Zum fünften Mal feierten hunderte ehemalige Trassenerbauer ein Wiedersehen beim Trassentreffen in Zabakuck. Sie alle waren einst am Bau der "Erdgastrasse UdSSR" beteiligt. Zwischen den Treffen vernetzen sich die Teilnehmer im Internet.

Zabakuck/Genthin l Es war wieder eine bunte Truppe, die sich über den Feiertag auf dem Gelände des Touristenzentrums in Zabakuck versammelt hatte. Aus Venezuela, Österreich oder der Schweiz waren einige der rund 400 Teilnehmer des 5. Trassentreffens in Zabakuck angereist. Sie alle eint, dass sie einst an einem ganz besonderen Projekt der DDR teilhatten.

Sie folgten dem Ruf, sich am Jugendobjekt "Drushba-Trasse" zu beteiligen. Einen 550 Kilometer langen Abschnitt der insgesamt 2 750 Kilometer langen Erdgasleitung vom Südural bis an die Westgrenze der damaligen Sowjetunion hatte die DDR zu bauen. Viele junge Leute waren mehrere Jahre lang dabei - Jahre, in denen sich enge Freundschaften entwickelten und ein Lebensgefühl, das bis heute Bestand hat.

Wenig Schlaf, Lärm und Zwölf-Stunden-Schichten

"Es gibt einen ganz besonderen Zusammenhalt", sagt Udo Neumann aus Zerbst. Er war einst im Gewerk Vorstrecken/Schweißen als Maschinist tätig. Die Arbeit sei nicht leicht gewesen, Zwölf-Stunden-Schichten, wenig Schlaf, Lärm. "Aber es gab nicht nur gutes Geld, sondern auch einige Vergünstigungen vom Fotoapparat bis hin zu Baumaterialien. Letztlich war auch ein wenig Abenteuerlust dabei, klar wir wollten rumkommen."

Dass man die alten Kollegen bei den Treffen wiedersehen könne, sei ein wichtiger Teil der Kultur rund um die Erdgastrasse. "Es wird immer besser", sagt Ralf Jäger aus Burg. "Mittlerweile kennen wir uns schon seit Jahren, und wenn ich hier über den Platz gehe, treffe ich ganz viele bekannte Gesichter." Das mache den Reiz aus. Zudem habe man eine gemeinsame Geschichte. "Ich wollte damals etwas erleben, bei dem man sagt, da kommt so schnell keiner hin", erinnert sich Jäger.

Er hatte sich für die Arbeit in der Sowjetunion beworben und begann 1986 im sibirischen Bada als Baumaschinenfahrer. Es sei eine fantastische Zeit gewesen. Auch der Aufenthalt in Zabakuck ist für die Teilnehmer immer wieder bemerkenswert. "Viele kommen auch als Sommergäste im Laufe des Jahres wieder", berichtet Olaf Münchow aus Magdeburg, der auch in diesem Jahr das Treffen organisiert hat. "Für uns bietet Zabakuck optimale Bedingungen."

Das Gelände sei groß genug für Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte. "Wir sind mittlerweile auch ein touristischer Faktor", meint Münchow, der mit dem Treffen auch in zwei Jahren wieder zu Gast sein möchte. Mittlerweile ist es dank des Internets einfacher geworden, Kontakt zu halten und die Teilnehmer zu informieren. Das bestätigt Roswitha Wolter aus Rostock. Sie ist eine der Gründerinnen der Facebook-Gruppe der Trassenerbauer. "Für uns bietet diese Plattform die Möglichkeit, viele ehemalige Kollegen wiederzufinden oder kennenzulernen", sagt Wolter. Zudem sei der Austausch und die Präsentation von Bildern wesentlich einfacher als in Internetforen.

"Kaum ist ein Foto hochgeladen, laufen die meist freundlichen und erläuternden Kommentare ein", so Wolter, die 1986 mit der Arbeit an der Trasse begann. "Binnen kürzester Zeit kommen so 350 Kommentare zusammen", sagt die heutige Verwaltungsfachangestellte. Die Facebook-Gruppe habe im vergangenen Jahr mit mehreren Dutzend Teilnehmern begonnen, mittlerweile sind es 250 Mitglieder. Kein Wunder, meint Wolter. "Wenn wir das Wort Trasse hören, geht uns das Herz auf", sagt die lebhafte Frau.

"Uns eint alle eins: Wir haben eine Trassenmacke", sagt sie mit einem Lachen und fügt nach dem Protest ihrer Trassenkollegen hinzu: "Das meine ich doch positiv."

 

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