Das Jahr 2010 war nicht das ganz große Hochzeitsjahr für die Stadt Jerichow. Während sich 2009 43 Paare im Kloster oder im Rathaus das Ja-Wort gegeben haben, taten dies im vorigen Jahr nur 34 Paare – wiederum die Mehrzahl im Kloster. 24 standesamtliche Trauungen fanden 2010 in den historischen Mauern statt.

Von Sigrun Tausche

Jerichow. Ein großer Teil der Paare kommt von außerhalb der Einheitsgemeinde, teilweise sogar von weiter her, berichtet Anja Schünicke, Leiterin des Standesamtes. Das Angebot der Eheschließung im Kloster lockt viele hierher – sie wollen diesen besonderen Tag auch in einer besonderen Umgebung erleben. Somit fällt insbesondere für auswärtige Paare die Wahl in der Region auf das Kloster als Ort der Trauung.

Im vorigen Jahr waren das 14 Paare, während 20 aus der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow kamen. Bei den Auswärtigen spielt mitunter Entfernung kaum eine Rolle. Aus ihren Unterlagen zitiert Anja Schünicke einige der Wohnorte, aus denen die Brautleute stammen: Königswinter, Berlin, Mühlheim am Main, Hannover, Bad Muskau, München, Braunschweig… Eine Braut stammte sogar aus Moskau, erzählt sie. Zwar wohne sie jetzt in Berlin, aber ihre Eltern flogen zur Hochzeit aus der russischen Hauptstadt ein.

Der Trend gehe dahin, dass viele Gäste bereits zur Trauung mitgebracht werden. Die größte Gesellschaft, die sie im Kloster hatte, zählte über 70 Gäste.

Damit werde es ab der nächsten Saison allerdings vorbei sein, betont sie. Denn nach dem Brandschutzkonzept, das für das Kloster erarbeitet wurde, dürfen dann nur noch 40 Personen zugleich ins Sommerrefektorium.

Auch das extreme Gegenteil erlebte sie im vorigen Jahr: Ein Paar hatte sich ganz kurzfristig zur Eheschließung entschieden. Die beiden störte auch nicht, dass das Trauzimmer nicht vorbereitet war – nur schnell sollte es gehen. Denn die Braut war hochschwanger, das Baby hätte jederzeit kommen können. "Ich habe die beiden in meinem Büro getraut, sie waren ganz allein, aber das war ihnen alles egal. Sie waren glücklich!" Das Baby habe sich dann aber doch noch zwei Wochen Zeit gelassen.

Viele Tränen der Rührung hat Anja Schünicke im vergangenen Jahr wieder fließen sehen, aber auch manch lustige Situation erlebt. So etwa die Hälfte der Bräute könne die Tränen nicht zurückhalten, schätzt sie, bei den Männern sei es deutlich weniger, dagegen bei den Brauteltern noch wesentlich häufiger.

An eine der lustigen Situationen erinnert sie sich gern: "Der Bräutigam schaute während der Trauung etwas unaufmerksam in die Runde, da stieß ihn der Trauzeuge an und meinte: Eh‘, hör‘ zu! Alle mussten lachen, und nachher sind auch noch die Ringe weggekullert…"

Das Jahr 2011 wird ja vielleicht wieder ein heiratsfreudigeres Jahr – so zumindest lässt es sich an. Heute findet bereits die erste Trauung im Rathaus statt, insgesamt sind schon 17 Termine vergeben. Auch der Termin am 11.11.11, 11 Uhr ist schon weg!

Wiederum gebe es fürs Kloster die meisten Anmeldungen. Von Mai bis September ist dort die Eheschließung möglich. Die Bauarbeiten im Museumsbereich stören nicht, versichert Anja Schünicke.