Die Ausdehnung der Kiesabbauflächen bei Parey ist genehmigt und nicht mehr zu verhindern, der Hochwasserschutz soll dadurch nicht beeinträchtigt werden, und die Kommunikation zwischen Kies-Firma Cemex und Landwirten soll besser werden. Das ist die Bilanz eines Gesprächs, zu dem Landtagsabgeordneter Detlef Radke (CDU) eingeladen hatte.

Parey l Als Anfang April Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens in Parey war, ist bereits heftig über den weiteren Flächenbedarf für den Kiesabbau diskutiert worden (Volksstimme berichtete). Inzwischen ist mit den Baggerarbeiten auf der anderen Seite des Betonspurwegs zum Deich begonnen worden. Dass auch ein früherer Gesprächstermin das nicht mehr hätte verhindern können, wurde sehr bald klar.

Das Planfeststellungsverfahren für den Kiesabbau bei Parey wurde bereits 1998 abgeschlossen. Der Rahmenbetriebsplan ist vom Bergbauunternehmen aufgestellt und von der Behörde genehmigt worden. Die Renaturierung sei Sache des Unternehmens, das über die Art und Weise selbst entscheiden könne, solange es sich im Rahmen der Planung bewegt, und der Landbedarf werde privatrechtlich geregelt. Das erklärte gleich zu Beginn Frank Ranneberg, Referatsleiter im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft. Aus Behördensicht gebe es keinen aktuellen Handlungsbedarf. Auch Ulf Desselsberger, Dezernatsleiter beim Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, unterstrich dies.

Landwirte ärgerlich über Flächenverlust

"Ein Landwirt wird niemals freiwillig seine Flächen hergeben", brachte Andreas Schmidt, Nachfolger von Joachim Hohenstein in der Hohenstein-Friedrich GbR, den Ärger der Landwirte auf den Punkt, und aus Sicht des Feuerwehrmanns, als der er 2013 im Hochwassereinsatz war, brachte er auch noch einmal die Angst um die schnelle Erreichbarkeit des Deichs zum Ausdruck.

Die für den Osten typische, problematische Situation der Landeigentümer stellte Joachim Hohenstein dar: "Es sind hier rund 20 Eigentümer, von denen keiner etwas vom Planfeststellungsverfahren weiß!" Denn es seien Alteigentümer, die ihre Flächen zurückbekommen haben, und die oder deren Nachfahren in den alten Bundesländern wohnen.

Heftige Meinungsverschiedenheiten gibt es zwischen Landwirten beziehungsweise -eigentümern und Kieswerk-Vertretern. Letztere betonten, dass man deutlich mehr zahle, als das Gutachten vorgab. Wolle man bei der BVVG Land kaufen, müsse man wesentlich mehr hinblättern, konterten die Landwirte. Es stimmt beides, allerdings sei das Gutachten unrealistisch niedrig, stellte Detlef Radke, der von Haus aus Landwirt ist, fest.

Für Joachim Hohenstein ist diese ganze Situation vor allem auch deshalb so schlimm, weil er das Gefühl habe, das alles schon einmal erlebt zu haben: "Zu DDR-Zeiten sind wir das Land losgeworden, und jetzt wieder!" Damals hatten die Landeigentümer keine Wahl, jetzt wieder nicht.

"Für uns ist die Sache gelaufen", so das Fazit von Andreas Schmidt. Er wünsche sich aber, dass dort, wo der Kiesabbau erledigt ist, die Flächen besser wieder hergestellt werden, und nicht "das Unterste zuoberst", sondern Sand unten, Mutterboden oben. Auf dem Acker zwischen Kiessee und Deich sei das nämlich passiert. Da gebe es Stellen, wo nichts mehr wächst. Die sollen nun wieder hergestellt werden.

Ein großer Teil der ehemaligen Ackerflächen freilich wird nach dem Kiesabbau Wasser bleiben. Viele Hektar werden das sein. Das Planfeststellungsverfahren umfasse insgesamt 180 Hektar.

Hochwasserschutz werde nicht beeinträchtigt

Zum Problem des Hochwasserschutzes erklärte Marcel Busch, Regionalleiter Mineralische Rohstoffe Nord-Ost bei Cemex, dass das Unternehmen im engen Kontakt mit dem LHW (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft) stehe. "Wir müssen gewährleisten, dass immer ausreichend Wege da sind." Im Februar 2013 hatte es mehrere Termine dazu im Amt gegeben. Damals seien alle der Ansicht gewesen: "Das Konzept entspricht den Vorschriften und ist tragbar."

Als Vertreter der Gemeinde begründete Ewald Janßen, Landwirt und Ratsmitglied, die Sorgen vor Ort: "Nach dem letzten Hochwasser sind wir alle hoch sensibilisiert. Wir haben richtig Schiss, dass so etwas in absehbarer Zeit wieder passiert." Deshalb müsse sichergestellt werden, dass durch den Kiesabbau keine Gefahr für die Hochwassersicherheit entsteht. "Wir befürchten, dass wegen der vielen alten Seitenarme der Elbe der Deich unterspült und weggedrückt werden könnte, wenn wir hier ein Loch von 100 Hektar haben."

Seitens der Bergbauspezialisten wurde aber nochmals betont: "Die Standsicherheit des Deichs ist gutachterlich belegt." Und ein Abstand von 100 Metern zwischen Abbaufläche und Deich sei einzuhalten.

Zu der Wegeproblematik erklärten die Cemex-Vertreter, dass der besagte Betonspurweg aufgemacht werden müsse, um den Schwimmbagger auf die neue Fläche zu kriegen. "Danach wird er wieder zugemacht." In der Zwischenzeit werde um die neue Abbaufläche herum ein Ersatzweg gebaut, der danach wieder zurückgebaut werden soll.