Parchen l Die Eröffnung des Jugendmodezentrums in der Genthiner Innenstadt war im Jahre 1974 schon ein beachtenswertes Ereignis. Die ehemalige Leiterin dieser Verkaufseinrichtung, Marika Schröder, hatte aus Anlass des 40. Jubiläums ihre damaligen Kolleginnen zu einem kleinen Fest in die Gaststätte Herget nach Parchen eingeladen.

Verkäuferinnen haben sich nie aus den Augen verloren

"Wir haben uns auch nach der Wende nicht aus den Augen verloren und uns zu den runden Jahrestagen getroffen. Deshalb war es in diesem Jahr eine Pflicht uns wiederzusehen", berichtete Organisatorin Marika Schröder. Es dauerte nicht lange, bis über ernste aber auch lustige Begebenheiten gesprochen wurde.

Für viele junge Menschen der Stadt sei die Verkaufseinrichtung die erste Adresse gewesen, wenn es darum ging, gute und moderne Kleidung und auch manches Accessoire zu erwerben. Darunter auch die heiß begehrten, wenn auch sehr teueren Westimporte. "Danach wurde vor Feiertagen immer gefragt", erinnerten sich die ehemaligen Verkäuferinnen. Bedauerlich fanden die anwesenden Verkäuferinnen immer während ihrer aktiven Zeit, dass die begehrtesten Kleidungsstücke jeglicher Art nicht in ausreichender Anzahl zum Verkauf angeboten werden konnten und dass es darüber immer Diskussionsbedarf gab. In Erinnerung rief die fröhliche Runde auch das unterschiedliche Einkaufsverhalten von Männern und Frauen. "Frauen waren beim Einkauf immer sehr wählerisch. Männer trafen sehr oft und sehr schnell ihre Auswahl", erzählte man sich in der fröhlichen Runde.

Wenn es um ein Geschenk für die Ehefrau oder Freundin ging, kam es auch vor, dass ein so genannter Ladenhüter an den Mann kam, weil er ihm eben gefiel. Ob die Dame des Herzens über das Geschenk ebenso erfreut gewesen ist, konnte an dem Abend nicht geklärt werden. An ein besonderes Erlebnis erinnerte sich Marika Schröder. "In den Verkaufsräumen wurde immer sehr moderne Musik eingespielt, um damit eine angenehmere Atmosphäre zu schaffen." In Ermangelung eines eigenen Kaufhausfunkes brachten die Verkäuferinnen ihre privaten Schallplatten mit zum Dienst. "Das waren Alben von den Bee Gees oder den Beatles, die es als Lizenzplatten in Berlin zu kaufen gab."

Treffen soll schon bald wiederholt werden

An einem Tag kam ein junger Mann in die Verkaufsstelle, der keine Kleidung, sondern Musik erwerben wollte. "Der wollte meine gerade abgespielte Schallplatte haben, egal, was sie kostete." Hundert Mark habe der Mann geboten, jedoch blieb Schröder standhaft. "Die Platten waren eine Kostbarkeit, die hat man so schnell nicht hergegeben." Sie fügte hinzu: "Deshalb habe ich die heute noch."

In den vergangenen Jahren war es üblich, dass sich das ehemalige Verkaufsteam in einem fünfjährigen Abstand traf. Wir wollen diesen Intervall nun verkürzen", beschloss die Runde. Aus diesem Grund soll es schon bald wieder ein solches Treffen geben, und vielleicht schließen sich noch weitere ehemalige Kollegen der Runde an.