Jerichow/Mangelsdorf l Es gab im vergangenen Jahr schon einmal ein Zeitzeugenprojekt, das über den Regionalen Arbeitskreis Jugendarbeit (RaJa) mit Teilnehmern aus dem gesamten Altkreis Genthin lief. "Da gibt es Potenzial, noch mehr daraus zu machen", fand Tim Lach aus Redekin, der in Potsdam Geschichte und Chemie auf Lehramt studiert. Da im Moment ein geschichtsbezogenes Praktikum auf seinem Studienplan steht, entstand die Idee, etwas gemeinsam mit Jugendlichen aus der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow zu machen. Das fand sowohl in seiner Uni als auch hier vor Ort großen Zuspruch.

Gemeinsam mit Victoria Gronka, die verantwortlich ist für die Jugendarbeit in der Stadt, hat Tim Lach das Projekt vorbereitet. Mit dem Aufruf "Hast du Lust, Geschichte einmal anders zu erleben? Kein Bock auf langweilige Theorie und nervige Merkzahlen? Dann bist du bei uns genau richtig!" konnten sie 14 Teilnehmer zwischen 14 und 18 Jahren gewinnen.

Als Aufbauprojekt zum Zeitzeugenprojekt des Vorjahres, diesmal eben nur für die Stadt Jerichow, wurde das Vorhaben vom Begleitausschuss des Lokalen Aktionsplans (LAP) Genthin-Jerichow ebenfalls für förderwürdig befunden und wird nun über diesen finanziert. "Wir brauchten aber einen Verein als Träger. Das ist nun der Heimatverein Mangelsdorf", erklärt Tim Lach und ergänzt: "Wir haben auch einen direkten Bezug dazu: eine Zeitzeugengeschichte aus Mangelsdorf."

Workshops im Jerichower Bürgerhaus

Für die Teilnehmer bedeutet die Förderung des Projekts, dass sie nichts zu bezahlen brauchen, auch nicht für die geplante Exkursion zum Schloss Cecilienhof, wo 1945 die "Potsdamer Konferenz" stattfand.

Workshops im Jerichower Bürgerhaus an den zwei kommenden Wochenenden und in den Pfingstferien Zeit zur Zusammenfassung der Ergebnisse stehen auf dem Ablaufplan des Projekts. Gearbeitet werden soll in Gruppen, die vom Alter her gemischt sind, denn die jungen Leute bringen bezüglich des bereits behandelten Schulstoffs unterschiedliche Voraussetzungen mit. Im Mittelpunkt wird die Flüchtlingswelle am Ende des 2. Weltkriegs stehen, und da soll es natürlich wiederum Gespräche mit Zeitzeugen geben. Tim Lach hat dazu selbst auch einen persönlichen Bezug: Seine Oma musste damals aus Schlesien fliehen.

Noch wichtiger für dieses Projekt sei aber nicht: "Was ist passiert?", denn das sei Schulstoff, sondern: "Wie kommt man zu Informationen? Wie wertet man sie aus? Wie stellt man es dar?", erklärt Tim Lach. Das soll auch Thema im ersten Workshop sein.

Drei Gruppen für unterschiedliche Aufgaben

Die drei Gruppen, in denen die Jugendlichen arbeiten, bekommen unterschiedliche Aufgaben: Die erste Gruppe soll ihre Ergebnisse in einer Powerpoint-Präsentation darstellen, die zweite in einer "Tagesschau des Jahres 1945" und die dritte auf einer Wandzeitung.

Wichtig sei dabei, dass die beiden Betreuer nur die Impulse und den Leitfaden geben wollen und die Jugendlichen dann eigenständig arbeiten sollen. Als Ort für die Workshops wurde das Bürgerhaus gewählt, um dem Projekt auch auf diese Weise einen besonderen Rahmen zu geben. Die Jugendarbeit im Club kann so weiterlaufen, ohne dass man sich gegenseitig stört.