Hoch emotional ging es zu Beginn der Stadtratssitzung am Donnerstagabend zu. Eine Elterngruppe hatte sich vor dem Rathaus versammelt, um die in der Haushaltskonsolidierung geplante Sportstättenneuordnung in der Stadt Genthin im letzten Moment zu verhindern.

Genthin l Bereits vor der Stadtratssitzung hatte Bürgermei-ster Thomas Barz (parteilos) alle Hände voll zu tun, um die erhitzen Gemüter zu beruhigen. Vor dem Rathaus diskutierte eine Gruppe aus Eltern, Lehrern und Vereinsvertretern mit dem Stadtchef über die geplante Turnhallennutzung der Genthiner Grundschüler, die mit der Haushaltskonsolidierung neu geregelt werden soll.

Auf die Beine wurde die Gruppe durch den Volksstimme-Beitrag "Grundschulen bald ohne Turnhallen?" vom Donnerstag gebracht. Darin wurde berichtet, dass die Turnhallen der Grundschulen Diesterweg und Uhland in absehbarer Zeit nicht mehr genutzt werden sollen. Stattdessen sollen die Uhlandschüler die Halle der Sekundarschule Am Baumschulenweg mitnutzen, die sich wenige hundert Meter von der Grundschule entfernt befindet. Die Diesterwegschüler sollen ihre Sportstunden im Stadtkulturhaus abhalten, sobald dieses als multifunktionale Halle umgebaut wurde.

Da sich die Kontroverse vor dem Rathaus nicht lösen ließ und Barz trotz aller Bemühungen die Gemüter nicht beruhigen konnte, wurde die Beantwortung der Fragen in den Sitzungssaal des Rathauses und damit in die Stadtratssitzung verlegt.

Dort ging die Debatte in eine andere Richtung. Der Stadtratsvorsitzende Gerd Mangelsdorf (CDU) war mit Hinweis auf die Geschäftsordnung der Meinung, dass eine Diskussion mit den Bürgern nicht zulässig sei. Stadtrat Lutz Nitz (Grüne) fiel dem Vorsitzenden jedoch mit dem Hinweis ins Wort, dass während der Einwohnerfragestunde durchaus unangemeldet Fragen gestellt werden können, zumal das Thema "Schließung Turnhallen" nicht auf der Tagesordnung stehe.

Keine Fördermittel in Sicht

"Wenn es formal drin stehen würde, hätten sie nicht das Recht zu fragen, aber darauf hätte der Vorsitzende hinweisen müssen", schloss Nitz seine Ausführungen. Bürgermeister Barz ging auf die dringenden Fragen der Bürger ein. Diese hatten zuvor gebeten, die Entscheidung über die Haushaltskonsolidierung auf die Zeit nach der Kommunalwahl zu vertagen. Der Bürgermeister verwies auf das Haushaltsdefizit von sechs Millionen Euro und auf die nicht gewährten finanziellen Förderungen. "Nach dem Demografiecheck Stark III haben wir bei vielen Objekten erhebliche Probleme, überhaupt an Fördermittel zu kommen", führte er aus.

Bei der Uhlandschule sei die Turnhallensanierung vom Land abgelehnt worden, da dort die Vereinsnutzung überwiege. "Wir werden auch weiterhin Anträge stellen", machte Barz deutlich. Zudem solle man so ehrlich sein und sich eingestehen, dass es an der Diesterwegschule nur eine Baracke gäbe. "Lassen Sie uns deshalb gemeinsam dafür kämpfen, dass die Schüler qualitativ gute Sportstätten nutzen können", plädierte der Bürgermeister. Die Kinder müssen dafür Wege in Kauf nehmen, was auf den Unmut der Eltern stößt. "Wie soll eine Lehrerin mit 20 Kindern einen Fußweg von 500 Metern bewältigen, bei denen zwei stark befahrene Straßen überquert werden?", fragte Kathrin Kühnel für die Betroffenen der Uhlandschule.

"Sollte der Weg gefährlich sein, ist es ein leichtes einen Bustransfer zu organisieren", meinte Barz. Und beruhigte die Eltern: "Es wird morgen niemand mit dem Schlüssel kommen und die Turnhallen dichtmachen. Vielmehr sollendie Turnhallen nicht mehr ertüchtigt werden." Es sei eine Planung für den Fall, dass schlimmere Reparaturen kommen und man ausweichen müsse. "Wenn festgestellt wird, dass erhebliche Mängel vorhanden sind, und wir sagen müssen, wir warten bis doch Fördermittel kommen, dann gehen wir in die anderen Sporthallen."

Woher soll Geld kommen?

Ob es überhaupt wahrscheinlich sei, dass solche Fördermittel kommen, wollte Nicole Krause im Namen der Eltern wissen. "Ab dem nächsten Jahr werden die neuen Fördermittel aufgelegt", antwortete der Bürgermeister. Darauf werde gewartet. Zumal die Uhlandschule barrierefrei gestaltet werde. "Das ist zukunftsweisend für den Standort", machte Barz deutlich. Zudem warnte er vor Stimmungsmache. "Fallen Sie nicht auf Protagonisten rein, die sagen ich mache das für dich. Fragen Sie woher das Geld dafür kommen soll."

Der Bürgermeister versprach, mit den Eltern aber auch mit den Vereinen im Gespräch zu bleiben, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Denn auch die Vereine machen sich Sorgen. "In diesem Jahr haben wir während des Umbaus auf Trainingszeiten in der Halle verzichtet", schilderte Wulff Thomas die Vereinssicht. "Wenn sich das fortsetzt, hätten unsere Vereine das Gefühl, es wird um sie mehr Nacht als Tag."

Das allerdings ließ der Bürgermeister so nicht stehen. "Wir haben uns die Belegungspläne der gesamten Stadt angesehen und dabei festgestellt, dass die Hallen nicht optimal genutzt werden", machte er deutlich. Die Planungen gäben auch die Möglichkeit neue und hochwertige Sportstätten auszulasten. Letztlich ist das letzte Wort über die Turnhallennutzung nicht gesprochen. Die Eltern ihrerseits haben vorgeschlagen, auch Fördertöpfe beispielsweise der Lotto-Gesellschaft anzufragen, um selbst eine Entscheidung herbeizuführen.