Genthin l Lautes Kinderlachen schallt durch den Raum als Mark Jurtschenk (1) die Rutsche herunterwirbelt und in einem Becken voller Bälle landet. In der nächsten Sekunde fliegen etliche der bunten Kugeln durch die Luft...

Mark hat sichtlich Spaß beim Tag der offenen Tür in der Genthiner Kita "Rasselbande". Er ist mit seinen Eltern Anna und Michael Jurtschenk gekommen. "Unser Sohn geht seit Februar in den Kindergarten. Wir wollen den Tag nutzen, um die Kita noch besser kennenzulernen", sagt Mutter Anna. Während ihr Sohn samt Erzieherin in den Bällen verschwindet, zeigt Leiterin Stephanie Martius den Eltern den Kindergarten, der idyllisch im verkehrsberuhigten Bereich an der Uhland-Grundschule neben der Kita "Zwergenland" liegt.

Hexenwald und Kresse für den Kräuterquark

Die Führung startet im ersten Gruppenraum. Hier hat gerade das Natur-Projekt begonnen. "Das normale Spielzeug haben wir eingesammelt", erklärt Erzieherin Renate Grimm. Langweilig wird es hier trotzdem nicht. Mit Materialien, die man in der Natur findet, wurden Gärten gebaut, ein Hexenwald angelegt, Zahlen und Buchstaben aus Holz geformt, Kresse für den selbstgemachten Kräuterquark gesät...

Sechs Gruppen gibt es im Kindergarten "Rasselbande". Jede hat einen eigenen Raum mit eigenem Projekt. "Die Gruppen sind offen. Jedes Kind kann das machen, was es interessiert", erklärt Stephanie Martius. Die Freiheit hat aber auch Grenzen. "Ab 9 Uhr sind alle Kinder in ihren Stammgruppen. Vorher und nachmittags sind die Gruppen geöffnet. Martius erklärt das teiloffene Konzept: "So können die Kinder ihre Interessen erkunden und haben trotzdem ihre Stammerzieher um sich herum."

Interessiert begutachtet Familie Jurtschenk auch die anderen Gruppenräume. Sie lassen sich das Musikprojekt (Die Kinder entdecken mit zum Teil selbstgebastelten Instrumenten Klänge, machen Erfahrungen mit laut und leise...) und Snoozle-Raum (Hier können die Kinder sich entspannen und ausruhen.) zeigen.

Am Tag der offenen Tür ist auch am späten Nachmittag noch reger Betrieb in der Kita. Zwei Kinder spielen ein Theaterstück mit dem Kasper in der Hauptrolle. Andere haben die Stabpuppen für sich entdeckt. Wieder zwei andere hämmern Nägel in einen Baumstamm.

Lernen durch Ausprobieren ist hier das Motto. Das gilt auch für die Mahlzeiten. "Ganz bewusst stehen keine Essensmöbel in den Gruppenräumen", sagt Leiterin Stephanie Martius. Stattdessen gibt es ein Kinderrestaurant, in dem zu den Mahlzeiten ein Buffet aufgebaut wird. "So lernen die Kinder, zu essen, wann und worauf sie Hunger haben." Eine weitere Besonderheit in der "Rasselbande": Die Eltern brauchen kein Essen mitschicken. Die Kinder bekommen Frühstück, Mittag und einen Nachmittagssnack.

Als sich draußen der Regen verzieht, schauen sich Anna und Michael Jurtschenk die Außenanlage an: Ein großer Spielplatz mit Trampolin und anderen Geräten lädt zum Toben ein. Außerdem gibt es einen Naschgarten, in dem im Sommer die ersten Him- und Brombeeren erwartet werden. Sogar einen Kiwistrauch findet man hier. "Mal sehen, ob der Früchte trägt", sagt Stephanie Martius. "In meinem Garten zu Hause hat es nicht funktioniert."

Inklusion und Integration

Träger der "Rasselbande" ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Unter den 106 Plätzen sind auch 15 integrative. Andy Martius vom Vorstand des DRK: "Wir können hier auf viel Erfahrung mit integrativen Plätzen zurückgreifen." In jeder Gruppe gibt es eine Erzieherin mit Zusatzausbildung. So werden die Kinder nicht separat gefördert, sondern den ganzen Tag in ihrer Gruppe gezielt betreut. "Ich glaube, so wird man dem Ziel der Inklusion am ehesten gerecht", sagt Andy Martius.

Der Tag der offenen Tür fand zum ersten Mal statt. "Ich bin zufrieden mit der Resonanz", sagt Stephanie Martius. "Das machen wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder."

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