Derben l Ganz aufgeregt sind die Jungs, als sie Werner Meier sehen. Schnell sind sie angezogen und stehen an der Tür. Normalerweiser dürfen immer nur drei oder vier gleichzeitig mit. Nur heute fürs Foto können es einige mehr sein.

"Ich finde die Idee hervorragend", sagt Werner Meier, der Ortsbürgermeister von Derben, dessen Enkel unter den Jungs ist. Kita-Leiterin Manuela Deicke berichtet, wie es zu dieser Kindergarten-Werkstatt kam: "Wir hatten eine Weiterbildung, in der es um Jungs- und Mädchenspezifisches ging. Dabei wurde deutlich, dass die Jungs oft ein bisschen im Hintertreffen sind."

Dank einer Spende der Sparkasse in Höhe von 1 000 Euro, die bereits im vorigen Jahr an die Kita überreicht wurde, konnten zwei kindgerechte Werkbänke und entsprechendes Werkzeug dazu gekauft werden: Eine Bohrmaschine, bei der mit der Hand gekurbelt wird, einen Satz Bohrer dazu, Feile, Hammer, Gliedermaßstab, Wasserwaage und anderes. Was angeschafft werden soll, haben die Jungs vorher im Morgenkreis mit Erzieherin Ellen Knochenhauer besprochen.

Mit Schrottsammlung auf der Werft Geld beschafft

Was fehlte, war nun noch ein richtiger Werkstattraum. Solch ein kleines Gartenhaus bot sich an dafür, aber dafür fehlte erstmal noch das Geld. Die Lösung war kreativ: Einige Vatis der Kita-Kinder durften auf dem Gelände der Schiffswerft Barthel in Derben eine Schrottsammelaktion starten. Denn über Jahrzehnte hatte sich hier so manches angesammelt, das nicht mehr gebraucht wurde. Es hat sich gelohnt: Für den Erlös konnte das Häuschen gekauft werden.

Mit dem "Werkeln" wird nun erstmal klein angefangen. Der Gebrauch der Werkzeuge muss erstmal erlernt und geübt werden. Die Kinder sind eifrig, aber allzu lange hält die Konzentrationsfähigkeit noch nicht an, weiß Werner Meier. Ideen hat er schon viele. "Später können wir vielleicht mal ein Vogelhäuschen bauen", nennt er ein Beispiel.

Um das nötige Holz für die ersten Übungen der Kinder zu beschaffen, hatte er bei Tischler Gottfried Fritze in Zerben angefragt. Der hat sich sofort bereit erklärt zu helfen. Beim Zuschnitt von Brettern fallen genügend Reste an, und die reichen erstmal voll und ganz.

Mit der neuen Werkstatt soll aber keinesfalls eine Kluft zwischen Jungs und Mädchen getrieben werden, so nach dem Vorbild althergebrachter Rollenverteilungen. "Die Mädchen haben schon gesagt, so wollen auch mal", erzählt Manuela Deicke. Und natürlich dürfen sie das auch.

"Opa Meier" will künftig jeden Dienstag in die Kita kommen, außer, wenn etwas anderes dazwischen kommt. Im macht das Werkeln mit den Kindern mindestens genauso viel Spaß wie den Kindern selbst.