Gestern fand die Deichschau im Bereich Jerichow-Elbe-Parey statt. Dabei wurde der Bereich bei Jerichow, wo der Deichneubau unmittelbar bevorsteht, ausgespart. Aber auch die anderen Teilabschnitte wurden unter dem Blickwinkel des Hochwassers 2013 betrachtet.

Jerichow/Elbe-Parey l Bei herrlichem Frühlingswetter und für diese Jahreszeit ungewöhnlichem Niedrigwasser der Elbe war die Deichschau - wäre da die Erinnerung ans Hochwasser nicht - ein idyllischer Spaziergang gewesen. Denn auf die große Gefahr durch die Elbeflut schien nichts hinzudeuten.

Sich in Sicherheit zu wiegen, fiel aber niemandem der Anwesenden ein - obwohl, wie Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner betonte, es nach der Flut so ungewöhnlich weiterging.

Denn ungewöhnlich ist ein so hohes Sommerhochwasser - nach 2002 nun aber schon das zweite derart extreme. Nach dem Juni 2013 habe es aber überhaupt kein größeres Hochwasser mehr gegeben, nicht mal die Alarmstufe ein, auch nicht im Frühjahr, wo das eigentlich normal ist. Stattdessen herrscht derzeit ein solch extremes Niedrigwasser, dass Kürschner sich nicht erinnern kann, es um diese Zeit je erlebt zu haben - fast einen Meter unter dem normalen Wasserstand sei es zur Zeit.

Die extremen Hochwasserereignisse haben, so Kürschner, zu einem Umdenken bei der Deichsanierung geführt: Grundsätzlich werden nun landseitig so genannte Bermen angebaut mit Deichverteidigungswegen darauf. Das bedeute aber auch, dass der Flächenverbrauch für die Deichsanierung deutlich größer ist und dass gleichzeitig auch mehr Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gebraucht werden. Kürschner richtete deshalb einen Appell an alle: "Wir suchen vernünftige, größere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die wir den Naturschutzbehörden anbieten können." Alle, die Ideen haben, insbesondere auch die Naturschutzverbände, seien angesprochen, sich zu melden, wenn sie Ideen haben.

Größere Maßnahmen am Deich sind in den vergangenen Monaten in diesem Abschnitt nicht erfolgt - im Gegensatz zu anderen Bereichen, wo Schäden sofort gesichert werden mussten. "Im Bereich Berensmanns Rampe bis Pareyer Schleuse laufen zur Zeit Baugrunduntersuchungen. Dort werden dann auch Planungen zur Deichsanierung in Auftrag gegeben." Kürschner ergänzte: "Ich bitte um Verständnis, dass wir nicht überall die Deiche sofort sanieren werden, sondern entsprechend einer Rangfolge, denn wir haben allein 90 Kilometer Elbdeich in meinem Flussbereich!" Überall, betonte er, müssen die Deiche sowohl erhöht werden, als auch eine Berme angebaut bekommen. Selbst dort, wo es schon eine Berme gibt, müsse diese erhöht und verbreitert werden, damit Fahrzeuge darauf fahren können.

Für den Bereich Derben werden auch die Planung angeschoben. Im Bereich Klietznick läuft bereits eine Baumaßnahme, die schon vor dem Hochwasser mit bauvorbereitenden Arbeiten begonnen worden war. Dies sei eine der ganz wenigen Ausnahmen, wo keine Berme angesetzt, sondern der bereits vorhandene landseitige Asphaltweg erhalten werde.

Damit im Zusammenhang stehe die geplante Deichrückverlegung bei Klietznick. Damit sei man in der zurückliegenden Zeit etwas auf der Stelle getreten, nun solle die Planung aber wieder vorangetrieben werden. Denn das Personal des LHW (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft) solle mit 40 Leuten aufgestockt werden.

Vorschlag: BVVG-Flächen als Ersatzflächen bereitstellen

Der Haken sei hier aber vor allem gewesen, dass nicht die nötigen Tauschflächen für die Landeigentümer zu bekommen waren. Zu diesem Problem gab Dr. Julius Borchers, Landwirt in Klietznick, eine Anregung: Beim Verkauf von BVVG-Flächen im Deichbereich sollte es ein Vorkaufsrecht für das Land beziehungsweise die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt geben, damit diese Flächen als Tauschflächen für Deichbaumaßnahmen und auch für die entsprechenden Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Borchers merkte an, dass es in der Vergangenheit passierte, dass hier in der Region größere Flächen der BVVG zum Höchstpreis verkauft wurden. Diese Chance hätte man nutzen können, um zum Beispiel für die Deichrückverlegung bei Klietznick Tauschflächen zur Verfügung zu stellen.

Im Bereich Jerichow seien aus den Erfahrungen des Hochwassers 2013 Lehren gezogen worden, führte Reinhard Kürschner seine Ausführungen zum aktuellen Stand fort. Hier laufen derzeit auch die Ausschreibungen, nächste Woche ist Submission. Er erläuterte nochmals die geplanten Maßnahmen, unter anderem, dass hinter einigen Grundstücken eine Spundwand geschlagen werden soll (Volksstimme berichtete).

Der Deichbereich an der Klostermauer werde jetzt auch untersucht, weil es dort ebenfalls Probleme gab, und es sollen Varianten geprüft werden, wie hier eine Sicherung erfolgen kann.

Insgesamt, fasste Reinhard Kürschner zusammen, müssten nach und nach alle Deiche noch einmal angefasst werden, und die sollen auf etwa neun Meter Pegelhöhe Tangermünde erhöht werden. Der Höchststand 2013 lag bei 8,38 Meter, so dass im Vergleich dazu noch 62 Zentimeter Freibord bis zur Deichkrone bleiben würden. "Das ist aus unserer Sicht ausreichend, aber es wird im Moment noch diskutiert, ob zusätzlich noch Zuschläge draufkommen." Im Bereich Magdeburg sei das der Fall.

Im Durchschnitt werden Deiche einen halben Meter höher

Im aktuellen Schaubereich, erläuterte Kürschner, würde das bedeuten, dass auf den Deich überall noch ungefähr ein halber Meter draufkomme, was etwas schwanken könne.

Das bedeute auch, dass die Schäden in der Asphaltdecke auf der Deichkrone nur noch dort repariert werden, wo sie größer sind, nicht jedoch kleinere Risse, denn das lohnt sich nicht mehr.

Bei der Schau draußen war zu sehen, dass der Aufwuchs auf dem Deich dank des warmen Frühlingswetters stellenweise enorm ist. In einigen Bereichen, unter anderem bei Klietznick, sind bereits Schafe eingekoppelt. In anderen Abschnitten werde jetzt mit dem Mähen begonnen.

Erstmals bei einer Deichschau konnte diesmal der Leitdeich in der Bucher Brack ganz bis zum Ende begangen werden, betonte Reinhard Kürschner.

Denn inzwischen sind durch den NABU Stendal nicht nur die Zäune längs zum Deich abgebaut worden, sondern auch die Querzäune, die den hinteren Bereich des Leitdeichs versperrt hatten.

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