Genthin/Tucheim l Musikalisch wurde es gestern im Seniorenzentrum "Haus Georg Stilke". Pfarrer Reinhard Simon gab mit einer kleinen Abordnung des Chores der Trinitatis-Kirche eine Kostprobe aus dem Repertoire und Stilke-Mitarbeiterin Sylvia Lenz sang "Hoch soll sie leben". Anlass für die schönen Lieder war der 95. Geburtstag von Lisbet Schrödter.

Aufgewachsen in Reppinichen (Brandenburg), zog es sie später nach Tucheim. 30 Jahre lang hat die rüstige Dame in der Forst gearbeitet, davor war sie in der Landwirtschaft tätig. Aktiv war sie früher und Aktivität hat sie sich bis ins hohe Alter bewahrt. So erzählt sie ihren Gästen, dass sie jeden Tag um 6.30 Uhr aufsteht. Spazieren steht dann immer auf dem Programm. "Frische Luft ist wichtig", sagt Lisbet Schrödter und sieht dabei so gar nicht aus, wie man sich eine 95-Jährige vorstellt. Schick frisiert sitzt sie in Stoffhose und Bluse im Speiseraum des Stilke-Hauses und bedankt sich bei ihren Gästen. Zu denen gehört auch Bürgermeister Thomas Barz, der einen großen Blumenstrauß dabei hat. "Was ich kann, mache ich auch noch", erzählt Schrödter dem Stadtchef. Und das ist nicht wenig: Sie hilft beim Kochen, schält Spargel, geht zum Töpfern knetet Teig, wenn im Seniorenzentrum gebacken wird...

Bei ihrer eigenen Geburtstagstorte hat sie natürlich nicht geholfen. Die wurde beim Bäcker bestellt, besonderer Hingucker: die große 95.

Die Torte kam vor ihrer Verspeisung sogar noch ein bisschen rum. Nachdem Bürgermeister und Trinitatis-Chor sich verabschiedet hatten, ging es für die Jubilarin samt Torte nach Tucheim, wo sie mit der ganzen Familie feierte. Drei Enkel und drei Urenkel gehören dazu.

Vorher beantwortete sie bei einem Glas Sekt geduldig die Fragen der Gäste. Welcher runde Geburtstag der beste sei, wollte zum Beispiel Thomas Barz wissen. "Der 90. war sehr schön. Den haben wir in Tucheim in der Kneipe gefeiert", erzählte Lisbet Schrödter. Und dass sie oft mit dem Bus von Genthin nach Tucheim gefahren sei. "Jetzt geht das nicht mehr. Es fahren ja kaum noch Busse."

Bittere oder wütende Gesichtszüge kann man sich auf dem Gesicht von Schrödter trotzdem nicht vorstellen. Fröhlich schaut sie in ihre Geburtstagsrunde, herzlich macht sie Smalltalk und gewinnend lächelt sie, wenn sie etwas nicht gleich verstanden hat.

Bürgermeister Thomas Barz verspricht, zum 100. Geburtstag wieder zu kommen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich die 95 schaffe", gibt ihm Lisbet Schrödter noch mit auf den Weg. Ein Rezept für ein hohes Alter hat sie nicht, aber Britta Möbes, Leiterin des Stilke-Hauses hat eine Erklärung, warum das Geburtstagskind noch so rüstig ist: "Menschen, die zufrieden sind, werden älter, weil sie in jeder Situation etwas gutes sehen."