Unfallchirurg Dr. Rüdiger Schultka hat das Genthiner Krankenhause verlassen. Patienten beklagen, dass sie ohne behandelnden Arzt dastehen. Alles halb so schlimm, Ersatz ist schon da, heißt es aus dem Krankenhaus.

Genthin l Unfall. Behandlung. Heilung. So läuft ein Aufenthalt im Krankenhaus idealerweise ab. Die Geschichte von Ulrike Gottschalk aus Brettin liest sich anders.

Bei einem Unfall im März 2013 zieht sie sich eine Knieverletzung zu. Zwei kleinere Operationen im Genthiner Krankenhaus folgen. Durchgeführt wurden diese von Dr. Rüdiger Schultka. "Ich war sehr zufrieden", sagt Ulrike Gottschalk und spricht von einem Vertrauensverhältnis. Zu einer größeren OP soll sie dann nach Stendal.

"Dort wurden die Ergebnisse aus Genthin ignoriert. Der Arzt wollte nicht einmal die Röntgenbilder sehen", sagt Gottschalk. Eine andere Therapie wurde ihr vorgeschlagen. "Ich fühlte mich in Stendal nicht gut aufgehoben, wollte mich lieber in Genthin von Dr. Schultka behandeln lassen."

Zu spät. Als sie das nächste Mal in Genthin vorspricht, ist Schultka bereits beurlaubt. Gottschalk: "Mitten in der Behandlung ist auf einmal der behandelnde Arzt weg. Warum macht man sowas?"

Noch unvermittelter traf Schultkas Beurlaubung Rainer Gödicke. Der Brettiner war wegen einer ausgerenkten Schulter in Genthin in Behandlung. "Bei Schultka fühlte ich mich gut aufgehoben, war sehr zufrieden." Der Chirurg renkte Gödickes Schulter ein und vereinbarte mit ihm einen OP-Termin.

Am 18. Februar sollte die OP stattfinden. Gödicke hatte bereits sein Zimmer bezogen, als man ihm mitteilte, dass der Eingriff nicht stattfinden würde. Neuer Termin am Montag. Dieser wurde am Sonnabend abgesagt. "Telefonisch und für mich ohne die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen", beschwert sich Gödicke, den Schmerzen plagen: "Ich kann mit dem Arm nichts machen, komme nicht mal allein aus der Wanne."

Weil es in Genthin nicht voran geht, sucht Gödicke nach anderen Ärzten. Als er seine Papiere aus dem Johanniter-Krankenhaus abholt, wird ihm auf Nachfrage gesagt, dass Schultka beurlaubt ist. "Man hat es nicht mal für nötig gehalten, mich darüber in Kenntnis zu setzen, dass mein Arzt nicht mehr verfügbar ist. Dieser Information musste ich nachlaufen."

Alternativen wie etwa eine OP in Stendal seien ihm nicht angeboten worden. "Hier werden Querelen zwischen Genthin und Stendal auf dem Rücken von Patienten ausgetragen", sagt Gödicke.

Die Pressestelle des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal schreibt zu den Vorwürfen: "Das Patientenwohl steht immer im Vordergrund. Der Wechsel von Ärzten ist nicht immer auszuschließen." Prof. Dr. Ulrich Nellessen, Chefarzt in Stendal, findet deutlichere Worte. "Dr. Schultka und das Johanniter-Krankenhaus haben sich getrennt." Er spricht von einem harten, aber sauberen Schnitt. Schmutzige Wäsche will er nicht waschen. "Das ist wie in einer Partnerschaft. Ein guter Mann und eine gute Frau ergeben nicht automatisch die perfekte Ehe." Zwischen Schultka und dem Krankenhaus hätte es nicht gepasst. Das sah auch das Arbeitsgericht so. Der Richter stimmte der Entlassung Schultkas zu.

Den Vorwürfen, dass Patienten ohne Arzt dastanden widerspricht Nellessen: Schon bei Schultkas Beurlaubung hätte man sich um Ersatz gekümmert. Dieser war in Form von Dr. Dieter Kohlmeyer schnell gefunden. "Einen Tag nach dem Prozess gegen Schultka vor dem Arbeitsgericht haben wir Herrn Kohlmeyer in Genthin angestellt." Wieso die Patienten darüber nicht informiert wurden, kann sich Nellessen nicht erklären. Er könne es sich nur so vorstellen, dass Schultka die Patienten falsch informiert habe. Schultka war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nellessen stellt klar: Es gibt Ersatz für Schultka im Genthiner Krankenhaus. Behandlungen können in gewohnter Form durchgeführt werden.

Für Ulrike Gottschalk und Rainer Gödicke kommt diese Information zu spät. Beide sind inzwischen in Brandenburg in Behandlung.