Genthin l Ein Ständchen vom Frauenchor zum Geburtstag hat Jubilar Erhardt Böhm sehr berührt. "Ich war begeistert", sagte der nunmehr 90-Jährige, der gern böhmische Blasmusik hört und ursprünglich aus dem Sudetenland stammt.

Gefeiert wird heute im Hotel Stadt Genthin mit der ganzen Familie. Zwei Söhne, fünf Enkelinnen und zwei Urenkel hat er. Der jüngste Enkelsohn wurde im Oktober 2013 geboren.

Mit 18 musste er für Hitler in den Krieg ziehen, dreimal wurde er verwundet, anschließend ging es nach England in Kriegsgefangenschaft, bis er erst nach Colbitz und später nach Genthin kam. Forstwirtschaft hat er studiert. Ab 1958 leitete er für zehn Jahre den Forstwirtschaftsbetrieb in Genthin-Wald, wo er im Forsthaus lebte. "Das Denkmal gegenüber habe ich mit aufgebaut und jahrelang gepflegt", erzählte Böhm, der geistig noch topfit ist. Durch seinen Beruf war er oft an der frischen Luft und hat sich immer gut ernährt. Seine Frau sei eine hervorragende Bäckerin und Köchin gewesen. Sie verstarb 74-jährig in den 1990er Jahren. "Ein Glück, dass Micha noch hier wohnt", sagte Böhm. Der 54-jährige Sohn ist ihm im Alltag eine große Hilfe und hatte auch die Torte zum runden Jubiläum organisiert. "Das Besondere liegt in der Einfachheit", sagte er. Einfach habe die Familie gelebt, aber schön und sehr geborgen.

"Als ich 80 wurde, hätte ich nicht gedacht, dass ich die 90 noch schaffe", resümierte Anneliese Else, Jubilarin Nummer zwei im Haus Georg Stilke, an Bürgermeister Thomas Barz gewandt. Die Ur-Brettinerin hat 32 Jahre im Waschmittelwerk Genthin gearbeitet. Dort war sie in der Lohnbuchhaltung angestellt. Kollegin Regina Niedermüller ist unter den Gästen und erinnert sich: "Sie war eine sehr liebe Kollegin."

Verrechnet habe sie sich eher weniger. "Aber einmal waren in einer Lohntüte 20 Mark zu wenig und bei jemand anderem zuviel", erzählte die 90-Jährige eine Anekdote aus dem Arbeitsalltag. Auch ihre Tochter Margitta und Schwiegersohn Günter sind aus Neubrandenburg zum Feiern gekommen. Etwa alle vier Wochen sind sie zu Besuch. "Hier hat sie oft Besuch und fühlt sich wohl", erzählt Günter Krenz über seinen Eindruck. Eine liebe und ruhige Mutti sei sie, sagt die Tochter. "Auf die 91", so die 69-Jährige und stößt mit der Jubilarin und den Gästen mit einem Glas Sekt an.

Einen großen Garten hat Else früher bewirtschaftet. Ihren eigenen Spargel gestochen und viele Obst- und Gemüsesorten angebaut. Wenn noch Zeit blieb, machte sie gern Handarbeiten. "Jeden Vormittag bis Freitag ist Sport", erzählt die 90-Jährige über ihren Tagesablauf im Haus Georg Stilke. Der hält sie fit.

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