Bergzow l Sie sind ein jung gebliebenes Goldpaar voller Energie: Hannelore (69) und Jost Dümecke (70) aus Bergzow. Gestern hatten die beiden ihren Ehrentag, und heute wird gefeiert im Haus unterhalb der Brücke über den Altkanal.

Kennengelernt hatten sich der Genthiner und die Bergzowerin während der Ausbildung zum Handelskaufmann bei der GHG (Großhandelsgenossenschaft) in Genthin. Jost Dümecke hat nach der Lehre zunächst im Konsum in Güsen gearbeitet und wechselte dann zum Stahlbau Parey, absolvierte ein Fernstudium zum Finanzökonom und war in Planung und Hauptbuchhaltung tätig, bis 1997 Schluss war. Für ein Jahr ging er dann noch mit der Firma nach Leipzig und ein weiteres Jahr nach Plauen. Mit einer kurzen Übergangszeit bei der QSG hat er es dann bis zur Rente geschafft.

Hannelore Dümecke ist in dem Haus, in dem die beiden heute noch wohnen, aufgewachsen. Sie hat, als die beiden Söhne noch klein waren, zunächst für die Versicherung gearbeitet. Später ging auch sie zum Stahlbau und war dort im Versand und in der Personalabteilung beschäftigt.

Zu den beiden Söhnen sind inzwischen fünf Enkel und zwei Urenkel dazu gekommen.

Aber nicht nur die große Familie hat immer dafür gesorgt, dass es den beiden nie langweilig wurde. Auf dem schönen, großen Grundstück gibt es immer zu tun, und außerdem sind Hannelore und Jost Dümecke ganz viel "auf Achse" - sowohl per Fahrrad als auch mit dem Auto. Auf dem Fahrrad sieht man sie in der Region nahezu täglich. Ihre kleinere Touren führen nach Zerben, manchmal geht es auch nach Nielebock oder bis Tangermünde. Bei gutem Wetter unternehmen sie gern auch Tagestouren mit dem Rad, über Fähre und Trogbrücke, und auch den Fiener haben sie schon erkundet.

Mit dem Auto geht`s gern sonntags los, wenn auch in den Städten weniger Verkehr ist und man dort Parkplätze findet, begründet Hannelore Dümecke.

Ins Ausland verreisen wollten sie ursprünglich überhaupt nicht, doch dann kam alles anders: 1998 hatte Hannelore Dümecke einen Reisegutschein fürs Legoland in Dänemark gewonnen. Beinahe wären sie gar nicht gefahren, haben es dann aber doch getan - und kommen nun aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus! Von Hannover wurden sie mit einem tollen Privatflieger abgeholt und dort im Legoland dann rundum verwöhnt.

Gleich im nächsten Jahr folgte der zweite Gewinn: Ein Reisegutschein nach Italien - Dolomiten, Venedig, Verona. Seitdem sind Dümeckes Italien-Fans. Mehrere Jahre hintereinander reisten sie dann dort hin, nun auch ohne Gewinngutschein. Dreimal ging`s in die Toskana, dann hinunter bis Rom, Neapel, Pompei. Und weil die Reiselust nun richtig entflammt war, kamen auch Paris, London und andere Ziele an die Reihe.

Ortschronistin mit Leidenschaft und Kampf um neue Brücke

So richtig hineingekniet hat sich Hannelore Dümecke auch in die Ortschronik. Mit einer ABM-Stelle war es 1999 losgegangen, und danach ist sie "hängengeblieben". Unzählige Stunden hat sie inzwischen ehrenamtlich dafür investiert, hat im Museum Genthin und im Archiv in Magdeburg recherchiert, hat mit vielen Leuten gesprochen, ist herumgereist, um Angehörige von ehemaligen Bergzower zu finden und so Material zusammen zu tragen. Ihr Mann unterstützt sie, wenn`s ums Herumfahren geht, ansonsten hält er sich raus - damit er nicht auch noch daran hängen bleibt, lacht er. "Einer muss ja auch zu Hause was machen!"

Ein "Projekt" hatten sie aber alle beide gemeinsam sehr energisch angepackt, und das mit Erfolg: 15 Jahre kämpften sie für die Erneuerung der Brücke über den Altkanal, weil die klappernden Bohlen ihnen den Schlaf raubten. Ein dicker Ordner an Schriftverkehr kam da zusammen.

Als die neue Brücke endlich gebaut wurde, hat sich wohl keiner mehr gefreut als Dümeckes. Nun können auch sie endlich wieder ruhig schlafen. Die neue Brücke ist ein Schmuckstück geworden.