Nicht nur Güsener Einwohner waren schockiert nach dem Brand an der Jagdhütte in der Nacht von 2. zum 3. April. Ein Gebäude war dabei völlig zerstört worden. Schnell war klar, dass es sich nur um Brandstiftung handeln konnte. Jetzt hilft "Kripo live" bei der Fahndung nach dem oder den Täter(n).

Güsen l Mehrere Stunden war Rico Wolf mit seinem Team - Kameramann Jens-Peter Riedel und Lutz Bartczak (Ton) - am Dienstagabend in Güsen, um für einen Bericht in der MDR-Sendereihe "Kripo live" zu drehen und Interviews zu führen. Wenn nichts Gravierendes dazwischen kommt, soll der Bericht am Sonntag nächster Woche, 13. April, 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen gesendet werden.

"Die Polizei kam auf uns zu, weil unerklärlich ist, wer so etwas macht", sagte Rico Wolf. "Es ist nicht zu vermuten, dass ein Täter von weiter her hier in den Wald kommt und die Jagdhütte anzündet. Denn gestohlen wurde nichts, dem Täter ging es also offenbar nicht darum, Spuren zu verwischen, sondern gezielt um die Zerstörung dieser Hütte!"

Die Polizei sei jetzt mit ihren Ermittlungen an einem Stand, an dem es sinnvoll sei, noch einmal zu visualisieren, wie alles abgelaufen ist. Damit sollen auch die Zuschauer der Sendung angeregt werden, noch einmal genau zu überlegen, ob ihnen nicht vielleicht doch irgendetwas aufgefallen ist, das bei der Suche nach dem Täter oder den Tätern helfen könnte.

Fälle nachzustellen - das sorge immer für ein bisschen Wirbel und Unruhe im Ort, weiß Rico Wolf. Bei den Aufnahmen in Güsen sei - wie auch bei vielen anderen solchen Drehs - zu bemerken gewesen, wie alle mitziehen. "Die Dorfgemeinschaft hält zusammen, wenn es darum geht, den Täter zu schnappen. Das sollte diesem klar werden. Die Leute wollen es sich nicht gefallen lassen, dass der Täter damit davonkommt." Das, weiß Rico Wolf, hat schon des öfteren geholfen, Täter zu entlarven.

Begonnen haben er und sein Team ihre Dreharbeiten am späten Nachmittag auf dem Gelände der Jagdhütte, haben gefilmt, wie es nach dem Brand aussieht, und Hans-Werner Tusch, den Vorsitzenden des Vereins der Natur- und Waldfreunde Güsen, interviewt. Danach ging es zum Güsener Feuerwehrgerätehaus. Dort wurde zunächst ein Interview mit dem Gemeindewehrleiter Dietmar Kohrt sowie mit Feuerwehrleuten, die beim Brand vor Ort waren, geführt.

Nächste Station war die Güsenerin, die glücklicherweise zu jener frühen Stunde den Feuerschein entdeckt und den Brand gemeldet hatte - eine Volksstimme-Zustellerin. Inzwischen war es dunkel geworden, so dass nun eine Szene aufgenommen werden konnte, wie das Feuerwehrfahrzeug aus der Garage fährt und die Straße Richtung Jagdhütte hochrast. Dort hatten Hans-Werner Tusch und mehrere weitere Vereinsmitglieder ausgeharrt und alles für die nächsten Aufnahmen vorbereitet: Es sollte ja ein richtiger Brand mit "in den Kasten". Dafür bot sich die große Feuerschale, die sonst zum Stockbrotbacken genutzt wird, an. Ein paar Balken hinein und angezündet - und mit ein paar geschickten Kameraeinstellungen sieht man von weitem den Feuerschein und aus der Nähe eben brennende Balken. "Als wir in jener Nacht hier ankamen, war der Feuerschein um ein Vielfaches größer", erinnerten sich die Feuerwehrleute. Denn das hintere Gebäude stand bereits lichterloh in Flammen.

Im Hauptgebäude hatte damals das Feuer zum Glück rechtzeitig gelöscht werden können. Hier wurde nun der Einbruch nachgestellt. Rico Wolf ist dazu nicht zum ersten Mal in die Rolle des Täters geschlüpft. "Wir haben dafür keine Schauspieler, es geht ja nur um die Szenerie, welche noch einmal verdeutlicht werden soll", erklärt er. Mit einem Brecheisen tut er so, als ob er die Tür aufhebelt, nimmt einen Kanister mit hinein, in welchem statt Brandbeschleuniger nur etwas Wasser ist, das er über einen der ohnehin beschädigten Tische kippt. Um auch noch einen brennenden Tisch zu zeigen, hat das Team ein "frisiertes" Exemplar eigens mitgebracht.

Die Vereinsmitglieder und Feuerwehrleute verfolgen das alles fasziniert und sehr beeindruckt, wieviel Aufwand für wenige Minuten Filmbericht nötig ist. Sie sind zugleich froh, dass sie bei ihrer Suche nach dem Schuldigen solche Hilfe bekommen.

Die Feuerwehrleute waren gerne auch noch einmal mit hierher gekommen und hatten zusätzlich das Tankfahrzeug mitgebracht, denn inzwischen herrschte Waldbrandwarnstufe 3 - da ist auch ein Feuer in einer Schale mitten im Wald nicht ganz ungefährlich. Sie haben es nach Gebrauch sicher abgelöscht.

"Kripo Live", MDR-Fernsehen am Sonntag, 13. April, 19.50 Uhr

 

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