt Genthin aber auch aus Nachbargemeinden erinnerten an diese Zeit und waren mit historischer Feuerwehrausstattung vor Ort. Erdacht hatte den Wettbewerb Hauptbrandmeister a.D. Dieter Tramitz. "Der Wettbewerb ist nur ein Teil der heutigen Prüfung, im Anderen bewerten wir, wie gut die historischen Pumpen erhalten sind." Dafür hatte Tramitz eine alte Preußische Verordnung von 1888 an die Teilnehmer verschickt, aus der hervorging, welche Teile zu einer Handdruckpumpe gehörten und wie damit umzugehen sei. "Das hat uns richtig Spaß gemacht", meinte Sandra Schulz von der Feuerwehr Kleinwusterwitz nach dem Wettbewerb lachend. Die Handdruckpumpe sei im Besitz der Kleinwusterwitzer Wehr seitdem diese 1933 gegründet wurde. "Die Pumpe ist aber wesentlich älter", fügte Ortswehrleiter Dirk Riebe hinzu.

Vor sechs Jahren wurde die Pumpe in Eigenregie liebevoll restauriert und wird heute bei Veranstaltungen gern vorgeführt. Frisch restauriert präsentierte auch die Feuerwehr Parchen ihre Handdruckspritze. "Die ist erst vor Kurzem durch Bürgerarbeiter der Stadt Genthin hergerichtet worden", konnte Ortschronist Günther Schulenburg berichten. Kein Wunder, dass die Einzelteile der 1850 in Dienst gestellten Pumpe wie neu in der Mittagssonne blitzten. "Auch der Anstrich ist erneuert worden, denn das dunkle Rot ist die Ursprungsfarbe", erläuterte Schulenburg. So schön die Spritze jetzt auch da stand, die umfassende Restaurierung kostete ein paar Punkte in der Bewertung. "Wir haben uns angeschaut, wie viel an den Stücken noch im Originalzustand vorhanden ist", erklärte der frühere Kleinwulkower Wehrleiter Wilfried Wagener, der als einer der Schiedsrichter beim Wettbewerb fungierte.

"Parchen hätte durchaus die volle Punktzahl verdient, aber bei der Spritze der Feuerwehr Gerwisch war alles Original, da kann man die volle Punktzahl geben", meinte Wagener. Insgesamt seien die historischen Feuerwehrgeräte aber in einem sehr guten Zustand, befand der Schiedsrichter. Beim Wettbewerb legten sich die Wehren allesamt ins Zeug. Besonders auffällig waren die Tucheimer Damen des Fördervereins der Wehr in historischen Uniformen. "Das sind alte Reserven, die sind rund 100 Jahre alt", erzählten die Feuerwehrfrauen mit einem Lachen. "Die Uniformen werden nur zu besonderen Anlässen herausgeholt", bestätigt Jutta Jeserick vom Feuerwehrförderverein Tucheim.

Auch wenn es in der Gesamtwertung am Ende nicht ganz so erfolgreich lief, machten die Tucheimer eine gute Figur an der historischen Spritze von 1906. "Die ist mal in einer Scheune aufgetaucht und 2004 haben wir sie wiederaufgebaut", erinnerte sich Jan Hartigs. Besonders erfolgreich lief es hingegen für die Feuerwehr Mützel. Sie belegten in der Auswertung den 1. Platz und auch wenn es nicht ums Siegen ging, wie Stadtwehrleiter Achim Schmechtig zu Beginn deutlich machte, die Mützeler waren sichtlich stolz. "Wir werden schon ein wenig feiern, aber der Großteil des Gewinns kommt unserer Jugendabteilung zugute", sagte Ortswehrleiter Tobias Kister.

Zum Sieg trug nicht nur die Leistung der Mützeler während des Wettbewerbs bei, sondern auch der gute Zustand der Handdruckspritze aus dem Jahr 1924. "Es ist noch alles im Original vorhanden", bestätigte Rüdiger Feuerherdt von der Mützeler Wehr. Positiv wurde die Veranstaltung bewertet. "Es schreit nach einer Wiederholung", fand Bürgermeister Thomas Barz.

 

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